Russland
Banken drängen an die Börse

Die russischen Staatsbanken schauen voller Optimismus ins nächste Jahr: Nachdem die Vneshtorgbank, die sich kürzlich zur besseren internationalen Aussprache in VTB umbenannt hat, bereits seit längerem mit einem Börsengang liebäugelt, spielen nun offenbar auch die Sberbank sowie die Gazprombank mit Gedanken an IPOs im Jahr 2007.

MOSKAU. Marktbeobachter in Moskau erwarten für VTB eine Aktienplatzierung in der Höhe von fünf Mrd. Dollar. Präsident Wladimir Putin plant russischen Medienberichten zufolge, die ehemalige Außenhandelsbank von der Liste der strategisch wichtigen Unternehmen zu nehmen, was ausländische Beteiligungen zuließe. Der Börsengang der Sberbank – der ehemaligen sowjetischen Sparkasse – könnte sogar ein Volumen von zehn Mrd. Dollar erzielen.

Doch während Analysten in diesem Jahr ein hervorragendes Klima für die Börsenpläne der Banken sahen, halten sie die Erfolgsaussichten 2007 für gering. „Wenn so viele Aktien auf den Markt kommen, heißt das, sie werden um die Aufmerksamkeit der Fonds und Investoren stark konkurrieren“, sagt Alex Kantorowitsch von der MDM Bank. Hinzu kommt: Das Investitionsklima in Russland dürfte sich eintrüben. Christopher Weafer, Chefstratege der Alfa Bank, sieht das kommende Jahr zudem von politischer Unsicherheit geprägt: Der Wechsel im Kreml rückt näher – 2008 stehen Präsidentschaftswahlen an.

Außerdem rechnen die Analysten mit niedrigeren Preisen für Öl und Gas. Der Preis für die in Russland maßgebliche Ölsorte Urals hatte in diesem Jahr einen Höchststand von über 70 Dollar pro Barrel (entspricht 159 Liter) erklommen. Inzwischen ist er wieder auf gut 53 Dollar gefallen. Investoren seien nervöse beim Ausblick ins nächste Jahr, weiß Weafer. Sollte der Ölpreis unter 50 Dollar fallen, so trifft dies den russischen Bankensektor. Die Alfa-Analysten erwarten, dass dann zusätzliche Reserven der Zentralbank ausschließlich in den staatlichen Stabilisierungsfond fließen, den der Kreml für die Gewinne aus dem Ölgeschäft angelegt hat. Dieses Geld würde damit nicht dem Finanzsektor zur Verfügung stehen.

Insgesamt hat der Ölsektor mit rund einem Viertel nach wie vor einen erheblichen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP). In den ersten neun Monaten 2006 stieg der Anteil des Öls am Export auf 65 Prozent – das höchste Niveau seit 1991. Ein niedriger Ölpreis trübt daher das Umfeld für die Banken ein.

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