Rhein-Ruhr-Express
Der neue Zug für NRW

WLAN, Steckdosen und Leseleuchten: Der neue Zug für das Riesenprojekt Rhein-Ruhr-Express (RRX) bietet viel Komfort. Nur auf dem Gang könnte es eng werden. Und Siemens ist im Plan: Die Züge kommen rechtzeitig aufs Gleis.
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DüsseldorfWeiß-grau, mit orangefarbenen Tupfern kommt er daher. Bis zu 160 Kilometer pro Stunde ist er schnell, im Inneren aber trotzdem leise. Kostenloses WLAN, komfortable Sitze, Steckdosen und Leseleuchten sind inklusive. Die Rede ist von dem Zug, der die großen Städte in NRW zukünftig besser miteinander verbinden soll: der Rhein-Ruhr-Express (RRX). Siemens hat den Prototypen vorgestellt.

Nordrhein-Westfalen ist das Stauland Nummer eins. Nicht nur auf der Straße ist es voll, auch der Schienenverkehr ist längst an seine Grenzen gestoßen. In Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland fahren 2,4 Millionen Menschen mit der Bahn – jeden Tag. Für viele Bahnkunden, die zwischen Rhein und Ruhr pendeln, ist das häufig eine große Belastung: Die Züge sind voll und regelmäßig verspätet.

Der Rhein-Ruhr-Express soll da Abhilfe schaffen. Sieben Linien des RRX werden die Metropolen in NRW in Zukunft verbinden. Das Vorhaben gilt als eines der ehrgeizigsten Regionalverkehrsprojekte in Deutschland. Auf der Kernstrecke zwischen Köln und Dortmund soll alle 15 Minuten ein Zug fahren. 2030, so der Plan, sind die letzten Arbeiten abgeschlossen. Bis dahin müssen die neuen Züge aber nicht auf ihren Einsatz warten: Schon mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 kommen die ersten Bahnen auf die Strecke – in einem Vorlaufbetrieb.

Bis dahin muss die Firma Siemens, die 2015 den Zuschlag für das Projekt bekam, die ersten Wagen liefern: 15 Züge müssen im Winter 2018 fertig sein. Und der Konzern liegt im Zeitplan: „Die Schienenindustrie hat in den vergangenen Jahren stark gelitten, weil Züge zu spät geliefert wurden“, sagte Jens Chlebowski, RRX-Projektleiter, dem Handelsblatt. „Deshalb war bei diesem Projekt das oberste Credo, den Zeitplan einzuhalten.“ Siemens selbst hatte ICE-Züge der dritten Generation mit zwei Jahren Verspätung an die Deutsche Bahn ausgeliefert. So etwas soll dieses Mal nicht passieren. Nicht nur für die Pendler, auch für Siemens ist der RRX deshalb ein wichtiges Projekt. Bund und Land investieren insgesamt über 3,4 Milliarden Euro. 800 Millionen Euro fließen allein in die neuen Züge. Ein Großteil der Gelder wird in den Ausbau des Schienennetzes und die Modernisierung der Bahnhöfe investiert.

Vier Züge sind fertig. Und die fahren auch schon – zumindest auf einer Teststrecke bei Wegberg-Wildenrath – 60 Kilometer westlich von Düsseldorf. Dort, in einem der modernsten Prüfzentren der Welt, testet Siemens den Prototypen des RRX auf Herz und Nieren. Drei weitere RRX-Züge sollen in den nächsten Wochen dazu kommen. Im Dezember 2020 muss der Münchner Konzern alle 82 Züge abgeliefert haben. Bis zu 600 Personen sind mit der Entwicklung und dem Bau der Züge beschäftigt.

Siemens hat die RRX-Flotte neu entwickelt. Sie basiert auf der Desiro-Plattform, die schon in anderen Nahverkehrszügen zum Einsatz kam. Der Innenraum der neuen Züge ist hell und freundlich, die Ausstattung hochwertig: Klapptische und Leseleuchten gibt es in der ersten Klasse, Steckdosen und WLAN-Zugang in der gesamten Bahn. Als weltweit erster Serienzug ist der RRX mit einer neuen Hochfrequenz-Scheibenlösung von Siemens ausgestattet. Die Fenster sind mit einer speziellen Lasertechnologie behandelt. Man erkennt in den Scheiben, aber nur bei genauerem Hinsehen, ein feines Muster. Das soll dafür sorgen, dass die Handy-Funkwellen besser durch die Fenster kommen als bei konventionellen Wärmeschutzverglasungen. Siemens sagt, der Empfang sei 500 Mal besser.

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