Royal Mail
Briten treiben Post-Teilverkauf voran

Ein Milliardenloch in der Pensionskasse bedroht die Existenz der Royal Mail. Darum drängt der Staat auf eine Teilprivatisierung und will die Pensionsverplichtungen übernehmen. Die Branchengewerkschaft CWU läuft Sturm und auch in der Labour-Fraktion regt sich Widerstand gegen die Privatitisierungpläne von Wirtschaftsminister Mandelson.

LONDON. Die Partnersuche für die britische Royal Mail geht in die heiße Phase. Wirtschaftsminister Peter Mandelson gibt sich wild entschlossen, ein Gesetz zur Teilprivatisierung der staatlichen Postgesellschaft auch gegen heftigen Widerstand aus den eigenen Reihen durchs Parlament zu bringen. Die Zeit drängt offenbar: Die Treuhänder des Post-Pensionsfonds warnen, dass die Royal Mail unter der Milliardenlast der Rentenverpflichtungen zusammenzubrechen drohe.

Mandelson hat Mitte Dezember eine Reform der staatlichen Post angekündigt. Gestützt auf den Bericht einer unabhängigen Kommission begann er, einen privaten Partner für die Royal Mail zu suchen. Er soll Kapital und Expertise für eine Modernisierung der Abläufe mitbringen. Um das Unternehmen zu entlasten, will die Regierung ihm die bestehenden Pensionsverpflichtungen abnehmen. Das Filialnetz Post Office soll in staatlicher Hand bleiben. Mandelson schlug vor, es für den Aufbau einer Postbank als ernsthaften Konkurrenten für die Privatbanken zu nutzen.

Interesse an einer Beteiligung an der Royal Mail hat der niederländische Postkonzern TNT geäußert. Nach weiteren Kandidaten suchen Investmentbanker von UBS. In britischen Medienberichten wurde unter anderem das Private-Equity-Haus CVC genannt. Es hat gerade seine Beteiligung an Post Danmark gegen 49,9 Prozent an der belgischen De Post getauscht. Post Danmark und die schwedische Posten, die vor einer Fusion stehen, wurden ebenfalls als Partner für die Royal Mail gehandelt. Auch die Deutsche Post wurde schon genannt; in Unternehmenskreisen wurde ein Interesse aber dementiert. Ein TNT-Sprecher sagte, erst müsse der politische Prozess abgeschlossen werden.

Die Royal Mail verliert immer mehr Paket- und Massenbriefkunden an ausländische Konkurrenten. Sie beklagt seit Jahren, dass ihr die finanziellen Mittel fehlen, um ähnlich wie etwa die Deutsche Post ihr Verteilnetz konsequent zu modernisieren.

Ein wesentlicher Grund dafür sind die Zuschüsse, die sie an die betriebliche Pensionskasse zu leisten hat. Der im Dezember vorgelegte Bericht bezifferte die Lücke, die zwischen Zahlungsverpflichtungen und Vermögen der Kasse klafft, auf 5,9 Mrd. Pfund (6,7 Mrd. Euro). Inzwischen dürfte sie wegen der verheerenden Kursentwicklung an den Finanzmärkten nach unterschiedlichen Schätzungen auf acht oder sogar mehr als zehn Mrd. Pfund gewachsen sein.

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