Rückzug der Großkunden würde Hamburger Werbeagentur in Krise stürzen
Mercedes und Veltins drohen Springer & Jacoby mit Etat-Entzug

Einer der führenden deutschen Werbeagenturen, Springer & Jacoby (S&J), droht ein Umsatz- und Ertragseinbruch.

HAMBURG. Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz sowie die Grevensteiner Brauerei Veltins wollen der Agentur den Rücken kehren und ihre millionenschwere Werbeetats abziehen, heißt es aus Kreisen der Firmen.

„S&J hat bis zum Jahresende Zeit, die Tragfähigkeit der personellen und strukturellen Veränderungen unter Beweis zu stellen“, betonte Justus Schneider, Direktor Global Marketing Communications Mercedes-Benz Pkw. Sollte es zu keiner befriedigenden Lösung kommen, sei man sicher, „jederzeit eine Reihe von Topagenturen zu finden, die unserem Anspruchsprofil entsprechen.“ Mercedes-Benz arbeitet seit 16 Jahren mit S&J zusammen.

Ähnlich äußerte sich auch Herbert Sollich, Marketingleiter von Veltins, gegenüber dem Handelsblatt: „Wir überprüfen derzeit unsere Agenturbeziehung zu Springer & Jacoby.“ Entscheidungen seien derzeit aber noch keine gefallen, die Etats abzuziehen, betonen Mercedes-Benz und Veltins.

Hintergrund des Unmuts der beiden Kunden ist der überraschende Umbau der traditionsreichen Agentur. „Wir haben derzeit mit ganz neuen Ansprechpartnern zu tun, die wir nicht kennen“, erklärte Sollich. Erst vor kurzem hatte sich die Werbeagentur von ihren beiden Deutschland-Chefs Alexander Schill und Jörg Schultheis getrennt. Schill war bislang für Mercedes-Benz der Ansprechpartner. Künftig wird S&J durch Oliver Schwall und Erik Heitmann vertreten. Beide verordneten der Agentur eine Schlankheitskur und wollen das von Firmengründer Reinhard Springer ins Leben gerufene System eigenständiger Geschäftseinheiten aufgeben.

Sollten Mercedes-Benz und Veltins zu einer anderen Werbeagentur wechseln, würde der Umsatz von Springer & Jacoby um bis zu 40 Prozent einbrechen. Allein durch den Wegfall des Mercedes-Etats würde der Umsatz um mehr als 35 Prozent zurückgehen, heißt es in Firmenkreisen. Fraglich ist, ob die Werbeagentur die Etatverluste mit neuen Kunden ausgleichen könnte. Denn durch den Wegfall von Mercedes-Benz würde die Gesellschaft einen herben Imageschaden erleiden, der die Akquisition neuer Kunden erheblich erschweren würde, meinen Experten.

Die 1979 gegründete Hamburger Werbeagentur gehört mehrheitlich zum britischen Konzern Interpublic. Sie beschäftigt in Deutschland rund 600 Mitarbeiter. Ein S&J-Sprecher wollte die Kundenbeziehungen nicht kommentieren. Zahlen zu Umsatz, Ertrag und Mitarbeitern werden traditionell nicht genannt.

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