Rufschädigung und Verleumdung vorgeworfen
Bahn-Vorstand bestreitet Bilanztrickserei

Bahn-Finanzvorstand Friedhelm Sack hat den Kritikern der eingeschlagenen Unternehmenspolitik indirekt Rufschädigung und Verleumdung vorgeworfen. Im Streit über den Börsengang der Bahn und die Finanzplanung des Staatsunternehmens wird dem Vorstand vorgeworfen, die Bilanz geschönt zu haben.

HB BERLIN. Sack schrieb in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Mittwochausgabe), die Bahn müsse ein normales Unternehmen werden, und dieser Weg bedeute eine harte Sanierung. Es sei befremdlich, dass die Führung des Unternehmens kritisiert werde, wenn sie unternehmerische Ziele verfolge. „Noch befremdlicher ist, dass in Ermangelung von sachlichen Argumenten versucht wird, die Führung der Bahn zu kriminalisieren, indem man von Bilanzmanipulationen und Bilanztricks spricht“, schrieb Sack. Eine Verleumdung bleibe eine Verleumdung, auch wenn sie unter dem Deckmantel der politischen Auseinandersetzung betrieben werde. Wer kein normales Unternehmen Bahn wolle, „sollte ehrlicherweise die Rückführung in eine Behörden-Bahn fordern“.

Auf Betreiben der Arbeitnehmervertreter wird der Bahn-Aufsichtsrat voraussichtlich Anfang Oktober zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Der stellvertretende Aufsichtsrats-Vorsitzende und Chef der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, verlangte eine Korrektur der Mittelfristplanung der Bahn sowie klare Aussagen des Verkehrsministeriums zu einem Börsengang. Bahnchef Hartmut Mehdorn war von mehreren Seiten Bilanzschönung vorgeworfen worden, um einen schnellen Börsengang zu ermöglichen. Auch Hansen hatte am Wochenende Mehdorn vor Bilanzschönung gewarnt und darauf hingewiesen, dass die Arbeitnehmervertreter bereits die im vorigen Jahr vorgelegte Mittelfristplanung als unrealistisch abgelehnt hatten. Er forderte, im Aufsichtsrat müssten die Vorwürfe der Bilanztricksereien geklärt werden.

Finanzvorstand Sack bezeichnete es als „außerordentlich befremdlich“, wenn Aufsichtsratsmitglieder einen möglichen Börsengang dazu nutzten, „um den unternehmerischen Weg der Bahn zur Kapitalmarktfähigkeit zu verdammen“. Sie wüssten genau, „dass es nur diesen oder den Weg der Zerschlagung des Konzerns gibt“. Wer kein normales Unternehmen Bahn wolle, „sollte ehrlicherweise die Rückführung in eine Behörden-Bahn fordern“.

Frenzel nimmt Mehdorn in Schutz

Im Streit um angeblich geschönte Finanzplanungen der Deutschen Bahn hat der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Frenzel Konzernchef Hartmut Mehdorn in Schutz genommen. Vorwürfe der Manipulation seien „völlig an den Haaren herbeigezogen“, sagte Frenzel am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Kernthema der Sondersitzung des Kontrollgremiums im Oktober werde die Investitionsplanung für neue Strecken sein. Eventuelle personelle Konsequenzen stünden nicht zur Debatte, betonte Frenzel.

Strittig ist die Frage, ob die Bahn bei der mittelfristigen Investitionsplanung bis 2007 zu hohe Bundesmittel einkalkuliert hat. Wegen der angespannten Finanzlage des Bundes stellt sich die Bahn bei den derzeit laufenden Gesprächen darauf ein, den Bau neuer Strecken verschieben oder streichen zu müssen. Hintergrund sind Berechnungen der Bahn, bis 2007 könnten bis zu sechs Mrd. € weniger Bundesmittel zur Verfügung stehen als bisher kalkuliert.

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