Russland nimmt Humana-Babynahrung aus den Regalen
Humana von allen Seiten angegriffen

Die oberste Sanitätsbehörde in Russland hat den Verkauf von Produkten des deutschen Herstellers von Säuglingsnahrung, Humana Milchunion, und deren israelischen Vertriebsfirma Remedia gestoppt. Deutsche Behörden überprüfden derweil rein prophylaktisch die Soja-Produkte der Humana Milchunion, die in Deutschland auf dem Markt sind.

HB MOSKAU/HERFORD. Landesweit seien die Läden angewiesen worden, Produkte von Humana und der israelischen Firma Remedia aus dem Verkauf zu nehmen, teilte die Behörde in Moskau am Donnerstag mit.

In Israel waren zwei Säuglinge gestorben, weitere mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Ihr Tod wird mit einer Sojamilch in Verbindung gebracht, deren Vitamin-B1-Gehalt falsch berechnet worden war, in Verbindung gebracht. Nach Angaben von Humana in Deutschland betraf dieser Mangel jedoch nur die speziell für Israel hergestellte koschere Babyersatznahrung.

Auch die Behörden in Deutschland beschäftigen sich derzeit mit Humana-Produkten. Sie überprüfen die Soja-Produkte für den deutschen Markt in einer Routine-Untersuchung. „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass diese Produkte nicht in Ordnung sind“, sagte die Herforder Landrätin Lieselore Curländer am Donnerstag.

Humana hatte eingeräumt, wegen einer Panne Sojamilch mit zu wenig Vitamin B1 nach Israel geliefert zu haben. Der Fehler wird mit dem Tod von zwei Säuglingen in Verbindung gebracht. „Wir machen das, um sicher zu stellen, dass es ein einmaliges Ereignis war“, sagte die Landrätin zu den Prüfungen. Von 16 Artikeln für Deutschland und das Ausland seien Proben gezogen worden. Das Ergebnis der Analyse wird Anfang nächster Woche erwartet.

Auch am Verbauchertelefon des Herforder Unternhemens drehen sich die Gespräche zurzeit fast ausschließlich um dieses Thema. Dort gehen vier mal so viele Anfragen ein wie gewöhnlich. Ein Unternehmenssprecher berichtete am Donnerstag, die häufigsten Fragen seien: „Kann ich Humana noch ohne weiteres meinem Kind geben?“, „Ist das von mir verwendete Produkt betroffen?“, „Kann es sein, dass auch bei anderen Produkten zu wenig Vitamin B1 vorhanden ist?“, „Was tut Humana, um weitere Fehler auszuschließen?“

Der Sprecher betonte in diesem Zusammenhang erneut, dass nur das spezielle Sojamilch- Produkt für den israelischen Vertriebspartner betroffen gewesen sei. „Es hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung für andere Humana- Produkte gegeben.“

In Israel haben angeblich bereits zwei Elternpaare gegen Humana geklagt. Nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ ist die Humana Milchunion mit insgesamt 50 Millionen Euro gegen Ansprüche wegen fehlerhafter Produkte versichert. Das Versicherungskonsortium werde von der Gothaer Versicherung in Köln geführt, die 40 Prozent des Risikos trage. Ein Sprecher sagte dem Blatt, der Schaden werde geprüft. Dem Bericht zufolge verlangt ein israelisches Elternpaar 197 Millionen Euro Schadenersatz von Humana und dem israelischen Gesundheitsministerium, ein anderes Elternpaar verlange 22 Millionen Euro.

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