Rewe-Chef Caparros
„Es geht um die Aufteilung von Kaiser’s Tengelmann”

Ein Spitzentreffen der Handelschefs soll die angeschlagene Supermarktkette Kaiser‘s Tengelmann und damit Tausende Jobs retten. Doch es stehen harte Verhandlungen bevor – mit völlig ungewissem Ausgang.

Rewe-Chef Alain Caparros geht davon aus, dass auf dem Spitzentreffen an diesem Donnerstag über eine Aufteilung der Supermarktkette Kaiser‘s Tengelmann gesprochen wird. „Ich freue mich sehr, dass Herr Haub nach zwei Jahren endlich seine Bereitschaft erklärt hat, über eine faire Aufteilung und wettbewerbsrechtlich unbedenkliche Zukunft von Kaiser‘s Tengelmann zu sprechen, die ohne die umstrittene und gerichtliche gestoppte Ministererlaubnis auskommt und bei der auch Rewe und andere interessierte Unternehmen zum Zuge kommen können“, erklärte Caparros.

Am Donnerstagabend ist ein Spitzentreffen von Unternehmenschefs sowie der Gewerkschaft Verdi geplant, bei dem nach einer Lösung im Streit um den geplanten Verkauf der defizitären Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann gesucht werden soll. Teilnehmen sollen Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub, der Edeka-Vorstandsvorsitzende Markus Mosa, Rewe-Chef Alain Caparros sowie Vertreter der Gewerkschaft Verdi. Bisher war jedoch nicht bekannt, welchen Inhalt genau die Gespräche haben werden. Sprecher von Tengelmann und Edeka haben sich bisher zu dem Treffen nicht geäußert.

Caparros erklärte erneut seine Bereitschaft zu einer Rettung des Unternehmens beizutragen. „Auch wenn viel Zeit vergangen ist, ist es noch keineswegs zu spät, um Arbeitsplätze, Tarifverträge und Mitbestimmung für die Beschäftigten von Kaiser‘s Tengelmann zu sichern, ohne die Arbeitsplätze der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer der übrigen Lebensmittelhersteller und der Lieferanten zu gefährden“, sagte Caparros. Das geplante Treffen könne ein erster entscheidender Schritt dazu sein.

Ursprünglich wollte Tengelmann-Chef Haub die Kette an Edeka verkaufen. Dies war jedoch zunächst vom Kartellamt verboten worden. Eine anschließende Ministererlaubnis war dann auf Antrag der Konkurrenten Rewe, Norma und Markant vom Oberlandesgericht Düsseldorf kassiert worden. Seitdem liegt der Verkauf auf Eis.

Nach der bisherigen Planung war deswegen davon auszugehen, dass Tengelmann-Chef Haub an diesem Freitag seinem Aufsichtsrat Pläne vorlegt, nach denen zahlreiche Filialen geschlossen werden und Tausende Jobs verloren gehen. Offenbar gehen die Beteiligten nicht mehr davon aus, dass der Verkauf noch wie geplant über die Bühne gehen kann. Haub und Edeka-Chef Mosa sollen sich bereits auf eine Auflösung des Kaufvertrags geeinigt haben.

Das Treffen am Donnerstag wird als letzte Möglichkeit gesehen, eine unkontrollierte Zerschlagung von Kaiser’s Tengelmann zu verhindern und möglichst viele Jobs zu retten. Erwartet wurde bisher, dass Haub und Mosa versuchen, Rewe davon zu überzeugen, seine Klage gegen die Fusion zurückzuziehen. Welche Zugeständnisse Edeka dafür machen könnte, ist jedoch völlig offen.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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