Rettungsanker
Alitalia darf Billigflieger Volare übernehmen

In der italienischen Luftfahrt herrscht derzeit Chaos. Die Sanierung der italienischen Fluggesellschaft Alitalia hängt am seidenen Faden. Durch die geplante Übernahme des Billigfliegers "Volare" könnte ein Rettungsanker entstehen.

bfai MAILAND. Alitalia-Konkurrent Air One, an welchem die deutsche Lufthansa beteiligt ist, erneuert derzeit die Luftflotte und investiert in 30 neue Airbus-Maschinen. Inzwischen schreitet die Privatisierung und der Ausbau bei Italiens Airports fort.

Das Industrieministerium, das Anfang Februar Alitalia den Zuschlag der unter Zwangsverwaltung stehenden Volare erteilen sollte, will in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffen, meinte ein Regierungssprecher. Alitalia hatte mit 38 Mill. Euro den höchsten Preis für den vor allem am Inlandsmarkt tätigen Billigflieger geboten. Alitalia-Konkurrent Air One, an welcher auch Lufthansa beteiligt ist, hat Einspruch gegen das Bieterverfahren erhoben. Es widerspreche den Wettbewerbsregeln, dass Alitalia mit Staatsmitteln die Konkurrenz ausbremse, wurde bei Air One argumentiert. Air One hatte 29 Mill. Euro für Volare geboten.

Das Gericht in Rom hat nun entschieden, dass Alitalia mitbieten kann. Die italienische Fluggesellschaft hatte zum Jahresende 2005 eine Kapitalerhöhung von 1 Mrd. Euro durchgedrückt, mittels welcher der Staat seine Mehrheitsbeteiligung auf 49% reduzierte. Die frischen Mittel aus der Kapitalerhöhung sollen zur Sanierung der Gesellschaft dienen. Allerdings kommt der Sanierungsplan nicht so voran, wie Alitalia Konzernchef Giancarlo Cimoli wollte. Der durch die wilden Streiks und das schlechte Wetter verursachte zehntätige Alitalia-Blackout Ende Januar hat die finanzielle Situation der italienischen Fluggesellschaft verschärft.

Während die Alitalia-Sanierung im Schneckentempo voranschreitet, gewinnt der regionale Flieger Air One an Bedeutung und Marktquoten. Air One kooperiert mit der deutschen Lufthansa, die auch Anteile an der vom Unternehmer Carlo Toto mehrheitlich kontrollierten Career hat. Die Gesellschaft will ihre Flotte erneuern und hat derzeit die Akquisition von 30 neuen Airbusmaschinen angekündigt. Air One mit 2.100 Beschäftigten und 502 Mill. Euro Umsatz befördert jährlich 5,7 Miill. Passagiere (gegenüber 23 Mill. von Alitalia) und macht Alitalia vor allem auf den margenträchtigen Inlandsflügen Rom-Mailand Konkurrenz. Durch den Erwerb von Volare würde Air One das Angebot in dieser Sparte erheblich erweitern und Marktanteile dazugewinnen.

Inzwischen macht auch die Privatisierung der Mailänder Flughafenbetreibergesellschaft kaum Fortschritte. Noch ist nicht sicher, ob die Stadt und Provinz Mailand 33% der Anteile über die Börse oder direkt verkauft. Die deutsche Hochtief, die britische BAA und Babcock & Brown hatten Interesse für ein Drittel der Anteile bekundet. Sea betreibt die beiden Mailänder Airports von Linate und Malpensa und hat im Jahr 2004 bei einem Umsatz von 458 Mill. Euro einen Nettogewinn von 54 Mio. Euro erwirtschaftet. Die meisten großen italienischen Flughäfen, AdR in Rom, der Flughafen Neapel (BAA), die Flughäfen von Venedig, Florenz und Turin wurden in letzter Zeit erfolgreich privatisiert.

In den kommenden Monaten planen die Airports von Pisa, Bologna, Catania, Anteile an private Aktionäre abzugeben. Die römische Flughafengesellschaft AdR (Aeroporti di Roma) verkauft derzeit ihren Handling Service. Interesse haben unter anderem die deutsche Fraport, die Schweizer Swissport und die multinationale Aviapartner bekundet. Der Dienstleister wird mit 100 Mill. Euro bewertet. Angeblich habe Swissport das höchste Angebot präsentiert. AdR Handling zählt 1300 Beschäftigte.

Nahezu alle italienischen Airports haben ehrgeizige Ausbaupläne. Sea will beim Malpensa Flughafen eine dritte Piste errichten, da laut Hochrechnungen der Betreibergesellschaft der Flugverkehr von 19 Mill. Passagieren im Jahr 2005 auf 30 Mill. im Jahr 2015 zunehmen soll. Der sizilianische Flughafen Catania ist dabei, ein neues Flughafengebäude zu errichten. Der Investitionsaufwand wird mit 200 Mill. Euro angegeben. Die Unternehmerfamilie Benetton hat 100 Mill. Euro am Turiner Flughafen Caselle investiert, um diesen für die Olympischen Winterspiele zu rüsten. Benetton plant eine regionale Airport-Holding, in welcher die Beteiligungen bei der Turiner Airport Gesellschaft Sagat, sowie bei den Flughafenbetreibern von Bologna und Florenz zusammengefasst werden sollen.

Auf Wachstumskurs befindet sich derzeit der Flughafenbetreiber von Venedig, Save SpA. Save hat vor kurzem das Airline-Cateringunternehmen Airest der österreichischen Fluggesellschaft AUA zu 30 Mill. Euro übernommen. Airest soll als Brückenkopf für die Expansionspläne in Osteuropa dienen, bestätigte Save Präsident Enrico Marchi im Gespräch mit der bfai. So will Save bei der geplanten Privatisierung der Flughäfen in Prag, Warschau und Zagreb mitbieten. Auch an der Flughafenprivatisierung in Portugal ist der Betreiber der Airports von Venedig und Treviso interessiert. Save hat im Jahr 2005 bei einem Umsatz von 166 Mill. Euro einen Nettogewinn von 11 Mill. Euro erzielt. Mit 7,1 Mio. Passagieren avanciert Venedig zum viertgrößten Flughafenbetreiber in Italien.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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