Restaurants ändern ihre Speisekarten – Vogelgrippe verunsichert Verbraucher
Gastronomen und Caterer verzichten auf Geflügel

Deutsche Gastronomen und Gemeinschaftsverpfleger streichen zunehmend Putensteak und Hähnchenschnitzel von ihren Speisenkarten. Sie reagieren damit auf die Verunsicherung, die die in Europa grassierende Vogelgrippe bei den Verbrauchern ausgelöst hat. Vor allem die Importeure von Geflügelfleisch spüren schon erste empfindliche Absatz- und Umsatzrückgänge.

ire DÜSSELDORF. Im Geschäft mit den deutschen SB-Warenhäusern verzeichnen beispielsweise die niederländischen Geflügelexporteure bereits einen Umsatzrückgang von bis zu 20 Prozent, wie eine Sprecherin des Verbandes der niederländischen Fleischexporteure dem Handelsblatt bestätigte. Die Niederländer sind mit insgesamt 600 000 Tonnen pro Jahr die größten Geflügelfleischexporteure der EU. Etwa ein Drittel der Exporte geht nach Deutschland.

Der Verband der Eier-, Wild- und Geflügelwirtschaft, der vornehmlich Importeure vertritt, spricht von einem Absatzrückgang von immerhin zehn Prozent. Während der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), dem namhafte deutsche Geflügelproduzenten wie die PHW-Gruppe (Marke: Wiesenhof) angehören, keine eindeutige Kaufzurückhaltung beim Verbraucher spürt. Nur der Absatz von Massenware „ohne eindeutige Herkunftskennzeichnung“ sei „leicht rückläufig“, sagte ZDG-Sprecher Thomas Janning.

Doch ausgehend von der Spitzengastronomie verschwinden derzeit immer mehr Geflügelgerichte von den Speisekarten deutscher Restaurants. Fernsehkoch Tim Mälzer hat in der ZDF-Talkshow „Johannes B. Kerner“ bereits den zeitweiligen Verzicht auf Geflügelfleisch in seinem Hamburger Restaurant „Das weiße Haus“ angekündigt. Nun hat auch das Sternerestaurant „Hotel Traube“ in Tonbach im Schwarzwald seine Speisekarte für die Weihnachtszeit komplett geändert und kein Geflügel mehr im Angebot. Auch Spitzenkoch Harald Wohlfahrt hat sein Menü für die Dinnershow „Palazzo“ in Hamburg, Stuttgart und Mannheim wegen der Vogelgrippe geändert. Anstelle von Barbarie-Entenbrust wird als Hauptgang ein Tournedo vom Rinderfilet serviert.

Diesem Trend weg von Ente, Pute und Hähnchen folgen jetzt offenbar auch führende Unternehmen der Gemeinschaftsverpflegung. „So wenig Geflügel wie möglich“, bietet nach Angaben eines Unternehmenssprechers in der nächsten Zeit die französische Sodexho, zweitgrößter Caterer der Welt, ihren deutschen Kunden an.

Solche Aussagen hält der Zentralverband der Geflügelwirtschaft für „ausgesprochen schädlich“, trügen sie doch zur weiteren Verunsicherung der Verbraucher bei, wie Verbandssprecher Janning kritisiert.

Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe haben Wissenschaftler gefordert, die Bevölkerung besser über die Folgen aufzuklären. Der Leiter des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Adolf Windorfer, warnte am Donnerstag vor Panikmache: „So dramatisch dieses Virus für die Wirtschaft auch ist: Es handelt sich um eine Tierseuche, die nur in ganz seltenen Fällen auf Menschen übergeht“, betonte er auf einer Fachtagung in Hannover. Rund 150 Experten diskutierten dort über die Gefahren der Vogelgrippe.

Erhebliche Aufklärungsarbeit muss auch der Bio-Agrarverband Bioland leisten, bei dessen Direktvermarktern die sonst freilaufenden Hühner sich nun zwangsweise im Stall befinden. Nach den Richtlinien des Bio-Verbandes steht den Tieren jedoch weiterhin mehr Platz pro Tier als in der konventionellen Landwirtschaft zur Verfügung. Auch wird das Bio-Geflügel weiter mit Futter aus ökologischem Anbau gefüttert und muss nicht befürchten, die Schnäbel gestutzt zu bekommen, wie Thomas Dosch, Vorsitzender des Bioland-Bundesverbandes berichtet.

Vorsicht vor rohem Fleisch

Hygiene: Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Verbraucher generell zum vorsichtigen Umgang mit ungekochtem Geflügelfleisch und rohen Eiern gewarnt. Die EFSA erinnert für den Fall, dass das Virus in die Lebensmittelkette eintreten sollte, vorsichtshalber an die Ratschläge für Lebensmittelhygiene, die bereits existieren, um die Verbreitung von Salmonellen zu reduzieren.

Fehlender Beweis: Bis heute gibt es keinen Beweis dafür, dass die Vogelgrippe durch den Verzehr speziell von Geflügel und Eiern auf den Menschen übertragen werden kann.

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