Rotkäppchen-Chef Queisser
„Die Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel“

Der Chef der Traditionsmarke im Interview über den fast verpassten Trend zum Mischgetränk, fehlende Kalorienangaben auf dem Etikett und die Probleme des Namens „Rotkäppchen“ für Ausländer.
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Christof Queisser wählt seine Worte mit Bedacht. Zum Schluss des Interviews besteht er darauf, noch mit einem Vorurteil aufzuräumen. Rotkäppchen, so sagt der Geschäftsführer der Sektkellerei, sei nicht nach dem Märchen benannt, wie so viele glauben. Der Sekt hat seinen Namen aus der Produktion: Es war der Sekt  mit der roten Kappe – von den Mitarbeitern liebevoll „Rotkäppchen“ getauft. Der Name hat sich bis heute gehalten, die Marke erst recht. Die Rotkäppchen-Mumm-Sektkellereien sind Marktführer in Deutschland. Nun will das Unternehmen auch die Auslandsmärkte erobern. Handelsblatt Online hat den neuen Rotkäppchen-Chef in Düsseldorf getroffen.

Herr Queisser, das abgelaufene Geschäftsjahr dürfte Ihnen wenig Freude bereiten. Nach den heute vorgelegten Zahlen ist Ihr Absatz in Deutschland 2013 um 2,7 Prozent zurückgegangen, bei Sekt sogar um 4,8 Prozent. Auch Ihr Umsatz hat sich leicht verringert. Woher kommt diese Schwäche?
Das Gesamtergebnis ist nur durch die zurückgegangenen Sektverkäufe beeinflusst. Damit stehen wir aber nicht alleine da. Der gesamte deutsche Sektmarkt hat ein herausforderndes Jahr hinter sich, der Absatz ist insgesamt gesunken. Die drei anderen Kategorien – Spirituosen, Wein und Alkoholfrei – wachsen aber.

Hat sich dieses Wachstum auch im Gewinn niedergeschlagen?

Wir machen keine Angaben zum Ergebnis, das ist gute Tradition der Rotkäppchen-Mumm-Sektkellerei. Aber gehen Sie davon aus, dass wir eine schwarze Zahl schreiben.

Im Biersegment aber auch bei Wein und Sekt gibt es bereits seit Jahren einen Trend hin zu Mischgetränken. Sie bringen erst ab April mit Fruchtsecco Ihr erstes Mischgetränk auf den Markt. Warum hat es so lange gedauert, bis Sie nachgezogen haben?
Wir haben uns das Segment sehr genau angeguckt und haben die Nachhaltigkeit des Trends geprüft. Für uns ist dieses Segment keine Welle, die wir jetzt mal mitmachen, sondern dahinter steckt so viel Substanz, dass wir als Marktführer sagen: Ja, jetzt nehmen wir uns auch des Themas an.

Haben die Kunden zur Konkurrenz gegriffen?
Auch. Man kann schon sagen, dass eine gewisse Kannibalisierung stattgefunden hat. Die Kunden haben zu Produkten der Konkurrenz gegriffen. Wir mussten also nachziehen.

Ausgerechnet der Marktführer erkennt den Trend so spät?
Die Entwicklung hat gedauert, ist dafür aber langfristig. Wir haben Produkte auf den Markt gebracht, die von der Entwicklung her ein bisschen Zeit gebraucht haben. Qualität und Geschmack kommen nicht über Nacht.

Wie werden die Produkte denn bisher angenommen?
Wir haben bisher ein sehr gutes Feedback erhalten – sowohl von den Mitarbeitern als auch von den Handelskunden und den Fachleuten sowie den ersten Verbrauchern.

Können Sie das in Zahlen ausdrücken?
Dafür ist es noch zu früh.

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