Ryanair
Billigheimer mit dem Hang zu teuren Fußnoten

Vor zehn Jahren landete die erste Ryanair-Maschine am Flughafen Frankfurt-Hahn, und läutete die Ära der Billigflieger in Deutschland ein. Seitdem attackieren die Iren die deutschen Airlines mit Billigangeboten. Das Konzept von Ryanair-Chef O'Leary hat den deutschen Flugmarkt kräftig durcheinander gewirbelt.

FRANKFURT. Michael O’Leary ist sauer. Dabei gilt es einen Jahrestag vorzubereiten. Heute vor zehn Jahren, am 22. April 1999, flog seine Ryanair zum ersten Mal nach Deutschland, der Start der Billigfliegerei in Deutschland. Doch O’Leary kommt am gestrigen Dienstag zu spät zu seinem Medienauftritt in Frankfurt. In Rom ist sein Flieger nicht rechtzeitig rausgekommen – natürlich einer der Konkurrenz, Ryanair selbst ist ja stets der Pünktlichkeitssieger.

Doch O’Leary wäre nicht O’Leary, wenn er sich lange beeindrucken ließe. Locker gekleidet und energiegeladen wie immer stürzt er sich im kargen Intercity-Hotel sogleich in seine Marketingshow. Von der billigsten und besten Airline ist die Rede. Und vom unaufhörlichen Drang nach Wachstum.

O’Leary ist Pionier und Missionar zugleich, zuweilen unterhaltsam, manchmal auch penetrant. 1994 übernahm er bei Ryanair das Ruder, zu einer Zeit, da die von Tony Ryan gegründete Airline marode bis in die letzten Zipfel war. O’Leary suchte Rat bei Herb Kelleher, Gründer von Southwest, dem ersten Billigflieger der Welt. Der gab bereitwillig die wichtigsten Zutaten für seinen Erfolg weiter: Konzentration auf die Kurzstrecke und nur einen Flugzeugtyp, um die Kosten im Griff zu behalten. O’Leary folgte, toppte das Vorbild noch. Anders als bei Southwest gibt es bei Ryanair Speisen und Getränke nur gegen eine Gebühr – ein Modell, das Ryanair in den Folgejahren weidlich ausbaut. Günstig ist nur der Flug, alles andere kostet extra, so steht’s in den Fußnoten.

Doch das Konzept kommt an. Längst ist Ryanair hier zu Lande ein fest etablierter Anbieter. Mittlerweile fliegt die Airline neben Hahn auch das niederrheinische Weeze, Bremen, Hamburg-Lübeck, Berlin, Leipzig, Karlsruhe Baden-Baden, Zweibrücken, Memmingen und Friedrichshafen an. 58 Millionen Fluggäste griffen 2008 auf die Dienste des irischen Low-Cost-Carriers zurück, ein Plus von 18 Prozent. 2012 sollen sogar 87 Millionen Fluggäste in den engen und spartanischen blau-gelben Röhren Platz nehmen.

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