Royal Mail: Privatisierung soll britische Post retten

Royal Mail
Privatisierung soll britische Post retten

Ein britisches Symbol steht vor der Privatisierung: Die schwer in der Krise steckende Royal Mail soll privatisiert und damit vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Die Gewerkschaften haben ihren Widerstand angekündigt. Bleibt die Frage, wer sich für den Brief-Giganten interessieren könnte.
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HB LONDON. Unter dem Druck seiner Schulden plant Großbritannien die Post zu versilbern, und zwar komplett. Nach wochenlangen Prüfungen kündigte die seit Mai amtierende konservativ-liberale Koalition an, die Royal Mail vollständig zu privatisieren. "Wir haben nicht vor, dass der Staat einen Anteil behält", sagte Industrieminister Vince Cable in einem Interview der BBC. Die Regierung hat es zudem eilig. Er hoffe, dass das Gesetz bereits im Winter vom Parlament verabschiedet werde, sagte Cable.

Der Widerstand der Gewerkschaften ist der Regierung damit gewiss. Sie haben noch im vergangenen Jahr das Kabinett des Sozialdemokraten Gordon Brown dazu gebracht, Überlegungen für einen Teil-Verkauf von 30 Prozent wieder fallenzulassen.

Deutschland hat den Schritt schon vor 15 Jahren hinter sich gebracht und seine Post 1995 aus der staatlichen Hand entlassen.

Die britische Regierung setzte ihre Botschaft zum Wochenende ab und versuchte, Gegnern den Wind von vornherein aus den Segeln zu nehmen. Cable beschrieb das Vorhaben als alternativlos. Die Post gehe unter, wenn sie mitten in der Finanzklemme des Staates auf öffentliche Gelder angewiesen bleibe. "Die Royal Mail steht vor einer Kombination potenziell tödlicher Entwicklungen", erklärte Cable am Freitag. "Ein schrumpfendes Briefgeschäft, niedrige Investitionen, mangelnde Effizienz und eine schlimme Lage des Pensionsfonds."

Die Regierung stützt sich auf ein unabhängiges Gutachten, das der frühere Aufsichtschef Richard Hooper erstellt hat.

Demnach sollte die Royal Mail an einen industriellen Investor gehen oder an die Börse gebracht werden. Eine finanziell klamme Regierung werde sich schwer tun, die nötigen Investitionen aufzubringen, stellte Hooper fest. Dem Gutachten zufolge wird das Briefgeschäft trotz des Monopols auf die Zustellung wegen Internet und E-Mail in den kommenden fünf Jahren um bis zu 40 Prozent zurückgehen. Das Loch in der Pensionskasse war demnach bereits im März acht Mrd. Pfund tief, umgerechnet 9,7 Mrd. Euro. Dafür will die Regierung aber auch bei einem Verkauf geradestehen.

Die Privatisierung haben die Konservativen und Liberalen schon in ihrem Koalitionsvertrag ins Auge gefasst. Damals aber beteuerten sie noch, dass das Unternehmen mit seinen mehr als 150 000 Mitarbeitern überwiegend im öffentlichen Besitz bleiben werde. Zu den Ideen der Koalition gehört es Cables Worten zufolge nach wie vor, die Mitarbeiter am privatisierten Konzern zu beteiligen.

Ein solches Trostpflaster dürfte den Gewerkschaften kaum reichen: "Eine Privatisierung ist alte Politik", kritisierte Billy Hayes, Generalsekretär der größten Post-Gewerkschaft, umgehend. "Diese Politik ist gescheitert und vergangen. Sie hat die Versorgung des Landes mit Strom, Wasser oder Bahnverkehr verschlechtert und den Verbrauchern astronomische Preise beschert."

Bleibt die Frage, wer sich für den Brief-Giganten interessieren könnte. Die größten Konkurrenten der Royal Mail sind UK Mail und die niederländische TNT, die im Paketgeschäft erfolgreich sind. TNT winkt schon mal ab: "Wir haben zurzeit andere Prioritäten", sagte der Großbritannien-Chef der Niederländer, Nick Wells, Reuters.

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