Rund 400 Arbeitsplätze weg
WMF braucht Schlankheitskur vor Expansion

Doppelarbeit vermeiden, Strukturen straffen: WMF-Chef Feld verordnet dem Küchengeräte-Experten eine Schlankheitskur, um ihn fit für die Auslandsexpansion zu machen. Dafür fallen erst einmal fast 400 Arbeitsplätze weg.
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Stuttgart/GeislingenDer neue WMF-Vorstandschef Peter Feld greift bei dem schwäbischen Küchen-Spezialisten durch. „Die Strukturen, die wir heute haben, lähmen uns“, sagte Feld am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. WMF hatte erst jüngst den Abbau von bis zu 390 Stellen angekündigt und will gut 50 Filialen schließen. Weitere Stellen könnten an den gut 30 Logistikstandorten wegfallen, die derzeit überprüft werden, sagte Feld. Das Unternehmen hatte zuletzt rund 6100 Mitarbeiter.

„Wir haben Marken, die richtig viel Luft nach oben haben“, sagte Feld. Der Beiersdorf-Manager hatte im August 2013 nach dem Einstieg des Finanzinvestors KKR die Führung bei WMF übernommen.

Feld hatte bereits angekündigt, dass WMF vor allem im Ausland expandieren soll. Der Auslandsanteil am Umsatz lag zuletzt bei etwa 46 Prozent. Dieses Verhältnis zum Deutschlandgeschäft wolle er möglichst schnell auf den Kopf stellen, kündigte Feld an. Sein Vorbild seien Firmen mit einem Auslandsgeschäft von 80 Prozent. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem chinesischen Markt. „Wir werden uns fragen, wo haben wir überhaupt die Chance, Nummer eins zu werden.“ Außerdem denke er über eigene Filialen im Ausland nach.

Dazu müsse das Geschäft im Heimatmarkt geordnet werden. „Internationalisierung macht nur dann Sinn, wenn wir erfolgreich im Stammgeschäft sind“, betonte Feld. Neben einer Vereinfachung der IT-Landschaft will er ein Ende des Wettbewerbs zwischen den verschiedenen Marken im Konzern - dazu gehören neben WMF auch Alfi, Silit oder Auerhahn - erreichen. Es passiere heute, dass Nachbarmarken auf Messen das Gleiche vorstellten, sagte Feld. Das verwirre den Kunden. Aus Produktkategorien wolle sich WMF zwar nicht zurückziehen, wohl aber werde über einzelne Marken diskutiert.

Wie hoch die Kosten für den Umbau ausfallen könnten, wollte der WMF-Chef nicht beziffern. Die Gespräche mit dem Betriebsrat über den geplanten Stellenabbau liefen noch. Auswirkungen auf die Höhe habe, welche Modelle für Altersteilzeit oder Abfindungen gefunden würden. Nach Informationen der IG Metall sollen in der Konzernzentrale in Geislingen 260 bis 280 Stellen wegfallen.

WMF will dank des Umbaus gut 30 Millionen Euro pro Jahr sparen. 2014 sollen Umsatz und Ergebnis wieder leicht steigen. Im vergangenen Jahr waren die Einnahmen leicht auf 1,01 Milliarden Euro gesunken, das Ergebnis sackte um fast die Hälfte auf 25,3 Millionen Euro ab. Der Verkauf der Princess Gruppe habe zu einem Umsatzausfall von 40 Millionen Euro geführt.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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