Rewe, Netto Lebensmittel zwischen Gut und Böse

Jeder dritte Deutsche misstraut der Lebensmittelindustrie, zeigt eine exklusive Studie. Was Konsumenten vermeiden, was ihnen wichtig ist, und warum Essen nicht nur gesund, sondern auch moralisch korrekt sein sollte.
  • Philipp Schaffranek
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Für viele Konsumenten müssen Lebensmittel ethisch und moralisch korrekt sein. Quelle: dpa
Veganer Supermarkt

Für viele Konsumenten müssen Lebensmittel ethisch und moralisch korrekt sein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDirekt neben den Lebensmittelregalen sind kleine Marktstände mit Obst und Gemüse aufgebaut. Wenige Schritte weiter portioniert der Bäcker den selbst angesetzten Sauerteig und schiebt ihn in den Ofen. Auf die frischgebackenen Croissants streut er Puderzucker, ehe er sie in der Ladentheke anrichtet. Am Nachbarstand röstet ein Mitarbeiter Kaffeebohnen und verpackt sie in Tüten abfüllt.

In der Markthalle Krefeld präsentiert Real sich und seine Produkte auf eine neue Art und Weise. Auf über 11.500 Quadratmetern setzt das Unternehmen dort seit vergangenem November auf regionale Produkte, persönliche Beratung und viele kleine Verkaufsflächen im Geschäft.

„Das Essen hat wieder einen neuen Stellenwert“, sagt Anne-Kathrin Haubert, Beraterin beim Marktforschungsunternehmen Nielsen. Die neue Food-Studie 2017, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt: Die Deutschen ernähren sich zunehmend bewusster. Nur zehn Prozent der Konsumenten essen ohne Bedenken alles und achten bei ihrer Ernährung auf gar nichts. Die Mehrheit hingegen greift gezielt nach Produkten oder lässt sie weg. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Bewusste Esser“.

Bei diesen Händlern kauft die Welt ein
Platz 92: Otto
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Die Otto Group ist auf Rang 92 der kleinste deutsche Händler in der Rangliste der 250 größten Handelsunternehmen. Im Jahr 2015 hatte der Konzern einen Einzelhandelsumsatz von 10,6 Milliarden Dollar erzielt. Die 250 Händler in der nun veröffentlichten Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte kamen zusammen auf einen Umsatz von 4,3 Billionen Dollar.

Quelle: Deloitte Global Powers of Retailing 2017

Platz 22: Rewe
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Auf dem 22 Rang steht Rewe mit einem Einzelhandelsumsatz von 43,6 Milliarden Dollar. Die Supermarktkette besitzt Filialen in insgesamt elf Ländern.

Platz 18: Edeka
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Obwohl die Supermarktkette nur in Deutschland vertreten ist, schneidet das Unternehmen besser ab als Rivale Rewe. Edeka landet im aktuellen Ranking mit einem Einzelhandelsumsatz von 52,5 Milliarden Dollar auf dem 18 Platz.

Platz 13: Metro AG
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Der Handelskonzern hat Filialen in 31 Ländern und erzielte im Einzelhandel einen Umsatz von 68 Milliarden Dollar. Für die Top Ten reicht das aber nicht mehr. Das deutsche Unternehmen fiel von Rang acht auf Rang 13 zurück. Schuld daran waren der Verkauf von Kaufhof und der Rückzug aus dem Großhandelsgeschäft in mehreren Ländern.

Platz 10: Amazon
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Obwohl die US-amerikanische Firma eigentlich ein Internetunternehmen ohne Verkaufsläden ist, schafft sie es in die Top Ten. Amazon ist mit einem Umsatz von 79,3 Milliarden Dollar die Nummer zehn der größten Einzelhändler der Welt.

Platz 9: Tesco
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Englands größte Supermarktkette ist der größte Verlierer in den Top Ten. Mit einem Einzelhandelsumsatz von 81 Milliarden Dollar landet sie gerade noch auf Platz 9. Im Jahr 2015 ist der Umsatz um fast 13 Prozent abgestürzt. Das Unternehmen ist in insgesamt zehn Ländern vertreten.

Platz 8: Aldi
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Nur wenn man ihren Umsatz zusammenzählt, erreichen Aldi Süd und Aldi Norddie Top Ten der größten Einzelhändler der Welt. Doch sie schaffen ein Kunststück, das kein anderer Händler zustande bringt: Sie erwirtschaften zwei Drittel ihres geschätzten Umsatzes von 82,2 Milliarden Dollar im Ausland. In 17 Ländern sind sie aktiv.

Diese Ernährungstrends variieren stark: 51 Prozent der Konsumenten achten darauf, Produkte aus der eigenen Region zu kaufen. 31 Prozent reduzieren ihren Fleischkonsum. Möglichst ohne Zucker möchten 23 Prozent der Konsumenten auskommen und 22 Prozent ernähren sich fettarm, ergab die Studie.

Grund ist für viele Konsumenten die eigene Gesundheit. „Das Bewusstsein für den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit wächst“, sagt Haubert. Lebensmittel aus der Region und ohne Zusatzstoffe werden eher als gesund erachtet. Gesundheit, so fand die Studie auch heraus, bedeutet für die Konsumenten nicht nur, körperlich gut zu funktionieren. „Es geht ihnen vielmehr darum, sich wohlzufühlen und körperlich sowie seelisch auch durch ihre Ernährung mit sich im Einklang zu sein“, erklärt Haubert.

Deswegen sei auch wichtig, dass sie Lebensmittel als ethisch und moralisch korrekt ansehen. Jeder dritte Konsument hält die industrielle Lebensmittelproduktion für sehr ungesund. Skandale und fehlender Einblick in die Produktionsprozesse der industriell verarbeiteten Lebensmittel führen zu Skepsis.

Darauf reagiert nicht nur Real. So will jetzt auch der Marken-Discounter Netto vermehrt Produkte ohne Gentechnik anbieten. Nach Geflügel gibt es demnächst auch gentechnikfreies Rinderhackfleisch in 256 Netto-Filialen, gab der Discounter bekannt. Zuerst in Hessen, Bayern, Baden Württemberg und Rheinland-Pfalz. Später soll das Angebot schrittweise ausgebaut werden.

Wertewandel hin zum bewussten Essen
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