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Drogeriekönig Müller: Der Fall des Friseurs

Drogeriekönig Erwin Müller hat eine große Nachkriegskarriere hingelegt. Nun sorgen sich seine Mitarbeiter und Manager um das Milliarden-Imperium - weil der Patriarch nicht loslassen kann. Wie der 76-Jährige mit seinem Lebenswerk spielt.

ULM. Sie haben ihn mit dem Oldtimer abgeholt und in ein Bierzelt gebracht, um ihn zu feiern. Eine Überraschungsparty für den Chef, für Erwin Müller. 60 Jahre alt ist er geworden. Ein guter Anlass zurückzublicken. Und voraus. Erwin Müller bedankt sich bei den etwa 400 Gästen. Mit 60 ist es Zeit für einen Unternehmer, daran zu denken, die Geschäfte anderen zu übergeben, loszulassen. Ja, selbstverständlich, sagt Müller, auch für ihn sei mit 65 Jahren Schluss. Dann werde er die Firma nicht mehr betreten. Und wenn er dann doch noch ins Büro komme, könne man ihn einen Lügner nennen, einen alten Esel, der es nicht lassen könne. Diese Worte haben sich einem eingebrannt, der dabei war an jenem Septembertag des Jahres 1992.

Sechzehneinhalb Jahre später kommt Erwin Müller noch immer in die Firma. Nimmt noch immer die Treppe hoch in den dritten Stock statt den Aufzug. Jeden Tag. Und das ist das Problem.

Erwin Müller ist einer der großen deutschen Unternehmer der Nachkriegszeit. Aus einem Friseurladen machte er eine Kette von Minikaufhäusern mit 2,5 Milliarden Euro Jahreserlös, 22000 Mitarbeitern, 561 Filialen in Deutschland und fünf weiteren Ländern. Er ist einer der wenigen Deutschen, die es in den vergangenen 50 Jahren zum Umsatz-Milliardär gebracht haben.

Nun wird Erwin Müller zum Beispiel dafür, was passieren kann, wenn ein Firmengründer nicht loslässt.

Mit seinen Launen gefährdet Müller sein Lebenswerk. Noch stimmen - oberflächlich betrachtet - die Geschäftszahlen. Doch in seiner Firma ist eine gefährliche Stimmung entstanden. Müller vergrault Manager auf Manager, weil er alles an sich reißt. Mit einsamen Entscheidungen schwächt er sein Imperium. Mitarbeiter haben über die Gewerkschaft Verdi eine Strafanzeige gegen den Chef angestrebt, um sich gegen seine Gängelei zu wehren. "Die Firma Müller muss von Erwin Müller befreit werden", sagt ein Insider. Nur so könne sie überleben.

Es wäre interessant, von Erwin Müller selbst zu erfahren, wie er die Dinge sieht. Doch er gibt fast nie Interviews; die für diesen Artikel eingereichten Fragen hat er nur schriftlich beantwortet.

Dafür reden immer mehr Menschen, die mit Müller zu tun haben, ihm lange loyal dienten. Manche arbeiten im Lager, andere an hohen Stellen im Unternehmen. Sie alle treibt die Sorge um, dass das, was Erwin Müller mit ihrer Hilfe aufgebaut hat, zerstört wird. Von Erwin Müller.

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