Rücktritt und Klage
Marseille-Kliniken versinken im Führungschaos

Nach nur wenigen Wochen an der Spitze der Marseille-Kliniken tritt Stefan Herzberg wieder ab. Zuvor hatte der Aufsichtsrat ihn abgemahnt. Nun sollen die Gerichte den Führungsstreit klären.
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FrankfurtDie Führungsturbulenzen beim Hamburger Pflegeklinik-Betreiber Marseille-Kliniken reißen nicht ab. Nach nur wenigen Wochen auf dem Chefposten legte der Vorstandsvorsitzende Stefan Herzberg mit sofortiger Wirkung sein Amt nieder, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Zuvor habe der Aufsichtsrat Herzberg unter dem Vorwurf der Pflichtverletzung abgemahnt. Nähere Einzelheiten dazu waren bei Marseille-Kliniken nicht zu erfahren. An der Börse kam die Nachricht nicht gut an: Die Aktie büßte mehr als zwei Prozent ein. 

„Die Abmahnung ist substanzlos“, erklärte Herzberg in einer Mitteilung zusammen mit dem ehemaligen Finanzchef des Unternehmens, Thomas Klaue. Sein Ex-Vorstandskollege hatte sich ebenfalls mit dem Kontrollgremium überworfen. Vor einigen Tagen folgte die fristlose Entlassung. Herzberg verwies auf Differenzen mit dem Aufsichtsrat über Fragen der guten Unternehmensführung. Es habe keine Einigung gegeben, so dass er zusammen mit Klaue versucht habe, dies durch einen externen Gutachter klären zu lassen. „Der Aufsichtsrat hat dies nicht mitgetragen“, erklärte Herzberg, der nun Schadenersatz fordern will. 

Ex-Finanzchef Klaue will ebenfalls juristisch gegen seine Kündigung vorgehen. „Die Abberufungsgründe sind an den Haaren herbeigezogen und konstruiert“, erklärte er. Der Aufsichtsrat hatte Klaue ebenfalls Pflichtverletzungen vorgeworfen. Den Konzern soll jetzt bis auf weiteres der neue Finanzvorstand Michael Thanheiser zusammen mit dem Generalbevollmächtigten Andreas Sielemann führen. Thanheiser hatte nach dem Weggang von Klaue bereits das Finanzressort mit übernommen. 

Der ehemalige Karstadt-Chef Herzberg hatte den Klinikbetreiber erst seit Anfang September geleitet. Herzberg folgte an der Spitze des Managements Firmengründer und Hauptaktionär Ulrich Marseille, der sich wegen anhaltender juristischer Querelen Ende August aus der Geschäftsführung zurückgezogen hatte. Marseille war wegen der Bestechung einer Gutachterin einer Krankenkasse zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Chefkontrolleur des Unternehmens ist seit kurzem der ehemalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff, stellvertretender Aufsichtsratschef der ehemalige „Bild“-Zeitungs-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje. Aufsichtsratchef Middelhoff erklärte zu den Führungsquerelen: „Unabhängig von aktuellen Personalien schreitet die wirtschaftliche Gesundung des Konzerns planmäßig voran.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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