Roland Koch will versuchen, die umstrittenen Gehaltserhöhungen für den Vorstand durchzusetzen
Fraport diskutiert Vorstandsgehälter

Der Aufsichtsrat des des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG trifft sich am heutigen Montagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung. Nach Informationen des Handelsblatts dürfte der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende, der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU), auf dieser Sitzung versuchen, die umstrittene Gehaltserhöhungen für den Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Bender und seinen Stellvertreter Manfred Schölch durchzusetzen. Ein Fraport-Sprecher bezeichnete dies jedoch als „pure Spekulation“. Koch wird Anfang Dezember den Vorsitz des Aufsichtsrats abgeben, um – nach offizieller Lesart – den Ausbau des Frankfurter Flughafens nicht zu gefährden.

dp DÜSSELDORF. Pikant an der heutigen Sitzung, die bereits nach der letzten regulären Aufsichtsratssitzung vereinbart worden war, ist die Tatsache, dass Fraport im Vorfeld Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt hat. Grund für die Anzeige ist die Weitergabe vertraulicher Informationen. Nun will der Vorstand offensichtlich verhindern, dass Medienvertreter erneut Unterlagen aus Sitzungen des Aufsichtsrats oder des Präsidialausschusses zugespielt bekommen. Als undichte Stelle hat hat der Vorstand die Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat im Visier. Kämen undichte Stellen ans Licht, würde Schadenersatzforderungen gestellt, hieß es. Die Arbeitnehmervertreter opponieren gegen die geplante Erhöhung der Vergütungen des Vorstandschefs und seines Stellvertreters.

In der Strafanzeige bezieht sich der Fraport-Vorstand unter anderem auf die Weitergabe von Informationen aus Gremiensitzungen vom März 1999. Danach soll dem Aufsichtsrat bei der Entscheidung über die Beteiligung der damaligen Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG) an Bau und Betrieb des neuen internationalen Passagierterminals am Flughafen der philippinischen Hauptstadt Manila ein Gutachten eines Anwaltbüros aus Manila vorgelegen haben, das auf angebliche Verstöße der Betreiberverträge gegen Recht und Verfassung der Philippinen hinwies. Angeblich sei die Entscheidung für den Bau des Terminals gegen den Rat einzelner Aufsichtsratsmitglieder gefallen. In der Strafanzeige wird dieser Vorwurf als „irreführend“ bezeichnet.

Der Bericht spielt in der Klage des Fraport-Kleinaktionärs und Wirtschaftsprüfers Georg Wingert aus Singen gegen die Fraport AG eine wichtige Rolle. Wengert klagt beim Landgericht Frankfurt gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Die erste Anhörung vor dem Richter ist für den 3. Dezember angesetzt. Der Bau in Manila wurde für Fraport zum Desaster. Unter dem Vorsitz von Bender versenkte das Management insgesamt 352 Mill. Euro in Manila. Die Dividende für 2002 fiel aus. Koch hatte damals erklärt, er werde den Fraport-Vorstand daran messen, wie viel Geld er in Manila retten würde. Nach Meinung von Analysten dürfte Fraport keinen Cent wiedersehen. Fraport klagt gegen die philippinische Regierung vor einem Schiedsgericht der Weltbank in Washington auf Entschädigung.

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