Roland Berger
„Das US-Modell des Managements hat versagt“

Burkhard Schwenker ist Chef von Roland Berger, der 51-Jährige leitet die Unternehmensberatung seit 2003. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über Opel und die Rolle von Roland Berger, die Kreditklemme und über die Zukunft der Autoindustrie.

Herr Schwenker, in diesen Tagen wird intensiv um die Zukunft von Opel gerungen. Um die Rolle von Roland Berger gab es dabei Irritationen.

Das mag sein. Tatsache aber bleibt: Unsere Firma wurde von GM Europe beauftragt, Opel bei der Entwicklung eines Restrukturierungskonzepts zu unterstützen. Und Roland Berger selbst hat auch kein Mandat der Bundesregierung.

Aber Herr Berger sitzt im Aufsichtsrat von Fiat. Sieht das nicht nach einem Interessenskonflikt aus?

Nein, weil Roland Berger als Aufsichtsrats-Chef nicht in unsere Arbeit für Opel eingebunden ist. Und weil alle Beteiligten die Compliance einhalten und Vertraulichkeit wahren.

Wie sehen Sie denn die Perspektiven von Opel?

Aus meiner Sicht hängt die Rettung von Opel vor allem an der Frage, ob es einen guten Investor gibt. In einer Zeit wie dieser ist es schon ein tolles Ergebnis, dass mehrere Kandidaten antreten. Fiat und Magna haben offenbar Konzepte, die einen durchaus optimistisch stimmen können.

Wie sehen Sie generell die Zukunft der Autoindustrie?

Grundsätzlich meine ich, dass die deutschen Autohersteller tatsächlich eine große Überlebenswahrscheinlichkeit haben. Das sind hervorragende Marken. Natürlich gibt es strukturelle Probleme, die durch die Krise auf den Punkt gebracht wurden. Ich glaube aber, dass man auch nach der Krise mit dem deutschen Automobilbau wieder gute Geschäfte machen kann.

Bei Opel würden sie notfalls aber eine Staatsbeteiligung akzeptieren, bis ein privater Investor gefunden ist?

Das müssen andere entscheiden, aber ordnungspolitisch betrachtet wäre es mir andersrum deutlich lieber. Ein Treuhandmodell könnte ein gangbarer Weg sein.

Ist der Staat in der Krise nicht der bessere Unternehmer?

Nein. Dennoch ist das zeitweise Eingreifen des Staates richtig und wichtig - ohne dessen Unterstützung wäre das Bankensystem vermutlich kollabiert. Im Großen und Ganzen hält sich der Einfluss des Staates noch in Grenzen. Ich hoffe sehr, dass das trotz Bundestagswahl so bleibt.

Was sagen Sie Ihren Kunden, wie lange wird die Krise dauern? Im Herbst waren Sie ja noch optimistisch, dass es relativ schnell wieder bergauf geht.

Die spannende Frage ist, ob wir ein V, ein U oder ein L erleben werden. Ich glaube noch immer, dass wir die Chance auf ein V-Szenario haben, also auf einen neuen Aufschwung 2010. Ob das eintrifft, hängt vor allem von zwei Signalen ab: Sehen wir erstens bis September aus den USA ein Zeichen, dass sich die Wirtschaft dort dreht; und bekommen wir zweitens ein glaubwürdiges Signal aus China, dass die Wirtschaft dort in diesem Jahr mit sieben Prozent wächst.

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