Reserven des Dualen Systems sind höher als das Angebot von Kohlberg Kravis Roberts
Finanzinvestor streicht beim Kauf des DSD satten Gewinn ein

Sollten die 553 Aktionäre des Dualen Systems Deutschland (DSD) am Montag in Köln dem Übernahmeangebot von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) zustimmen, kann sich die US-Beteiligungsfirma über ein lukratives Geschäft freuen. Die Amerikaner geben für den Erwerb der Aktien zwar 260 Mill. Euro aus, und zusammen mit den versprochenen Rückvergütungen, zusätzlichen Preissenkungen, Umstellungsprämien und Darlehensrückzahlungen kostet sie der Deal insgesamt 807 Mill Euro.

HB DÜSSELDORF. Doch das Geschäft finanziert sich von selbst: Zum Stichtag 31. Dezember 2003, liest man im DSD-Geschäftsbericht auf Seite sechs, summierten sich Wertpapiere, Guthaben bei Kreditinstituten und der Kassenbestand des DSD auf 836 Mill. Euro – Liquiditätsreserven.

Die fallen nun der US-Beteiligungsfirma zu – und sogar noch mehr. Auf Anfrage teilte ein Sprecher des DSD mit: „Auf Grund des positiven Geschäftsverlaufs, der zu einer beschlossenen Rückvergütung an die Kunden in Höhe von 160 Millionen Euro führen wird, sind die flüssigen Mittel stichtagsbedingt höher als zum Ende 2003.“

Beobachter halten diesen Vorgang für bedenklich, denn die hohen Geldreserven konnte das DSD nur aufbauen, indem es den Kunden unbemerkt überhöhte Preise für den Grünen Punkt in Rechnung stellte. Dabei hatte die Bundesregierung der Kölner Müllorganisation die Betriebsgenehmigung lediglich unter der Maßgabe erteilt, keine Gewinne zu erzielen. „Das komfortable Finanzpolster, das sich nun KKR einverleibt“, wettert der Chef einer großen Entsorgungsfirma, „müsste eigentlich an Deutschlands Verbraucher zurückgezahlt werden.“ Gleiches gelte für die hohen Kursgewinne der DSD-Aktionäre aus Handel und Industrie, die mit dem Gedanken einer Nonprofit-Organisation nicht vereinbar seien. Ein KKR-Sprecher hält dagegen: „Unser Kaufpreis ist absolut gerechtfertigt. Sonst hätten wir das Angebot nicht gemacht.“

DSD-Wettbewerber kritisieren zudem, dass Kunden des Grünen Punkts einen Teil der KKR-Zuwendungen nur dann erhalten, wenn sie dem Dualen System treu bleiben. „Das ist ein reines Kundenbindungsprogramm“, moniert ein Entsorgungsunternehmer. Kartellrechtlich sei dies bedenklich.

Die Komplettübernahme durch die Amerikaner gilt als wahrscheinlich. Denn jedem Anteilseigner bieten sie 468 250 Euro – das 180fache des ursprünglichen Einstiegspreises von 1997.

Damit dürfte auch der Stuhl von Vorstandschef Hans-Peter Repnik wackeln. Der einstige Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hatte die Verpackungsmüllfirma in den vergangenen zwei Jahren aus dem Schussfeld des Bundeskartellamts geführt. In Branchenkreisen heißt es jedoch, KKR verübele dem gewieften Taktiker, dass er bei seinen Bemühungen zu weit gegangen sei.

So ließ der 57-Jährige die gemeinsame Sammlung von Verpackungs- und Restmüll in nur einer Tonne testen. Der durchschlagende Erfolg dieser Aktion (Handelsblatt vom 13.10. 2004) gefährdet nun aber das Geschäftsmodell des Dualen Systems. Selbst im Bundestag sprachen sich am 1. Dezember Politiker mehrerer Parteien dafür aus, die Gelbe Tonne wieder abzuschaffen und die Müllsammlung den Kommunen zu überlassen.

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