Rund-um-Betreuung kein Selbstläufer mehr
Neue Urlaubsformen machen Clubanlagen Konkurrenz

Seit Jahren sind Cluburlaube bei den Reiseveranstaltern der Renner. Mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten haben sie der Branche viel Freude gemacht. Doch die Zeiten ändern sich.

HB HANNOVER/FRANKFURT. Erfunden und für lange Zeit allein angeboten wurde Urlaub mit Clubatmosphäre und Rund-um-Betreuung vor Jahrzehnten vom französischen Club Mediterranee. Heute verfügt jeder große deutsche Reiseveranstalter über Clubangebote. Allerdings zeigen die Probleme bei Club Med und der Thomas Cook-Tochter Aldiana, dass Cluburlaub kein Selbstläufer mehr ist.

Nummer eins in Deutschland ist seit Jahren unangefochten die Clubtochter Robinson des größten europäischen Reisekonzerns Tui, bei der jeder vierte deutsche Cluburlauber bucht. Auch wenn die Tui-Marke keine Zahlen nennt, gilt sie als profitabel. Gemessen am Gesamtmarkt von 80 Mill. Reisenden im vorigen Jahr nimmt sich die Gästezahl der Clubanbieter mit 1,28 Mill. noch klein aus. „Das gesamte Clubsegment hat bundesweit ein Potenzial von 4,5 Mill. Gästen im Jahr“, sagt Tui-Hotelspartenchef Karl Pojer. „Deshalb rechnen wir auch künftig mit Wachstum. Wir sehen Cluburlaub als Urlaubsform mit Zukunft.“

Familien und Paare ebenso wie Singles wählen Cluburlaub wegen der vielen Aktivitäten, die angeboten werden. Vollpension und Kinderbetreuung und mittlerweile immer häufiger auch das „All inclusive“-Paket sind zusätzliche Anreize. Vor allem Familien schätzen es, wenn vom Töpferkurs bis zum Tischwein bereits alles mit dem Reisepreis bezahlt ist und das Urlaubsbudget nicht ausufern kann. Dass sie dann ihren Urlaub mit Plastikbändchen am Handgelenk verbringen, nehmen die meisten für den Wegfall vieler Nebenkosten in Kauf.

Tui Deutschland hat inzwischen vier Clubmarken für unterschiedliche Kundengruppen und Preisniveaus aufgebaut. Der Gästezuwachs bei allen betrug im Touristikjahr 2003/04 (31. Oktober) rund zwölf Prozent auf 850 000, während die Gesamtzahl der Tui-Reisenden bei 7,1 Mill. stagnierte. So reist mittlerweile fast jeder achte Tui-Urlauber in einen Club. In Frankreich und Deutschland ist Cluburlaub etabliert, in Großbritannien dagegen noch nicht. Dort will Tui über seine britische Tochter Thomson expandieren.

Das wachsende Angebot bei anderen Urlaubsformen macht es den Clubanbietern mittlerweile schwer: Animation bieten inzwischen auch viele Hotels an. Häufig sind ältere Clubanlagen, die längst renoviert werden müssten, die Ursache für dramatischen Gästeschwund. So erwischte es Club Med: Trotz exklusiver Standorte machte der europäische Club-Marktführer in den vergangenen zwei Jahren zweistellige Millionen-Euro-Verluste. Ein Sanierungsstau ließ die Gästezahlen sinken und riss den Traditionsveranstalter mit 1,6 Mrd. € Jahresumsatz in die Krise. Voriges Jahr übernahm der Hotelkonzern Accor fast 30 % der Anteile und leitete die dringend notwendige Erneuerung ein.

Auch die deutsche Clubmarke Aldiana bescherte dem Tui-Konkurrenten Thomas Cook, im vorigen Jahr starke Verluste. Nun wurde in den 13 Anlagen die Saison verlängert und damit die Auslastung verbessert. 40 % mehr Gäste für die laufende Sommersaison meldet der Cook-Vorstand. Mit zuletzt etwa 100 000 Gästen sei Aldiana auf dem richtigen Weg. Allerdings würde Cook die Clubtochter gern verkaufen, Gespräche mit dem US-Investor Advent laufen seit längerem.

Robinson wächst ebenfalls mit derzeit knapp zehn Prozent Gästeplus. Zu den 25 Clubanlagen in neun Ländern mit rund 13 000 Betten kommt Ende 2005 eine weitere im marokkanischen Agadir hinzu. Robinson operiert dabei unabhängig vom Mutterkonzern Tui. Robinson-Chef Carsten Rath verzichtet - im Gegensatz zu Clubkonkurrenten - auf Frühbucherrabatte, um die Preise stabil zu halten. Lieber lasse man einige Betten leer stehen, sagt er.

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