Reiseveranstalter
Vom billigen Jakob zum Allrounder

Weil die Deutschen immer kurzfristiger verreisen, geht es den Last-Minute-Anbietern so gut wie selten zuvor. Mit Hilfe von Internet-Schnittstellen bauen sie ihr Angebot aus. Experten warnen, das herrkömliche Reiseanbieter die Spontanurlauber bald vollkommen vergrault haben könnten.

DÜSSELDORF. Lange Zeit galten sie als die billigen Jakobs der Tourismusbranche, die Ladenhüter aus den Katalogen der Reiseveranstalter zu Ausverkaufspreisen verramschen. Doch das hat sich geändert. Immer mehr Deutsche buchen ihren Urlaub kurzfristig bei Last-Minute-Anbietern. Den Trend haben die großen Reiseveranstalter weder mit Frühbucher-Rabatten noch mit verminderten Flug- und Hotelkapazitäten stoppen können.

Für die Anbieter von Last-Minute-Reisen sind gute Zeiten angebrochen. Eine Studie der Nürnberger GfK ermittelte, dass gut jeder zweite Deutsche Reisen ohne langen zeitlichen Vorlauf bucht. Eine Untersuchung der Beratungsfirma Web-Tourismus befand: „Die Last-Minute-Reise ist längst ein fester Bestandteil des Reisemarkts.“ Rund 25 Millionen Deutsche planten in diesem Jahr ganz kurzfristig in den Urlaub zu gehen.

Die Experten warnen die Reiseveranstalter, dies zu unterschätzen: „Durch Rabattmaßnahmen wie den Frühbucherrabatt werden sie nicht nur die eigenen Preise und somit Umsätze für die Haupturlaubsreise mittelfristig gefährden, sondern die spontanen Urlauber – die ungehindert möglicher Angebote der Veranstalter verreisen – gänzlich verlieren.“

Bei den Großen der Branche wird das nicht ganz so dramatisch gesehen: „40 Prozent unserer Kunden buchen mindestens fünf Monate vor Reiseantritt, Tendenz steigend“, sagt etwa Tui-Deutschland-Chef Volker Böttcher. Doch die Zeiten, da Last-Minute-Angebote nur Restkapazitäten aus den Reisekatalogen schnell an den Konsumenten brachten, sind vorbei. Markus Faller, Marketing-Vorstand beim Branchenpionier L'tur: „Früher haben die Restkontingente bei uns 70 bis 80 Prozent des Umsatzes ausgemacht, heute sind es weit unter 50 Prozent.“

Die Touristikexperten fürs schnelle Geschäft besorgen sich weltweit Plätze in Flugzeugen und Hotelbetten über Internet-Schnittstellen. L'tur vermarktet die dann neu zu Reisepaketen zusammen gestellten Ferientrips über 165 eigene „Shops“ und zu knapp 40 Prozent übers Web. Mit 800 000 Kunden setzte das Baden-Badener Unternehmen 2007 „im 20. Rekordjahr in Folge“ 365 Mill. Euro um. Ergebnisse werden nicht publiziert.

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