Robert Louis-Dreyfus und die WM 2006
Das schwere Erbe des Adidas-Retters

Robert Louis-Dreyfus rettete Adidas vor dem Untergang und lieh Uli Hoeneß Millionen. Auch Jahre nach seinem Tod sorgt sein Geschäftsgebaren für Wirbel. Jetzt taucht sein Name in der Affäre um die WM 2006 erneut auf.

MünchenSein immer wieder verkündetes Ziel, aus Adidas die größte Sportmarke der Welt zu machen, hat Robert Louis-Dreyfus nie erreicht. Doch ohne den Spross einer französischen Milliardärsfamilie gäbe es Adidas als eigenständiges Unternehmen heute vermutlich nicht mehr.

Der Franzose ist bereits 2009 im Alter von nur 63 Jahren an Leukämie gestorben. Bis dahin war der Eigner des Fußballklubs Olympique Marseille jedoch eine der schillerndsten Persönlichkeiten der europäischen Sportindustrie – und eine der umstrittensten. Der Geschäftsmann, der gerne in Jeans, Shirts und Turnschuhen auftrat, hat einst Uli Hoeneß Millionen geliehen, damit der an der Börse zocken konnte.

Dem „Spiegel“ zufolge hat er auch maßgeblich dazu beigetragen, die WM 2006 nach Deutschland zu holen: Aus seinem Privatvermögen soll er dem Bewerbungskomitee Geld geliehen haben, um Stimmen bei den Wahlmännern zu kaufen.

In einem Atemzug mit Louis-Dreyfus wird stets Adidas genannt. Das ist kein Wunder, neun Jahre lang hat er die Firma geleitet. Louis-Dreyfus gelang es, das schwer angeschlagene Label in den 1990er-Jahren wieder aufzurichten. Der junge US-Rivale Nike war in den 1980er-Jahren an den Franken vorbeigezogen, als Adidas in einem extremen Umbruch war. Horst Dassler, Sohn von Firmengründer Adi Dassler, war völlig unerwartet gestorben, und niemand wusste, was die restlichen Familienmitglieder machen würden. „Da waren alle verunsichert“, erinnert sich Erich Stamminger, lange Jahre im Vorstand des größten europäischen Turnschuh-Herstellers.

Horst Dassler hatte das Sportmarketing erfunden und die Verbindung zu Sportverbänden gepflegt wie kein Zweiter. Die bis heute bestehende, enge Liaison mit dem Weltfußballverband Fifa, seinem europäischen Pendant Uefa und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) war lange die Stärke des Hauses – und gleichzeitig bis heute steter Hort von Skandalen und Spekulationen.

Als Horst Dassler 1985 an die Spitze des Familienunternehmens trat, waren in Entwicklung und Logistik bereits Schwachstellen sichtbar, die lange vom rasanten Wachstum überdeckt worden waren. Dassler blieb keine Zeit, das Unternehmen zu bestellen. Nach seinem frühen Tod 1987 erlagen seine vier Schwestern dem Charme des französischen Finanzjongleurs Bernhard Tapie. Sie verkauften ihm ihren 80-prozentigen Anteil am Unternehmen, dessen Fortbestand sie damit gesichert glaubten.

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