Rio 2016

Kein Olympia-Geldsegen für Adidas, Nike und Co.

Mehr Geld verdienen die großen Sportartikelkonzerne nicht mit Olympia. Im Gegenteil: Zunächst kostet das Ringespektakel. Doch die Hersteller wie Nike oder Adidas haben ohnehin anderes im Sinn.
„Aber wenn Usain Bolt den 100-Meter-Lauf gewinnen sollte, wird das keine dramatischen Käufe von Puma-Laufschuhen nach sich ziehen“ Quelle: Reuters
Olympischer Sprint 2012

„Aber wenn Usain Bolt den 100-Meter-Lauf gewinnen sollte, wird das keine dramatischen Käufe von Puma-Laufschuhen nach sich ziehen“

(Foto: Reuters)

HerzogenaurachEs ist die bedeutendste Event-Bühne für die Sportartikelindustrie, doch das große Geschäft wird wohl wieder ausbleiben. In Rio starten vom 5. August an mehr als 10.000 Athleten bei den ersten Olympischen Spielen in Südamerika. Sie werden die neuesten und buntesten Schuhe, Trikots, Leibchen, Trainingsanzüge, Sport-BHs, Gymnastikbodys und Schwimmanzüge auf der größten Modenschau der Welt vor Milliarden von TV-Zuschauern vorführen. Festspiele auch für die Sportartikelindustrie?

„Das ist positiv für den gesamten Sport, aber in Umsätzen kann man das seit Jahren nicht erkennen“, sagt Werner Haizmann, Präsident des Verbands Deutscher Sportfachhandel (VDS). Anders als bei einem Fußball-Großereignis oder anderen populäreren Einzelsport-Turnieren bleibe das große Geschäft mit den entsprechenden Sportutensilien bei Olympia aus.

Auf den ersten Blick und oberflächlich betrachtet seien die Fußball-Topevents und Olympia zwar ähnliche sportliche Großereignisse, sagt Fondsmanager und Branchenkenner Thomas Jökel von der Union Investment. „Aber wenn Usain Bolt den 100-Meter-Lauf gewinnen sollte, wird das keine dramatischen Käufe von Puma-Laufschuhen nach sich ziehen“, betont er.

Die Masse an Disziplinen während Olympia sei dafür zu breitgefächert. Und Sportarten wie Diskuswurf, Bogenschießen und Bahnradfahren sind keine Massensportarten. „Aber natürlich ist Olympia eine Marketing-Plattform, um sich zu präsentieren – wenn auch nicht so gewinnkommerziell wie bei einer Fußball-EM oder -WM“, sagt Jökel.

Wird Rio fertig für Olympia?
Olympia unter keinem guten Stern
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Das größte Sportereignis der Welt kommt zum ersten Mal nach Südamerika. Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro werden rund um den Globus Milliarden Menschen verfolgen. Noch sind die Schlagzeilen schlecht: Doping, Mückenplage, Geldmangel, Bau-Chaos. Um doch noch alles zum Guten zu wenden, braucht es wohl brasilianische Improvisationskunst und Lebensfreunde.

Wird denn alles fertig bis zur Eröffnungsfeier am 5. August?
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Davon ist zumindest der deutsche Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, überzeugt: „Der Erfolg der Spiele ist nicht gefährdet.“ Doch angesichts der finanziellen Notlage der Stadt schlägt Bürgermeister Eduardo Paes Alarm. Das einstige Boom-Land Brasilien durchlebt eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Die Zentralregierung hat dem Bundesstaat Rio de Janeiro eine Dreiviertel-Milliarde Euro zugesagt.

Transportchaos?
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Entscheidend ist, ob die Metrolinie zum Stadtteil Barra fertig wird, wo der Olympiapark mit den meisten Sportstätten ist. Wenn nicht, droht ein Transportchaos. Immerhin sind nach Angaben von Paes die Sportstätten fertig, auch das Velodrome für die Bahnradsportler kann endlich in Betrieb genommen werden.

Müssen Besucher und Sportler Angst um ihre Sicherheit haben?
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In diesen Tagen werden in Rio die Schutzmaßnahmen in Bahnhöfen, Flughäfen und auf den Straßen deutlich verstärkt. „Wir erwarten 500.000 bis 600.000 Touristen und werden bestmögliche Sicherheit garantieren“, sagte Verteidigungsminister Raul Jungman. Zur Eröffnungsfeier werden rund 100 Staats- und Regierungschefs erwartet. Mehr als 10 000 Athleten kämpfen bis zum 21. August um die Medaillen. Insgesamt bietet Brasilien 85 000 Sicherheitskräfte auf, darunter 38.000 Soldaten. Um Terroranschlägen vorzubeugen, soll ein Lagezentrum Geheimdienstinformationen aus rund 100 Ländern auswerten.

Müssen Besucher und Sportler Angst vor dem Zika-Virus haben?
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Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzen das Risiko einer Massenverbreitung des zumeist von Mücken übertragenen Virus als gering ein. Für Aufsehen sorgte allerdings eine Gruppe von mehr als 150 Wissenschaftler aus 29 Ländern, die forderten, die Spiele zu verlegen oder gar abzusagen. Die WHO hält das für unnötig, zumal in Südamerika mit Beginn der Spiele Winter ist und damit schlechte Bedingungen für Mücken herrschen. Der Erreger kann unter anderem Schädelfehlbildungen bei Babys auslösen. Zu den Empfehlungen der WHO gehört deshalb, dass Schwangere nicht reisen sollten. Das Bild zeigt Wasserspringer Sascha Klein, der bei der Einkleidung der deutschen Olympia-Mannschaft ein Spray zum Mückenschutz bekommt.

Wird es angesichts der Dopingskandale fair zugehen?
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Auch bei diesen Spielen werden Athleten vermutlich versuchen, sich durch Doping einen Vorteil zu verschaffen. Wissenschaftler wie Fritz Sörgel erwarten gar „Olympische Doping-Spiele“. Das IOC hat gerade erst 55 mutmaßliche Betrüger bei den Sommerspielen in Peking 2008 und London 2012 nachträglich überführt.

Russland
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In puncto Doping steht die Olympiamannschaft aus Russland im Fokus. Nach einem Startverbot des Weltverbandes für russische Leichtathleten entschied das IOC: Nachweislich saubere Athleten dürfen antreten. Noch ist das Doping-Problem für Russland, das 380 Athleten schicken will, nicht ausgestanden. Am 15. Juli will die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA einen Bericht zu Vorwürfen vorlegen, ob positive Dopingproben von 15 russischen Medaillengewinnern bei den Winterspielen in Sotschi 2014 mit Hilfe des Geheimdienstes vertuscht worden seien.

Noch-Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer, der unmittelbar nach Olympia den Staffelstab an seinen Nachfolger Kasper Rorsted weitergeben wird, sieht das Ringespektakel von der Bedeutung aber dennoch noch eine Stufe über den Fußball-Großereignissen. „Olympia ist viel umfassender, weil alle Facetten des Sports angesprochen werden. Fußball ist sehr populär, aber nicht jeder ist ein Fußball-Fan“, urteilte er im Vorfeld der vergangenen Olympischen Spiele 2012 in London.

Die Vielseitigkeit des Sports könne Adidas vor allem bei Olympia darstellen. Mit den Sommerspielen sei Sport 17 Tage lang in aller Welt ein Riesenthema. „Das führt oft dazu, dass die Menschen sich vornehmen, fitter sein zu wollen – und dazu kaufen sie dann natürlich die entsprechenden Produkte“, sagt eine Adidas-Sprecherin.

Rigorose Vorschriften für Sportler und Sponsoren
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