Russische Reaktion auf EU-Sanktionen
Überflugverbot bedroht Asienangebot der Airlines

Die verschärften Sanktionen der EU sind beschlossen. Dafür will der Kreml die Westmächte abstrafen. Er droht, den russischen Luftraum für westliche Airlines zu sperren. Das würde vor allem eine Fluglinie hart treffen.
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DüsseldorfEs ist ein heikles Thema für die Fluggesellschaften. Sollte Wladimir Putin ernst machen und als Reaktion auf härtere EU-Sanktionen die Region Sibiriens mit einem Überflugverbot für westliche Airlines belegen, wäre dies für viele der Unternehmen ein großes Problem.

Besonders betroffen dürften nordeuropäische Fluggesellschaften wie Lufthansa, British Airways, KLM Air France und die Scandinavian Airlines sein. Sie wickeln ihr Asien-Geschäft zu großen Teilen mit Flügen über Sibirien ab. Auf mehr als 20.000 Euro pro Flug hat die russische Luftfahrtbehörde die Kosten beziffert, die Fluggesellschaften wie die Lufthansa auf Asienflügen dank der kurzen Routen über Sibirien derzeit noch an Sprit einsparen.

Die Lufthansa nennt nur die Zahl von rund 180 Überflügen über Sibirien pro Woche nach Japan, China und Korea, äußert sich aber nicht zu den möglichen Kosten einer Luftraumsperrung. Die Sorge vor allen nachgelagerten Konsequenzen verdeutlicht aber ein Statement der KLM-Air France-Sprecherin Ulli Gendrot: Man könne aus Rücksicht auf den Börsenkurs des Unternehmens keine Angaben machen, sagt Gendrot auf Anfrage.

Selbst Wissenschaftler im Bereich Luftfahrtwirtschaft halten sich auffällig mit Aussagen zurück, die der Branche schaden könnten: Das Sekretariat des Instituts für Luftfahrt und Logistik wiegelt jede Anfrage an Mitarbeiter des Lehrstuhls ab. Das sei eine politische Frage, zu der man nichts beizutragen habe.

Deutlich härter als die Lufthansa, die jetzt schon einige ihrer Asienflüge von den Flughäfen München und Wien südlich der sibirischen Zone vorbei führt, dürfte das Überflugverbot die nordeuropäischen Unternehmen Scandinavian Airlines, British Airways und Finnair treffen. Sie können nicht auf andere Flugrouten ausweichen.

Andreas Wittmer, Geschäftsführer des Center for Aviation Competence an der Universität St. Gallen sagt: „Für Finnair wäre ein umfassendes Überflugverbot eine Bankrott-Erklärung.“ Die Airline habe zuletzt stark auf Asienangebote gesetzt und ihr Portfolio dort in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut.

Die Folge wird aus einer Antwort des Unternehmens auf eine Anfrage von Handelsblatt Online deutlich: Finnair fliegt 15 asiatische Ziele wie Peking, Schanghai, Hongkong oder Seoul an. Für das Weihnachtsgeschäft 2014 nimmt Finnair als Spezialangebote auch noch die Zielorte Phuket und Krabi in Thailand hinzu. Die Flüge sind teils täglich, teils vier oder fünf Mal wöchentlich angesetzt und machen etwa 50 Prozent der kompletten Passagierkilometer der Airline aus.

Kommentare zu " Russische Reaktion auf EU-Sanktionen: Überflugverbot bedroht Asienangebot der Airlines"

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  • Also fluks eine Cooperation mit asiatischen Fluggesellschaften aufbauen oder ausbauen. Die Maschinen an diese verleasen mit Mannschaft, umspritzen und alles geht weiter wie bisher.... ;-)Natürlich Gewinn teilen, daher weniger, aber keine Mehrkosten!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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