Russland-Sanktionen
Wohin mit den Pfirsichen?

Russland macht Ernst: Seit vergangener Woche darf kein europäisches Obst und Gemüse mehr in das Land. Das Importverbot führt jetzt schon zum Preisverfall auf dem EU-Früchtemarkt. Und es könnte noch schlimmer kommen.
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DüsseldorfEin Hilferuf ging Anfang der Woche beim Bielefelder Obst-Importeur Klaus Schuleit ein. Ein niederländischer Lieferant wusste nicht mehr weiter: Seine Laster voller Pfirsiche stehen an der Grenze zu Russland und kommen nicht ins Land. Der Holländer bat Schuleit darum, ihm die leicht verderbliche Ware abzunehmen. Er steht damit nicht allein da. „Gerade Holländer melden sich derzeit ganz verzweifelt und fragen, ob wir nicht was abkaufen können. Der Preis ist da egal“, erzählt Schuleit.

Seit vergangener Woche Mittwoch verbietet Russland den Import von Lebensmitteln. Neben Milchprodukten, Fleisch und Fisch darf auch kein Obst und Gemüse mehr aus der EU und den USA importiert werden. Die Grenzen sind zu, die Früchtelaster aber voll. Insbesondere Polen, die Niederlande und Nicht-EU-Land Norwegen sind betroffen. „Wo sollen die Produzenten denn jetzt hin mit der Ware?“, fragt Großhändler Schuleit.

„Diese Menge drängt jetzt zurück auf den europäischen Markt, das hat dramatische Auswirkungen“, sagt Andreas Brügger, Geschäftsführer des Fruchthandelsverbands. Das überschüssige Obst und Gemüse könne nicht einfach in andere Länder verkauft werden. Die Produkte sind nicht lange lagerfähig und die Märkte außerhalb der EU ohnehin gesättigt. Die Früchte bleiben somit innerhalb der EU-Grenzen. „Unser Markt ist bereits ausgelastet - wenn jetzt noch die Waren hinzukommen, die nicht nach Russland verkauft werden dürfen, ist das höchstproblematisch. Das wird zu einem massiven Preisverfall führen“, so Brügger.

Dieser Preisverfall hat laut Frucht-Importeur Schuleit bereits eingesetzt: „Vor dem Einfuhrstopp lag der Preis für Nektarinen aus Spanien bei 1,30 Euro pro Kilogramm. Jetzt liegt er bereits bei 80 Cent - und das ist noch nicht das Ende“, so der Großhändler. Das Überangebot drücke die Preise. Für Schuleit bedeute das sinkende Margen bei gleichbleibenden Kosten. Für die Bauern ist es noch gravierender. „Wenn die Verbraucher 30 Cent weniger für ein Kilo Obst bezahlen, merken die das nicht so sehr. Doch die Erzeuger spüren sofort, wenn Händler plötzlich 30 Prozent weniger zahlen. Das wird dramatische Auswirkungen haben“, erklärt Brügger vom Fruchthandelsverband.

Einige niederländische Bauern verschenken deshalb bereits einen Teil ihrer Früchte an hilfsbedürftige Familien. Das scheint ihnen sinnvoller, als zu versuchen, sie auf dem heimischen Markt unter Wert zu verkaufen und damit die eigenen Preise kaputtzumachen. Die Obst- und Gemüsebranche appelliert deshalb an die Politik: Die Märkte sollen wieder geöffnet, der Sanktionskrieg müsse beendet werden.

Die EU versucht derweil mit akuten Hilfsmaßnahmen den Entwicklungen gegenzusteuern. Am Montag kündigte EU-Kommissar Dacian Ciolos an, zunächst die Pfirsich- und Nektarinenbranche zu entlasten. Produzenten werden künftig höher als bisher für nicht verkaufte Lebensmittel entschädigt; sie dürfen zehn statt bislang fünf Prozent ihrer Ware vom Markt nehmen. Das soll das Überangebot mindern und die Marktpreise stabilisieren. Die unausweichliche Folge: Lebensmittelvernichtung. „Ich werde nicht zögern, das Gleiche für andere von Exporten nach Russland abhängige Sektoren zu tun, wenn das nötig werden sollte“, erklärte der Agrarkommissar Ciolos. Unklar bleibt jedoch zunächst, wie hoch die Finanzhilfen ausfallen sollen.

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  • Pfirsich-Gelee; Pfirsich-Wein; Pfirsich-Likör; Pfirsich-Torte;Pfannkuchen mit frischen Pfirsichen; Pfirsich-Joghurt; Obst-Salst aus Pfirsichen; Einkochen; Pfirsich-Eis;Trockenfrucht-Pfirsich; verteilen an Suppenküchen, Kindertagesstätten, Altenheime, Schulen etc.

    Der Möglichkeiten gibt es viele - und jede Einzelne halte ich für besser als eine Entsorgung im Biomüll.

  • … und auf Bakterien verseuchte Wurst haben die Russen sicher auch keinen Bock!

  • … und auf Bakterien verseuchte Wurst haben die Russen sicher auch keinen Bock!

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