Resteverwertung als Firmenidee
Mit Bier aus Brot die Welt verbessern

Es gibt viele Gründe ein Bier zu trinken: Durst löschen, mit Freunden anstoßen oder gesellig werden. In der Schweiz kommt noch einer hinzu: Lebensmittel vor der Mülltonne retten. Dafür gibt es viele neue Geschäftsideen.
  • 0

ZürichDas Bier ist bernsteinfarben und würzig, für die besondere Geschmacksnote sorgt unter anderem die Verzuckerung an den Brotkrusten. Brotkrusten? Tatsächlich, Dominic Meyerhans lässt in der Schweiz Bier aus Brot brauen. „Unser Leitfaden ist: wertschätzender Genuss“, sagt der 40-Jährige aus Weinfelden 20 Kilometer südlich von Konstanz am Bodensee. Und das bezieht sich nicht nur auf den Geschmack. Meyerhans will einen Beitrag zur Reduzierung von Lebensmittelresten leisten. Das Brot kommt aus den Restbeständen von Bäckereien. Gegen die Verschwendung noch brauchbarer Lebensmittel ziehen auch in Deutschland immer mehr Unternehmer zu Felde.

Es sind gigantische Berge von noch tauglichem Essen, die in Europa im Müll landen: angeschlagenes Obst, Artikel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum, oder Salat, der im Kühlschrank welk wurde, bevor er auf den Tisch kam. Europaweit werden laut der Umweltstiftung WWF mindestens 123 Kilogramm genusstaugliche Lebensmittel pro Person und Jahr weggeworfen. In Deutschland wären das zehn Millionen Tonnen, oder gut 300 Kilogramm pro Sekunde.

Und es geht nicht nur um Verschwendung: „Zusätzlich befeuert der riesige Essensberg den Klimawandel“, sagt WWF-Experte Christoph Heinrich. 48 Millionen Tonnen Treibhausgase würden jährlich gespart, wenn in Deutschland alle Nahrungsmittelverluste vermieden würden. Das Ziel der Vereinten Nationen: Lebensmittelabfälle weltweit bis 2030 zu halbieren.

Zwei Millionen Tonnen weggeworfene Lebensmittel sind nach WWF-Angaben aus Getreide, vor allem Brot- und Backwaren. Da setzt Meyerhans an, Mühlenunternehmer in sechster Generation. „Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft. Anderswo wird gehungert, damit muss man sich befassen“, sagt er.

Mit drei Mitstreitern gründete er die Firma „Damn Good Food & Beverages“ – übersetzt etwa: Verdammt gutes Essen und Trinken. Sie sammelt unverkauftes Brot aus Bäckereien. Das wird getrocknet und gemahlen und mit Wasser, Hefe Hopfen und Gerstenmalz zu Bier gebraut. Das Brot ersetzt etwa 30 Prozent des Braumalzes. Mit acht Tonnen Brot gibt es 1000 Hektoliter. Eine 0,33-Liter-Flasche kostet 2,30 Franken (gut 2 Euro). Zum Vergleich: eine Flasche Lager kostet etwa 1,40 Franken.

Seite 1:

Mit Bier aus Brot die Welt verbessern

Seite 2:

Kreative Konzepte gegen Verschwendung

Kommentare zu " Resteverwertung als Firmenidee: Mit Bier aus Brot die Welt verbessern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%