Rettung des US-Versandriesen Spiegel ist ungewiss
Banken lehnen Angebot der Otto-Familie ab

Die Gläubigerbanken des zur Hamburger Otto-Familie gehörenden US-Versandhändlers Spiegel Inc., haben zwei Angebote zur Rettung des Unternehmens abgelehnt. Das verlautete aus New Yorker und Frankfurter Finanzkreisen. Damit zeichnet sich keine baldige Einigung mit den Finanzhäusern ab.

tmo/lip NEW YORK/ HAMBURG. „Derzeit ist keine Lösung in Sicht“, sagt ein Vertreter einer Gläubigerbank in New York. „Wir sind zuversichtlich, durch eine Zerschlagung von Spiegel und eine Klage gegen Otto unsere Darlehen zu hundert Prozent zurückzuerhalten. Warum sollten wir ein schlechteres Angebot annehmen?“

Die Otto-Familie verhandelt seit Wochen mit den Banken um eine Rettung des Handelskonzerns. Der Versandhaus-Milliardär Michael Otto hatte den Gläubigerbanken zwei Angebote unterbreitet. Zum einen offerierte er eine Barabfindung in Höhe von 76 % der Kreditsumme, falls die Geldhäuser auf ihre restlichen Forderungen verzichten. Außerdem legte Otto einen Plan vor, der neben einer Barquote auch Aktienanteile für die Gläubiger und eine langfristige Refinanzierung vorsah. Trotz der Ablehnung des Gläubigerausschusses bemüht sich Otto weiterhin mit den Banken um eine Lösung, heißt es. Ein Otto-Sprecher lehnte jeden hierzu Kommentar ab.

Die Spiegel Inc. mit einem Jahresumsatz von zuletzt 1,76 Mrd. $ gehört zu 89 % der Hamburger Versandhaus-Dynastie Otto. Spiegel besitzt die Bekleidungskette Eddie Bauer und den Kataloghändler Newport News und steht unter Gläubigerschutz nach Kapital elf des US-Konkursrechts. Auslöser für diese Krise waren firmeneigene Kreditkarten des Handelskonzerns. Um den Konzern wieder fit zu machen, hatte Otto bereits im vergangenen Jahr mehr als 160 Mill. Euro nachgeschossen. Dennoch schuldet Spiegel seinen Gläubigern rund 1,3 Mrd. $.

Gleichzeitig hat ein einzelner Kreditgeber offenbar bereits rechtliche Schritte wegen verletzter Informationspflichten bei Spiegel Inc. eingeleitet. Das erfuhr das Handelsblatt von Vertretern zweier Banken und des Gläubigerausschusses. Spiegel hatte zwischen Ende 2001 und Anfang 2003 keine quartalsweisen Geschäftsberichte vorgelegt, wie nach es US-Aktienrecht vorgeschrieben ist. Dies hatte Ermittlungen der Börsenaufsicht SEC gegen Otto wegen angeblicher Verletzungen von Informationspflichten nach sich gezogen. Otto hatte Spiegel 1987 an die Börse gebracht und 11 % in stimmrechtslosen Aktien verkauft. Seitdem unterliegt das Unternehmen den Vorschriften der SEC.

Der Ausschuss der Gläubigerbanken prüft ebenfalls rechtliche Schritte gegen Otto und hat dazu kürzlich eine Berliner Kanzlei engagiert. „Wir halten uns alle Optionen offen, haben aber bislang keine Klage erhoben“, sagte Anwalt Daniel LeMay von der New Yorker Kanzlei Chadbourne & Parke, der das Gläubigerkomitee vertritt.

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