Rückschlag für Kellerhals
Metro sieht sich im Streit mit Media Markt gestärkt

Seit Jahren ringen Kellerhals und Metro um die Macht bei Media-Saturn. Jetzt hat das Oberlandesgericht München ein weiteres Urteil gefällt: Bei Europas größter Elektrohandelskette wird ein Beirat eingerichtet.
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DüsseldorfDer Handelsriese Metro sieht sich im Rechtsstreit um das Sagen bei Europas größter Elektronikhandelskette Media-Saturn gestärkt. Metro begrüße die Entscheidung des Oberlandesgerichts München, den Schiedsspruch zur Einrichtung eines Beirats bei der Tochter Media-Saturn zu bestätigen, sagte ein Metro-Sprecher am Mittwoch. Dem Beirat kommt entscheidende Bedeutung im Zwist mit Media-Saturn-Minderheitseigner Erich Kellerhals zu, denn mit Hilfe des Gremiums kann der Düsseldorfer Handelsriese Veto-Rechte des Minderheitseigners in einigen wichtigen Entscheidungsbereichen aushebeln. „Wir haben jetzt Rechts- und Planungssicherheit“, unterstrich Metro-Chef Olaf Koch. Der Beirat leiste gute Arbeit. Media-Saturn-Gründer Kellerhals sieht dies anders: Kochs Einschätzung habe „mit der Realität nichts zu tun“.

Kellerhals und der Metro-Vorstand ringen seit Jahren um die Macht bei Europas größter Elektrohandelskette. Umstritten war zwischen beiden Seiten unter anderem die Expansionsstrategie der Kette und die Aufstellung des Online-Geschäfts. Der Zwist beschäftigt auch die Gerichte. Denn Media-Saturn-Gründer Kellerhals hat trotz seiner Beteiligung von nur noch rund 22 Prozent umfassende Veto-Rechte. Diese sind der Metro ein Dorn im Auge, mit der Einrichtung des Beirats bei Media-Saturn will der Düsseldorfer Handelsriese diese aushebeln. Denn der Beirat entscheidet mit einfacher Mehrheit: Kellerhals kann Metro hier nicht stoppen. Ein Schiedsspruch aus dem August 2012 hatte dem Beirat bescheinigt, dass dieser unter anderem über Personalien und Übernahmen befinden kann.

Strittig war nach einer früheren Mitteilung des OLG nun unter anderem noch, ob im Schiedsverfahren „unverzichtbare Formalia“ eingehalten wurden. Unter anderem ging es um die „Form der Übermittlung des Schiedsspruchs“. Der 34. Zivilsenat des OLG München entschied nun, der Schiedsspruch sei vollstreckbar. Auch sei er per Einschreiben mit Rückschein „wirksam übermittelt“ worden. Das Gericht räumte Kellerhals aber die Möglichkeit ein, Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof zu erheben.

Metro-Chef Koch zeigte sich zuversichtlich, „dass wir den Wachstumskurs von Media-Saturn beibehalten können“, der Beirat arbeite ausgezeichnet. Koch hofft nun auch auf eine „Befriedung des Verhältnisses zwischen den Gesellschaftern“. Diese deutet sich aber nicht an: „Es kann keine Rede davon sein, dass der Beirat bisher 'ausgezeichnet' arbeitet“, sagte ein Sprecher der Kellerhals-Gesellschaft Convergenta: „Das hat mit der Realität nichts zu tun.“ Der Beirat sei vielmehr „ein Hindernis für eine effiziente und effektive Corporate Governance“, ließ er Koch wissen.

Die Aktionäre ließ der Gerichtsentscheid kalt - Metro-Aktien notierten am Mittag leicht im Minus bei 34,73 Euro. Dabei birgt die Machtfrage bei Media-Saturn Sprengkraft. Denn wenn die Metro bei der Tochter trotz ihrer Mehrheitsbeteiligung nicht ihren Willen durchsetzen kann, müsste der Konzern letztlich Media-Saturn aus den Bilanzen nehmen. Der Metro-Vorstand sieht auf Grundlage der bisherigen Gerichtsurteile aber keine Notwendigkeit für eine solche Entkonsolidierung. Aber auch hier ist laut Metro-Geschäftsbericht noch eine Klage anhängig.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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