Ryanair bleibt bei Prognose
O'Learys Charme reicht Anlegern nicht

Ryanair steigert seinen Gewinn um ein Viertel, auch der Umsatz wächst kräftig. Doch der Aktienkurs des Billigfliegers gibt nach. Ryanair-Chef Michael O'Leary muss sich wohl bald etwas Neues einfallen lassen.
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London„Sich stets verbessern“ – das wird schwieriger für Ryanair. Vor eineinhalb Jahren hat die irische Billigfluglinie mit diesem Slogan eine Charme-Offensive gestartet, um die durch schlechten Service, hohe Zusatzgebühren und strenge Regeln verärgerten Kunden wieder von sich zu überzeugen. Es hat sich ausgezahlt: Aktienkurs, Gewinn und Passagierzahlen legten deutlich zu. Doch der Trend scheint sich jetzt zu verlangsamen.

Im abgelaufenen Quartal hat Ryanair zwar seinen Gewinn um 25 Prozent gesteigert – auf 245 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Montag verkündete. Der Umsatz fiel mit 1,65 Milliarden Euro um zehn Prozent höher aus als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Ryanair hatte auch mehr Fluggäste. Das reichte aber nicht, um die Prognose für das Gesamtjahr anzuheben, wie einige recht optimistische Investoren und Analysten es erwartet hatten. Der Aktienkurs gab am Montagmorgen zwischenzeitlich um mehr als zwei Prozent nach.

Ryanair hält an seiner Gewinnprognose für das gesamte Geschäftsjahr fest, das im März 2016 endet, und erwartet einen Überschuss, der zwischen 940 und 970 Millionen Euro liegen soll. Man werde wohl eher das obere Ende erreichen, fügte der Billigflieger Anfang dieser Woche hinzu.

Ein Gewinnplus von 25 Prozent im abgelaufenen Quartal sei zwar beeindruckend, kommentierten Analysten von Liberum, „aber wir erwarten, dass die Schritte, mit denen Ryanair künftig Verbesserungen erreicht, moderater ausfallen werden.“

Als Teil ihrer Charme-Offensive hat die Fluggesellschaft ihr Online-Buchungssystem vereinfacht und verbessert sowie die Regeln für Gepäck gelockert und einige Gebühren gesenkt. „Wenn ich gewusst hätte, dass sich der nettere Umgang mit Kunden in einer höheren Auslastung widerspiegeln würden, wäre ich schon vor Jahren netter geworden“, witzelte Ryanair-Chef Michael O'Leary vor einigen Monaten.

Ein Gewinnrückgang für das Geschäftsjahr 2013/14 hat O'Leary zum Umdenken gebracht. Zum ersten Mal seit fünf Jahren war der Überschuss damals geschrumpft – um acht Prozent. O'Leary hält sich seither auch zurück, immer wieder neue Ideen für Zusatzgebühren vorzustellen wie etwa Münztoiletten. Nur bei einem Thema hat sich Ryanair zuletzt eine Kommunikationspanne erlaubt und Investoren sowie Passagiere verwirrt. So hat die Fluggesellschaft Mitte März verkündet, der Verwaltungsrat habe künftige Wachstumspläne abgesegnet, die auch billige Transatlantikflüge vorsehen. Drei Tage später kam das Dementi.

Ryanair spielt eigentlich schon länger mit dem Gedanken, ins Langstreckengeschäft einzusteigen. Bisher fehlen dem Unternehmen aber die entsprechenden Maschinen. Und es dürfte dauern, bis Ryanair diese bekommt, denn die Hersteller haben bereits zahlreiche Bestellungen dafür. Bis Ryanair zu einem Ziel auf der anderen Seite des Atlantiks abhebt, dürfte es daher noch einige Jahre dauern – wenn überhaupt. Denn einige Analysten zweifeln, ob Ryanair diesen Plan angesichts der Kosten, die das mit sich bringt, wirklich umsetzt.

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