Ringen um Rettung
Putin: Aeroflot zu neuen Gesprächen mit Alitalia bereit

In das Ringen um die Rettung der angeschlagenen Fluggesellschaft Alitalia kommt nach der Parlamentswahl in Italien wieder Bewegung. Die russische Aeroflot ist nach Angaben von Präsident Wladimir Putin zur Wiederaufnahme von Gesprächen über eine Alitalia-Übernahme bereit.

rtr PORTO ROTONDO. Putin sagte am Freitag nach einem Treffen mit dem designierten italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Porto Rotondo auf Sardinien, der Aeroflot-Chef habe ihm die Bereitschaft zu neuen Verhandlungen versichert.

Nach den Worten Berlusconis soll vor der Aufnahme von Gesprächen mit den Russen aber zunächst der Ausgang der Verhandlungen mit Air France-KLM abgewartet werden. „Die Situation ist völlig offen“, betonte der rechtskonservative Milliardär, der die vorgezogene Parlamentswahl in Italien Anfang der Woche für sich entschieden hatte. Er strebe den Aufbau einer internationalen Gruppe mit gleichberechtigten Partnern an. Sobald die Gespräche mit Air France-KLM beendet seien, könnten die Verhandlungen erweitert werden. „Mit Aeroflot könnte es einen Dialog geben.“

Die Europäische Kommission erklärte unterdessen, sie sehe keine besonderen Umstände, die weitere staatliche Beihilfen für Alitalia ermöglichen könnten. Falls es dennoch zu solchen Zahlungen komme, könnten Dritte dagegen klagen. Die EU-Vorschriften erlauben staatliche Hilfen für die Fluggesellschaft erst wieder ab 2011.

Die Verhandlungen zwischen Alitalia und Air France-KLM liegen derzeit wegen Differenzen der Franzosen mit den italienischen Gewerkschaften auf Eis. Die Arbeitnehmervertreter weigern sich bislang, den von Air France-KLM geforderten Sparkurs mitzutragen. Unklar ist, ob die französisch-niederländische Fluggesellschaft die Gespräche wieder aufnehmen will. Berlusconi hatte lange Zeit eine nationale Lösung zur Rettung von Alitalia gefordert, sich zuletzt aber wieder offen für ausländische Investoren gezeigt.

Aeroflot hatte schon einmal Interesse an Alitalia bekundet, seine Bemühungen um das Unternehmen im vergangenen Jahr aber eingestellt. Auch die Deutsche Lufthansa wird immer wieder als möglicher Interessent gehandelt, hält sich öffentlich bislang aber bedeckt. Im Dezember hatten die Deutschen auf ein Kaufangebot verzichtet, weil angesichts der harten Haltung der Gewerkschaft zu geringe Chancen für eine erfolgreiche Sanierung gesehen wurden.

Der italienische Staat versucht schon seit längerem, sich von seinem Anteil von 49,9 Prozent an Alitalia zu trennen. Die fünftgrößte europäische Fluggesellschaft mit ihren 20 000 Beschäftigten gilt weithin als Sanierungsfall, der ohne einen drastischen Abbau von Arbeitsstellen nicht zu retten ist. Derzeit fliegt sie täglich einen Verlust von rund einer Million Euro ein.

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