Roland Berger und Deloitte
Am Ende siegt der Stolz

Den Partnern der Unternehmensberatung Roland Berger ist ihre Unabhängigkeit wichtiger als ein verlockendes Kaufangebot. Sie verzichten auf eine Fusion mit der US-Beratungsfirma Deloitte - und verpassen damit aus Sicht von Experten eine Chance.
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DÜSSELDORF. Selbst der peinlichen Abstimmungsniederlage konnte Burkhard Schwenker noch etwas abgewinnen. „Der positive Teil dieses Samstags war, dass sich am Ende alle einig waren: Die Unabhängigkeit ist die beste Alternative. Und viele sind sogar noch bereit, Geld zu investieren“, sagte der Aufsichtsratschef von Roland Berger dem Handelsblatt.

Die Partner der Beratungsfirma hatten am Samstagabend mit überwältigender Mehrheit gegen den Vorschlag ihres Managements gestimmt, ihr Unternehmen an die ungleich größere Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zu verkaufen. Mit dem Zusammenschluss wäre der weltweit zweitgrößte Strategieberater entstanden.

Dabei sind sich Branchenexperten einig: Der Deal wäre ökonomisch sinnvoll gewesen, kulturell aber sehr schwierig. Roland Berger hat einen starken Namen und höhere Tagessätze – ist aber vor allem national tätig. Deloitte bringt das internationale Netz und die Finanzkraft mit. Beide hätten sich also wunderbar ergänzt. „Das wäre ein absolut richtiger Schritt gewesen, ein Rollenmodell für die ganze Branche“, sagt Dietmar Fink, Bonner Professor für Unternehmensberatung. Er sieht „eine verpasste Chance für beide“.

Fakt ist: Der Markt für gehobene Strategieberatung wird nicht mehr so stark wachsen, die operative Beratung, also die Hilfestellung im Detail beispielsweise bei der Zusammenlegung von Abteilungen, tritt immer stärker in den Vordergrund. In dem Geschäft sind zwar die Tagessätze geringer, dort ist aber Deloitte bereits sehr stark. Auch deshalb hätte die Übernahme durch Deloitte durchaus Sinn ergeben.

Doch nicht immer siegt die ökonomische Vernunft. Deloitte hätte 300 Mio. Dollar investiert, die Berger-Partner mit einer Halteprämie gelockt und auf einen Schlag die Altschulden gegenüber der Deutschen Bank abgelöst. Was für das Unternehmen selbst vorteilhaft sein mag, empfindet der einzelne Partner oft ganz anders.

Denn unter dem Dach von Deloitte hätten Berger-Berater im Ausland nie so viel Verantwortung tragen können wie heute. Diese Befürchtung jedenfalls hatten viele Berger-Mitarbeiter in Mails an ihr Management geäußert. In einer Beratung, die international noch nicht flächendeckend vertreten ist, sind zudem die Chancen viel höher, selbst im Ausland ein Büro aufbauen zu können. Unter den Fittichen von Deloitte aber wäre der Name Roland Berger nur noch in Deutschland und Frankreich erhalten geblieben.

Für die Berater, die mehrheitlich Individualisten sind, wäre das ein herber Schlag. Sie wollen sich nicht unterordnen – vor allem nicht unter große internationale Konzernstrukturen mit 170 000 Mitarbeitern wie bei Deloitte.

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  • Die Entwicklungen der letzten Tage sind in der Tat vielsagend.
    Die allwissenden berater, die zu jeder Zeit und bei jedem Problem mit kompetenten Ratschlägen glänzen - so zumindest das Selbstbild - geben in eigener Sache ein bild ab, das ungefähr einem geschäftsführenden Gesellschafter einer Mini-UG mit höchstens zwei 400€ Kräften entspricht. Das müsste den Vorständen und Geschäftsführern, die heute morgen wieder besuch von RbSC Damen und Herren in schicken Anzügen bekommen, doch ziemlich zu denken geben. Wie sind Ratschläge von beratern einzuschätzen, die in eigener Sache den Wald vor lauter bäumen nicht mehr sehen? Ohne die Lebensleistung von Roland berger schmälern zu wollen, kann unstrittig festgehalten werden, dass RbSC im Ausland trotz intensivster Anstregungen seit mehr als 10 Jahren so gut wie keinen Fuß auf den boden bekommt. "berger, who ....?? ist die regelmäßige Frage ausländischer Topmanager, garniert mit einem höchst erstaunten Gesicht, wenn im in einem Gespräch über Strategieberater der Name RbSC fällt.
    Die Herren Partner haben damit eine selten gute Chance freistehend neben das Tor gesetzt. Kuba lässt grüßen.
    Über den Prozeß und die Kommunikation desselben lohnt es sich nicht viele Worte zu verlieren. Auch hier gibt es Parallelen im Fussball: Manfred burgsmüller und seine "Helden der Kreisklasse".

    interessant wird nun die Frage sein, welche Mitglieder der Championsleague sich zukünftig aus unterklassigen Ligen Rat holen werden?

  • Muhahaha - die bezeichnung "UNTERNEHMENSbERATUNG" für Roland berger und Konsorten ist eher ein schlechter Scherz. Mich haben diese "Unternehmensberater" durch ihre sogenannten "Optimierungslösungen" auch auf dem Gewissen. Outgesourct wurden unsere Abteilungen, Folge weniger Gehalt, aber wesentlich höhere Arbeitsbelastung und erhöhtes Stressumfeld. Eine Abteilung wurde komplett dicht gemacht und ein weiterer Teil des Unternehmens aus Profitmaximierungsgründen ins Ausland verlagert. DANK ROLAND bERGER und Co. und seinen schlauen bWL-Consulting "Experten".

  • David hat auch Goliath besiegt. Größe an sich ist keine Stärke.
    Die Unabhängigkeit ist das wichtigste Gut des Unternehmens, was nützt das größte Unternehmen, wenn inkompetent. Man schaue sich doch mal E.ON an. bergers Partner werden wissen, dass ihnen die Fusion nichts nützt.

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