Rückgang im Passagierverkehr
Luftfahrtbranche fleht um Fusionserlaubnis

Der Weltverband der Luftfahrtbranche Iata fordert angesichts der massiven Geschäftsrückgänge Erleichterungen bei grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen. Nach letzten Hochrechnungen des Verbands werden die Verluste der weltweiten Fluggesellschaften 4,7 Mrd. Dollar erreichen.

FRANKFURT. „Diese Krise wird die Industrie verändern. Jeder muss begreifen, dass jetzt die richtige Zeit ist, um alte Beschränkungen zu ändern“, forderte Giovanni Bisignani, der Chef des Weltluftfahrtverbandes Iata, in Genf.

Bisignani zielt mit seinen Äußerungen auf vielfach geltende Grenzen, was Eigentümerstrukturen sowie den Zugang zum Markt für ausländische Fluggesellschaften betrifft. In den meisten Nationen dürfen ausländische Investoren keine Mehrheit an nationalen Fluggesellschaften besitzen. Teilweise sind die Grenzen sogar bei 25 Prozent Anteilsbesitz gezogen. Auch die Vergabe von Verkehrsrechten für Starts und Landungen sind stark reglementiert. Diese Beschränkungen haben eine umfassende Konsolidierung trotz zahlreicher Krisen bislang verhindert. Der Markt ist nach wie vor stark fragmentiert. Die Airlines haben die bislang lediglich lockere Partnerschaften etwa über Codeshare-Programme schließen können.

Das ist vielen Airlines weltweit, vor allem den großen und kapitalkräftigen, schon länger ein Dorn im Auge. So hat Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber jüngst davor gewarnt, bei Übernahmen von angeschlagenen Airlines so hohe kartellrechtliche Hürden aufzubauen. Lufthansa ist derzeit dabei, die belgische Brussels Airlines sowie die österreichische AUA zu übernehmen. Beide Engagements werden von der EU-Kommission intensiv unter die Lupe genommen.

„Wir müssen die Krise nutzen, um unsere Strukturen zu modernisieren“, mahnte Bisignani und fügte hinzu: „Wir fragen nicht nach Hilfsprogrammen. Wir verlangen aber, dass wir Regeln bekommen, die uns neue Eigentümerstrukturen erlauben.“ Der Iata-Chef unterstrich seine Forderung mit einer rabenschwarzen Prognose für das laufende Jahr. „2009 ist das schwierigste Jahr in der Airline-Industrie überhaupt.“

Nach jüngsten Iata-Hochrechnungen werden die Verluste der weltweiten Fluggesellschaften 4,7 Mrd. Dollar (rund 3,5 Mrd. Euro) erreichen. Die hohen Verluste erhöhten den Druck auf die Bilanzen der Unternehmen, warnte der Iata-Chef eindringlich. Auch der Umsatz wird um zwölf Prozent sinken. „Das ist ein fast doppelt so starker Rückgang wie nach den Terroranschlägen 2001“, sagte Bisignani.

Der Verband steht mit diesem Pessimismus nicht alleine. Erst zu Wochenbeginn hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) erklärt, dass der Markt die Talsohle noch nicht erreicht habe. „Ich hoffe, dass das Minus am Ende nicht zweistellig wird“, hatte DFS-Chef Dieter Kaden gesagt. Nach seinen Angaben ist die Zahl der Flugbewegungen über Deutschland seit Jahresbeginn um rund zehn Prozent gesunken.

Für den Passagierverkehr erwartet die Iata weltweit einen Rückgang im gesamten Jahr um 5,7 Prozent. Das Problem sei aber, dass vor allem in der margenstarken First- und Businessklasse die Nachfrage fehlte, erklärte Bisignani. Im Frachtgeschäft, das schon bislang weitaus stärker unter der Krise leidet, prognostizieren die Experten der Iata ein Minus von immerhin 13 Prozent.

Als Konsequenz der schwierigen Branchensituation reduziert der Verband auch seine Prognose für das Flugzeug-Neugeschäft. Bis 2011 werde die Zahl der ausgelieferten Großraumflugzeuge um etwa 30 Prozent sinken, erklärte Bisignani: „Die einzig gute Nachricht ist der Ölpreis. Hatten die Kerosinkosten 2008 noch einen Anteil an den operativen Kosten von 32 Prozent, werden es im laufenden Jahr nur noch 25 Prozent sein. Das verhindert noch größere Verluste.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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