Rummel muss gehen
Toll Collect versucht's mit neuer Spitze

Nach den Pannen bei der Lkw-Maut hat das Betreiberkonsortium Toll Collect Konsequenzen gezogen. Der maßgeblich für den Aufbau zuständige Manager Michael Rummel scheidet aus der Geschäftsführung aus, teilte das Unternehmen mit. Das Gemeinschaftsunternehmen von Deutscher Telekom und Daimler-Chrysler beschloss zugleich die Bildung einer neuen Geschäftsführung sowie eines neuen Aufsichtsrates.

HB BERLIN. Neue Führungsperson werde der Telekommunikationsexperte Peter Mihatsch, gab das von Daimler-Chrysler und Deutscher Telekom geführte Konsortium am Dienstag in Berlin bekannt. Mihatsch übernehme Mitte Dezember auch den Vorsitz des Toll-Collect-Aufsichtsrats von Daimler-Chrysler-Vorstand Klaus Mangold. Die Veränderungen signalisieren, dass die Telekommunikationsexperten künftig eine stärkere Rolle in dem Konsortium spielen. Bisher war das Konsortium mit Mangold, Rummel und auch der Öffentlichkeitsarbeit von Daimler-Chrysler dominiert. Aus projektnahen Kreisen hieß es zuletzt, dass vor allem die Telekom hier auf Änderungen gedrängt habe. CDU und CSU erklärten, nachdem das Konsortium gehandelt habe, müsse nun auch Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) gehen.

Stolpe selbst begrüßte die Veränderungen und sprach von einem Neustart für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Offen ist, ob sich jetzt auch die Politik des Konsortiums in den Verhandlungen mit der Bundesregierung ändert. Bisher hat sich Toll Collect geweigert, einen neuen Start-Termin für die Maut zu nennen. Zwischen Telekom und Mangold gab es den Kreisen zufolge auch Streit über die Offenlegung der Verträge. Während Mangold eine weitgehende Offenlegung ablehnt, unterstützt die Telekom hier die Position der Bundesregierung. Noch am Dienstag erwartet das Verkehrsministerium hierzu eine Stellungnahme des Konsortiums.

Rummel war mehr als 15 Jahre lang für Daimler in verschiedenen Funktionen tätig. Im Zuge der Maut-Pannen schaltete sich aber Toll-Collect-Aufsichtsratschef Mangold stark in das operative Geschäft ein. Rummel stand auch in der Kritik, da er im Aufsichtsrat eines Unternehmens vertreten war, das von Toll Collect wiederum Aufträge erhalten haben soll. In Kreisen des Daimler-Chrysler-Konzerns hieß es zur Personalie Rummel: „Wir wussten schon seit längerem, dass da etwas nicht stimmt.“ Die Leitung von Toll Collect an Stelle von Rummel übernimmt nun der frühere Viag-Interkom-Vorstand Hans-Burghardt Ziermann. Es gilt aber als sicher, dass der ehemalige Mannesmann-Mobilfunk- Vorstand Mihatsch ab sofort die führende Rolle in dem Konsortium haben wird.

Ende der 80-er Jahre hatte Mihatsch mit einer kleinen Truppe von Mitarbeitern das zweite deutsche Mobilfunknetz D2 aufgebaut, das heute zweitgrößte Netz nach T-Mobile. „Er ist sehr stringent, nahezu asketisch und redet nur, wenn er was zu sagen hat“, sagte ein Branchenkenner. „Fehler passieren einmal, ein zweites Mal nicht“, soll ein Motto von Mihatsch sein. Im Gegensatz zu dem nüchternen Mihatsch gilt der Bayer Ziermann als lebensfroh und impulsiv. Ziermann hatte zusammen mit dem damaligen Viag-Interkom-Chef Maximilian Ardelt im Zwist mit Alleingesellschafter British Telecom (BT) den Münchener Telekom-Anbieter Mitte 2001 verlassen.

Noch vor einer Woche hatte Mangold personelle Änderungen in der Geschäftsführung des Maut-Konsortiums ausgeschlossen. Er selbst wäre turnusgemäß ohnehin im Dezember aus dem Aufsichtsgremium ausgeschieden. Seit längerem ist zudem klar, dass er auch die Führung bei Daimler-Chrysler Services aufgibt.

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