Rezessionsängste nehmen zu
Dienstleister auf Talfahrt

Auch die Dienstleistungsbranche gerät jetzt unter Druck; zumindest nimmt die Angst vor einer drohenden Rezession in der Euro-Zone weiter zu. Das zeigt eine aktuelle Markt-Erhebung.

HB BERLIN. Die Geschäfte des Sektors liefen auch wegen der Finanzkrise im September weiter schlecht, und die Unternehmen blickten so pessimistisch in die Zukunft wie seit etwa zehn Jahren nicht, wie die Marktforscher von Markit am Freitag zu ihrer Umfrage unter mehr als 2 000 Firmen mitteilten. "Die Daten legen nahe, dass sich die Euro-Zone erstmals seit Einführung des Euro in einer technischen Rezession befindet", sagte Ben May, Volkswirt von Capital Economics. Auch deutsche Firmen konnten sich dem Abwärtstrend nicht entziehen: Wegen des schlechten Geschäfts- und Konsumklimas kam ihr Wachstum fast zum Stillstand.

Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone fiel im September um 0,1 auf 48,4 Zähler und lag weiter nahe dem fünf-Jahres-Tief vom Juli. Zudem notierte er damit den vierten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Damit dürfte das dritte Quartal das schlechteste für die Branche seit fünf Jahren gewesen sein, hieß es bei Markit. Angesichts der Finanzmarktkrise und der Sorge um die weitere Entwicklung der Wirtschaft sei eine weitere Abschwächung in den kommenden Monaten wahrscheinlich, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. "Die Probleme waren keinesfalls nur auf den Finanzsektor beschränkt, sondern ein breit angelegter Abschwung zeigte sich in allen wichtigen Bereichen."

In Deutschland war der Pessimismus der Firmen so groß wie seit knapp sechs Jahren nicht. Der Einkaufsmanager-Index sank um 1,2 auf 50,2 Punkte und damit auf den zweitniedrigsten Stand seit August 2003. In allen Bereichen meldeten die Firmen weniger Neuaufträge. Vor dem Hintergrund der trüben Konjunkturaussichten und der globalen Finanzmarktturbulenzen seien die Kunden äußerst vorsichtig geworden. Zudem drückten steigende Preise auf die Nachfrage.

Bei anderen großen europäischen Ländern ging es noch steiler bergab. In Spanien, das wegen seiner Immobilienkrise am Rande der Rezession steht, sackte der Index auf den tiefsten Stand seit Umfragebeginn im August 1999. Auch in Großbritannien gab es ein Rekordtief, während das Barometer für Italien zum zehnten Mal schrumpfende Geschäfte signalisierte. Nach monatelanger Talfahrt gab es zwar für die französischen Dienstleister eine kleine Verschnaufpause. Die Statistikbehörde INSEE erwartet aber für das dritte und vierte Quartal einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Frankreichs Wirtschaft war bereits im Frühjahr geschrumpft. Volkswirte sprechen von einer technischen Rezession, wenn das BIP in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen sinkt.

Die Daten der Markit-Umfragen zeigten auch, dass der Preisdruck in der Euro-Zone etwas nachlässt. Dies könnte die Tür für eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) weiter öffnen. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am Donnerstag erstmals seit langem wieder eine Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Begründet hatte er dies mit nachlassenden Inflationsrisiken, die aber noch nicht verschwunden seien. Weitgehend ähnlich äußerten sich die Zentralbanken von Irland und Spanien. Die EZB hatte ihren Leitzins unverändert bei 4,25 Prozent gelassen. Die meisten Volkswirte erwarten wegen des zurückgehenden Preisdrucks bei zugleich anhaltender Konjunkturflaute aber noch bis Ende des Jahres eine Zinssenkung.

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