Rocket Internet unter Beschuss
Otto greift Samwer-Brüder an

TV-Interview, Magazintitel, Biografie: Die Samwer-Brüder sind in deutschen Medien derzeit omnipräsent. Konkurrent Otto kritisiert das „gekonnt inszenierte PR-Feuerwerk“ ungewohnt offen – und gibt noch ein paar Tipps.
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DüsseldorfDas ZDF veröffentlicht das erste TV-Interview mit Oliver Samwer, die „Wirtschaftswoche“ macht ihn und seine Brüder zum Titel, der „Gründerszene“-Chefredakteur widmet den Rocket-Internet-Gründern gleich ein ganzes Buch, und auch Handelsblatt Online kommt um eine Berichterstattung vor einem der spannendsten Börsengange nicht umhin: Die Samwers sind kurz vor dem Schritt auf das Börsenparkett ihrer Start-up-Schmiede Rocket Internet omnipräsent. Zufall? Konkurrent Otto glaubt nicht daran. In einem ungewöhnlich scharfen Blogeintrag kritisiert der Kommunikationsdirektor des Versandhändlers, Thomas Voigt, das „gekonnt inszenierte PR-Feuerwerk“ von Rocket Internet.

Normalerweise halte sich Otto mit Bewertungen von Konkurrenten „hanseatisch“ zurück, schreibt Voigt. Doch bei den Samwers spüre man „förmlich die strategisch wirklich hervorragend ausgefeilte Inszenierung“. Die Medien stilisieren Oliver Samwer seiner Meinung nach „unfreiwillig als Revolutionär des internationalen Einzelhandels, der den alten Knaben Mores lehrt“. Zu Unrecht, wie der Otto-Kommunikationschef findet: Es gebe neben Karstadt bereits seit zwei Jahrzehnten „einen blühenden und ziemlich dicht besetzten E-Commerce-Markt“.

Zudem werde die Marktmacht von Rocket Internet falsch eingeschätzt. Oliver Samwer wurde in der Vergangenheit unter anderem mit dem Amazon-Gründer Jeff Bezos, Facebook-Chef Mark Zuckerberg und dem mittelständischen deutschen Unternehmer Reinhold Würth verglichen. In den Medien sei aber „[k]eine Rede von der enormen Schlagkraft Amazons, keine Rede von den überschaubaren Marktanteilen, die Rocket auf dem Mode- und gar auf dem Möbel-Onlinemarkt hat, kein Wort von den notwendigerweise erkauften tariflosen Bedingungen, unter dem die aufstrebenden Online-Pures agieren“, schreibt der Otto-Mann.

Das stimmt nicht ganz: Eine RTL-Doku über die schlechten Arbeitsbedingungen bei dem Online-Händler Zalando erregte noch vor wenigen Monaten die Gemüter. Das sorgte dafür, dass das von Rocket Internet finanzierte Start-up nicht nur in die Schlagzeilen geriet, sondern sich auch genötigt sah, Besserung zu geloben. Und die Schlagkraft Amazons thematisierten die Medien erst vor kurzem, als sich deutsche Autoren gegen die Marktmacht des Onlinehändlers stellten.

Zum Schluss wagt Voigt noch einen Seitenhieb auf das erste TV-Interview von Oliver Samwer. Der Kommunikationschef verwendet in seinem Blogeintrag, ob absichtlich oder nicht, genau die beiden Worte, die auch Oliver Samwer selbst während seines TV-Interviews gerne benutzt: „Ganz ehrlich“ – er beglückwünsche die Kollegen in Berlin. Nun müsse die PR-Abteilung nur noch dafür sorgen, dass „der neue E-Commerce-Messias im Interview nicht wie das Kaninchen vor der Schlange wirkt und ihm nicht ständig das Hemd aus der Hose hängt“. Dann sei man „PR-mäßig ganz weit vorne“.

Lisa Hegemann
Lisa Hegemann
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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  • Letztendlich haben die Brüder Ihr Ding "im Sack"; nur das zählt unterm Strich wirklich. Langfristig unternehmerisch denken? In der heutigen Zeit? Ich glaube die Zeiten sind in den meisten Branchen wirklich vorbei.

  • als ich den Betrag sah dachte ich auch "wat denn dat für einer". Michymaus würd glatt ne milliarde mehr Umsatz mit der stimme machen.
    Etwas zu kopieren ist Gefährlich und muss nicht immer aufgehen, vor allem wenn es eigenständig bleiben soll.
    Kopier ich ebay und verkaufs an ebay lebt die seele ebays weiter darin. Kopier ich aber irgendwas nur um es dann an irgendwen zu verkaufen hat das produkt keine seele und kennt auch keinen weg. ich glaube dass dieses konzept langfristig nicht funktioniert. Aber wer will schon langfristig denken, wir denken nur bis zum Scheck oder?
    da fällt mir grad ein neues name für copyshop ein S*****-shop.

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