Rio-Unglück
Air France will Airbus die Schuld geben

Rund 18 Monate nach dem ungeklärten Absturz einer Air France-Maschine des Typs Airbus A330 vor Brasilien will die Fluggesellschaft nun die Verantwortung bei Airbus abladen. Das Unternehmen habe zu langsam auf die Probleme mit Geschwindigkeits-Sonden reagiert.
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PARIS. In einem Memorandum an die französische Justiz, aus dem „Libération“ zitiert, wirft der Anwalt von Air France Airbus vor, nicht rechtzeitig auf die Warnungen der Fluggesellschaft reagiert zu haben, wonach die Geschwindigkeitsmesser bei den A330-Flugzeugen nicht zuverlässig arbeiten würden. Airbus ging auf die Vorwürfe nicht weiter ein und erklärte, dass ohne die Flugschreiber das Unglück nie werde aufgeklärt werden können. Frankreich startet jetzt die vierte Suchaktion für die Blackboxes.

Am 1. Juni war eine A330 von Air France auf der Strecke Rio-Paris vor der brasilianischen Küste abgestürzt. 228 Menschen starben. Aus den automatisch versandten Wartungsmeldungen der Maschine geht hervor, dass wenige Minuten vor dem Absturz die drei Geschwindigkeitsmesser, die am Rumpf angebracht sind, vereist sind und nicht richtig funktionierten. Daraufhin schaltete sich der Autopilot ab. Kurz danach stürzte die Maschine ab.

Die französische Ermittlungs-Behörde BEA schrieb in ihrem letzten Zwischenbericht, dass der Ausfall der Geschwindigkeitsmessung beim Unglück sicher eine Rolle gespielt habe, „es jedoch alleine nicht erklären kann.“

Das sieht auch Air France so, verweist in seinem Memorandum aber darauf, dass die Fluggesellschaft alles versucht habe, die Sonden-Probleme in den Griff zu kriegen und dies ständig bei Airbus angemahnt habe. Denn vor dem Unglück waren bei Air France in 15 Fällen Probleme mit den Sonden der A330-Maschinen aufgetreten.

In der Sache präsentiert das Memorandum keine neue Fakten; es verschärft nur die Tonlage. Denn der Justiz sollen bis Ende des Jahres die Gutachten zum Absturz vorliegen. Ermittelt wird wegen fahrlässiger Tötung. Ferner sind Schadenersatz-Klagen anhängig.

Airbus hält die Argumente für vorgeschoben. „Air France hat nie formal einen Austausch der Mess-Sonden in einem ’request for change’ verlangt“, heißt es aus Airbus-Kreisen. Die Air France-Attacke könnte nun nach hinten losgehen. Vertreter der Opfer-Familien sehen in dem Memorandum den Beweis, dass Air France von der Gefährlichkeit der vereisten Mess-Sonden wusste.

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