Rücknahmesystem startet bald: Handel patzt erneut beim Dosenpfand

Rücknahmesystem startet bald
Handel patzt erneut beim Dosenpfand

Dem deutschen Lebensmittelhandel droht am 1. Mai ein Chaos bei der Rücknahme leerer Getränkedosen und Einwegflaschen. Von diesem Datum an sind Supermärkte nämlich verpflichtet, auch Einwegverpackungen der Konkurrenz für Bier, Erfrischungsgetränke und Mineralwässer zurückzunehmen, sofern sie selbst solche Produkte verkaufen.

DÜSSELDORF. Weil aber die Vorbereitungen bislang nur schleppend laufen, dürften sich in den Märkten zwei Wochen nach Ostern lange Schlangen bilden. „Wir gehen davon aus“, sagt Wolfgang Ringel vom Automatenhersteller Tomra, „dass beim Start der bundesweiten Rücknahmepflicht gerade einmal für 20 Prozent der Einweggebinde brauchbare Geräte zur Verfügung stehen.“

Ein Großteil der Lebensmittelhändler wird daher das Leergut zunächst einmal per Hand entgegennehmen müssen. „Wir wollen die Entwicklung zunächst abwarten“, heißt es etwa beim Discounter Plus, der bislang noch keine Geräte geordert hat. Auch die Supermarktketten Tengelmann und Kaiser’s verzichten vorerst auf Rücknahmeautomaten.

Ein weiterer Patzer: Das System startet zunächst ohne Sicherheitsmerkmal, was Pfandbetrügern Tür und Tor öffnet. Ein bereits ins Rennen geschicktes maschinenlesbares Sicherheitslabel musste die Bundesdruckerei zurückziehen, nachdem es Tüftlern bei Lidl gelungen war, das Etikett mit einfachsten Mitteln zu fälschen. Zwar bemüht sich derzeit ein Bielefelder Ingenieurbüro um Ersatz, bis Mai wird eine Nachfolgelösung aber nicht bereitstehen.

Die Schuld an der Misere geben Branchenbeobachter der Deutschen Pfandsystem GmbH, dem koordinierenden Gemeinschaftsunternehmen des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE) und der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungswirtschaft (BVE). „Hinter den Kulissen gibt es Anlaufschwierigkeiten“, bestätigt HDE-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr, zum 1. Mai aber könnten alle Konsumenten ihre Dosen zurückgeben, versichert er.

Doch bisher ist nicht einmal sicher, ob zu diesem Termin das dringend benötigte Clearingsystem steht. Mit seiner Hilfe sollen die Pfandeinnahmen der einzelnen Händler künftig gegeneinander verrechnet werden. „Hier droht ein zweites Toll Collect“, warnte gestern Toshiba-Topmanager André Schenten. Weil Toshiba trotz Investitionen „in beachtlicher einstelliger Millionenhöhe“ bis heute keinen einzigen Rücknahmeautomaten in Deutschland verkauft habe, hat der japanische Konzern gestern entnervt den Ausstieg aus dem Markt bekannt gegeben.

Den auf 35 000 Rücknahmeautomaten geschätzten Markt teilen sich derzeit Wincor Nixdorf und die norwegische Tomra untereinander auf. Tomra liegen dabei insgesamt 9 000 Bestellungen von Edeka, Metro, Aldi Süd und offenbar auch Lidl vor, Wincor soll 3 500 Geräte liefern – darunter an Aldi Nord und Edeka. Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (WAFG), in der Konzessionäre von Coca-Cola und Pepsi organisiert sind, geht davon aus, dass es noch bis zu anderthalb Jahre dauern wird, bis alle umrüstwilligen Händler mit Rücknahmeautomaten ausgestattet sind. Gleichzeitig rechnet sie damit, dass die Zahl der Einwegverpackungen durch die schärfere gesetzliche Rücknahmepflicht vom 1. Mai an sprunghaft steigen wird.

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