Restrukturierungsprogramm geplant
Escada baut ein Fünftel der Belegschaft ab

Der Luxusdamenmode-Konzern Escada ist im dritten Quartal seines Geschäftsjahres tiefer in die Verlustzone geraten. Anhaltende Konsumschwäche und die Abwertungen von Beteiligungen sorgten für das Minus.

HB ASCHHEIM. Der Anbieter teurer Damen-Bekleidung kündigte am Freitag in Aschheim bei München an, 850 seiner 4500 Arbeitsplätze zu streichen. Davon betroffen seien auch 300 Arbeitsplätze in Deutschland. 35 Modeläden würden geschlossen. Escada wolle 60 Mill. € einsparen, einen Großteil davon in der nahen Zukunft. „Wir können uns nicht mehr leisten, Verlustbringer mitzubringen“, sagte Vorstandschef Wolfgang Ley.

Das Modehaus, bei dem vor kurzem ein US-Investor eingestiegen war, rutschte in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 2002/2003 (per Ende Oktober) noch tiefer in die roten Zahlen. Unter dem Strich fiel ein Verlust von 51,5 Mill. € nach einem Gewinn von 3,5 Mill. € vor einem Jahr an. Auch im Gesamtjahr werde ein zweistelliger Millionenverlust erwartet. Der starke Verlustanstieg in den letzten drei Monaten geht nach Angaben Escadas stark auf die Abwertung der Beteiligung Feraud zurück, die zum Verkauf steht. Ley sagte, im September sei der Umsatz nach einem „schwarzen Juli und August“ zweistellig gewachsen. Die Papiere von Escada fielen bis zum Nachmittag um 4,6 % auf 8,31 €.

Escada leidet unter der weltweit schwachen Nachfrage nach Luxusmode und legt nun bereits sein zweites Sparprogramm auf. In den vergangenen Jahren wurden schon über 52 Mill. € eingespart, der Vertrieb wurde straffer und die Vorräte kleiner. Nun sollen noch 60 Mill. € dazukommen: 20 Escada-Läden und 15 Läden der Marken Primera und Laurel werden ebenso zugemacht wie ein Werk in Marokko und Teile des US-Geschäfts.

Erst vor wenigen Wochen war bei dem traditionsreichen Modehaus ein Investor eingestiegen: Die US-amerikanische Private-Equity-Firma HMD Partners, die 45 Mill. € investieren will. Die Aktionäre hatten erst im August auf einer außerordentlichen Hauptversammlung grünes Licht gegeben, ohne dass damals von dem drastischen Stellenabbau die Rede war.

Finanzvorstand Georg Kellinghusen sagte, Ziel sei es, auch auf der jetzigen Umsatzbasis noch profitabel zu bleiben. Rund 40 Mill. € sollten schon im neuen Geschäftsjahr 2003/2004 eingespart werden. Dafür fielen aber zunächst bis zu 30 Mill. € Restrukturierungskosten an. Ley sagte, er rechne nicht mit einem nachhaltigen Aufschwung der Luxusgütermärkte: Der Umsatz werde im neuen Geschäftsjahr stagnieren, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) aber positiv ausfallen.

Escada steht mit seinen Problemen nicht allein: Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK gehen die Deutschen bei Kleidung zunehmend zu Discountmärkten. Auch der Modekonzern Gerry Weber verbuchte in den ersten neun Monaten Umsatz- und Gewinnrückgänge seines Geschäftsjahres.

Escada kündigte an, seine geplante Konzentration auf das Kerngeschäft zu beschleunigen. Die Beteiligung Feraud, die um die Hälfte abgewertet wurde, solle bis Jahresende verkauft werden, sagte Kellinghusen. Escada hatte angekündigt, alle nicht zum Kerngeschäft gehörenden Bereiche abzugeben, darunter auch Laurel und Primera.

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