Rückzahlung der Wandelanleihen
Kapitalerhöhung erlaubt Eurotunnel weitere Schuldentilgung

Der Betreiber des Ärmelkanaltunnels, Groupe Eurotunnel S.A., hat den zweiten Teil seiner Kapitalerhöhung gestartet. Das Unternehmen will 915 Mill. Euro aufnehmen, um ausstehende Wandelanleihen vollständig zurückzuzahlen. Ein Bankenkonsortium aus ABN Amro, HSBC, Lazard-Natixis, Lehman Brothers sowie UBS haben die Kapitalstärkung bereits vollständig garantiert, teilte das Unternehmen mit.

PARIS. Mitte April hatte der Tunnelbetreiber bereits 840 Mill. Euro neues Kapital aufgenommen, dies hatte der Goldman Infrastruktur Fonds gezeichnet. Dank der am Dienstag lancierten zweiten Tranche der Kapitalaufnahme kann Eurotunnel noch ausstehende Wandelanleihen nun vollständig zurückkaufen und seine Finanzstruktur vereinfachen. Pro Jahr spart das Unternehmen damit 68 Mill. Euro Zinszahlungen.

Das Interesse namhafter Banken, die Kapitalerhöhung zu garantieren, zeugt von der voranschreitenden Gesundung des einst überschuldeten Tunnelbetreibers. Bei der Gründung von Eurotunnel im Jahr 1986 überschätzten die Planer das künftige Verkehrsaufkommen in der Röhre, die Frankreich mit England verbindet. Gleichzeitig wurden die Baukosten zu niedrig angesetzt. Eurotunnel musste in Folge dessen immer mehr Schulden aufnehmen, um den Tunnel zu bauen. Das Unternehmen drohte schließlich, unter der Last der neun Milliarden Euro Gesamtschulden zusammenzubrechen.

2007 gelangt Tunnel-Chef Jacques Gounon der Durchbruch: Die Gläubiger stimmten einer Verringerung der Schulden um mehr als die Hälfte zu; heute hat Eurotunnel noch 4,1 Mrd. Euro Schulden. Damit sanken die Finanzlasten massiv. 2007 wies Eurotunnel zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Gewinn von einer Mill. Euro aus. 2009 hofft Gounon, seinen Aktionären zum ersten Mal eine Dividende auszuzahlen.

Bei der damaligen Umschuldung bekamen einige Gläubiger Wandelanleihen, die in Aktien rückzahlbar sind. Mit der zweiteiligen Kapitalerhöhungen mit einem Gesamtvolumen von 1,7 Mrd. Euro kann Eurotunnel nun diese Gläubiger vorzeitig auszahlen. Das ändert aber nichts am Gesamtvolumen der Seniorschulden von 4,1 Mrd. Euro. Denn Wandelanleihen gelten als eigenkapitalnah und werden daher nicht als normale Schulden verbucht.

"Von der zweiten Tranche der Kapitalerhöhung werden Eurotunnel nach Rückzahlung der Anleihen noch rund 120 Million übrig bleiben", sagte eine Sprecherin. Was Eurotunnel mit dem Geld anfangen will, verriet das Unternehmen nicht. Die Gelder "geben uns zusätzlichen Manövrierraum, um unsere Zukunft zu gestalten", zitiert eine Pressemitteilung Tunnel-Chef Gounon.

Eurotunnel hat seinen Umsatz 2007 um sechs Prozent auf 775 Mill. Euro gesteigert und eine Ebitda-Marge von 57 Prozent erzielt.

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