Rewe, Netto
Lebensmittel zwischen Gut und Böse

Jeder dritte Deutsche misstraut der Lebensmittelindustrie, zeigt eine exklusive Studie. Was Konsumenten vermeiden, was ihnen wichtig ist, und warum Essen nicht nur gesund, sondern auch moralisch korrekt sein sollte.
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DüsseldorfDirekt neben den Lebensmittelregalen sind kleine Marktstände mit Obst und Gemüse aufgebaut. Wenige Schritte weiter portioniert der Bäcker den selbst angesetzten Sauerteig und schiebt ihn in den Ofen. Auf die frischgebackenen Croissants streut er Puderzucker, ehe er sie in der Ladentheke anrichtet. Am Nachbarstand röstet ein Mitarbeiter Kaffeebohnen und verpackt sie in Tüten abfüllt.

In der Markthalle Krefeld präsentiert Real sich und seine Produkte auf eine neue Art und Weise. Auf über 11.500 Quadratmetern setzt das Unternehmen dort seit vergangenem November auf regionale Produkte, persönliche Beratung und viele kleine Verkaufsflächen im Geschäft.

„Das Essen hat wieder einen neuen Stellenwert“, sagt Anne-Kathrin Haubert, Beraterin beim Marktforschungsunternehmen Nielsen. Die neue Food-Studie 2017, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt: Die Deutschen ernähren sich zunehmend bewusster. Nur zehn Prozent der Konsumenten essen ohne Bedenken alles und achten bei ihrer Ernährung auf gar nichts. Die Mehrheit hingegen greift gezielt nach Produkten oder lässt sie weg. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Bewusste Esser“.

Diese Ernährungstrends variieren stark: 51 Prozent der Konsumenten achten darauf, Produkte aus der eigenen Region zu kaufen. 31 Prozent reduzieren ihren Fleischkonsum. Möglichst ohne Zucker möchten 23 Prozent der Konsumenten auskommen und 22 Prozent ernähren sich fettarm, ergab die Studie.

Grund ist für viele Konsumenten die eigene Gesundheit. „Das Bewusstsein für den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit wächst“, sagt Haubert. Lebensmittel aus der Region und ohne Zusatzstoffe werden eher als gesund erachtet. Gesundheit, so fand die Studie auch heraus, bedeutet für die Konsumenten nicht nur, körperlich gut zu funktionieren. „Es geht ihnen vielmehr darum, sich wohlzufühlen und körperlich sowie seelisch auch durch ihre Ernährung mit sich im Einklang zu sein“, erklärt Haubert.

Deswegen sei auch wichtig, dass sie Lebensmittel als ethisch und moralisch korrekt ansehen. Jeder dritte Konsument hält die industrielle Lebensmittelproduktion für sehr ungesund. Skandale und fehlender Einblick in die Produktionsprozesse der industriell verarbeiteten Lebensmittel führen zu Skepsis.

Darauf reagiert nicht nur Real. So will jetzt auch der Marken-Discounter Netto vermehrt Produkte ohne Gentechnik anbieten. Nach Geflügel gibt es demnächst auch gentechnikfreies Rinderhackfleisch in 256 Netto-Filialen, gab der Discounter bekannt. Zuerst in Hessen, Bayern, Baden Württemberg und Rheinland-Pfalz. Später soll das Angebot schrittweise ausgebaut werden.

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Wertewandel hin zum bewussten Essen

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