Ryanair-Chef Michael O'Leary „Flughäfen sollten so sein wie Aldi und Lidl“

Der Ryanair-Chef erklärt im Interview mit dem Handelsblatt, dass der Ölpreis verzerrt sei - und sucht Sponsoren für Getränke an Bord. Außerdem erklärt O'Leary, ab wann Ryanair einen Chef braucht, der im Anzug auftritt.
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Ryanair Chef Michael O'Leary. Quelle: Reuters

Ryanair Chef Michael O'Leary.

(Foto: Reuters)

Michael O'Leary: Sie sind mit Ryanair nach Dublin gekommen, oder? Waren Sie pünktlich?
Handelsblatt: Ja. Und deshalb musste ich mir die grässliche Fanfare anhören, die Ihre Mitarbeiter in diesen Fällen stets spielen.
Michael O'Leary: Na, wenn das alles ist, was Sie an Ryanair stört...

Handelsblatt: Nicht ganz. War nicht ganz billig, der Flug. Sie haben Ihre Preise im Schnitt um 16 Prozent erhöht - wann geht es mal wieder in die andere Richtung?
Wenn die Ölpreise sinken. Es ist unglaublich, wie der Ölmarkt funktioniert. Mit der Wirtschaft geht es abwärts, die Ölpreise steigen aber weiter. Das mit den Ölpreisen ist so ähnlich wie mit der Manipulation des Libor-Satzes. Das ist ein Skandal, an dem sich viele Banken beteiligen.

Sie haben mal zugegeben, dass etwa 70 Prozent dessen, was Sie sagen, Blödsinn ist. Das gehört jetzt dazu, oder?
70 Prozent? Nein, höchstens fünf Prozent von dem, was ich sage, ist Quatsch. Und die restlichen 95 Prozent sind eine brillante Analyse der Lage und eine treffsichere Einschätzung der Zukunft.

Wann geht es also mit den Ticketpreisen wieder runter?
Das hängt von mehreren Dingen ab. Man müsste beispielsweise die Flugaufsicht Eurocontrol mit ihren Dutzenden von Standorten loswerden. Ein Standort würde ausreichen. Die hohen Kosten der Flughafeninfrastruktur spielen bei der Kalkulation der Ticketpreise auch eine Rolle.

Wollen Sie deshalb gleich einen ganzen Flughafen kaufen? Sie haben ja Ihr Interesse an London Stansted bekundet, das der Betreiber aus Wettbewerbsgründen verkaufen muss.
Es geht allenfalls um eine Minderheitsbeteiligung. Man hat uns gefragt, ob wir Teil eines Konsortiums werden wollen, das den Flughafen kauft. Die hätten uns gern mit im Boot, weil wir für etwa drei Viertel des Flugverkehrs in Stansted verantwortlich sind.

Warum würde es für Ryanair Sinn haben, Stansted zu kaufen?
Es hat nicht unbedingt Sinn, wäre aber eine gute Gelegenheit. Denn Flughäfen brauchen ein neues Geschäftsmodell und niedrigere Kosten. Das könnten wir umsetzen. In den vergangenen zehn Jahren wurde Stansted schlecht gemanagt. Die Betreiber haben die Start- und Landegebühren für die Airlines verdoppelt und so kurzfristig die Profitabilität verbessert. Deswegen aber ist das Verkehrsaufkommen um 20 Prozent gesunken.

Wie viel würden Sie dafür zahlen?
So wenig wie möglich. Wir gehen vorsichtig mit dem Geld unserer Aktionäre um.

Was würden Sie in Stansted ändern?
Die Kosten senken. Die Wege für die Passagiere verkürzen, den Flughafen vereinfachen - so ähnlich wie in Frankfurt-Hahn. Fliegen könnte, vor allem auf der Kurzstrecke, so einfach sein. Aber wir nehmen den Passagieren während des Fluges ihre Koffer ab. Das machen Bahngesellschaften nicht. Busse auch nicht. Da müssen sich die Passagiere selbst kümmern. Wir könnten die Abteilung loswerden, die sich um verlorenes Gepäck kümmert, zudem die ganzen Transportbänder, und auch die Flugzeugzugangsbrücken - man kann ja über Treppen ins Flugzeug rein und raus. Flughäfen sollten so sein wie Aldi und Lidl, sich auf das Wesentliche konzentrieren.

O'Leary über seinen möglichen Rücktritt
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  • Ich finde, dass so ein Angebot wie Ryanair durchaus seinen Reiz auf einer Kurzstrecke hat. die Regionalbahnen haben auch kein Bordbistro und keiner beschwert sich. Die Preise sind fair und unsicher kam mir das Fliegen mit dieser airline bisher auch nicht vor. Klar die Toilettennutzung gegen Gebühr ist eine Frechheit, daran gibts einfach nicht Positives. aber auf meinen kostenlosen Kaffee (der im Flugpreis bei anderen Airlines einkalkuliert ist) und meinen Schokoriegel kann ich bei 2 Stunden Flug locker verzichten. Bei einer Langstrecke würde ich jedoch auch auf andere Airlines zurückgreifen, da legt man natürlich Wert auf Comfort, Service und andere Dinge

  • Ich traue dieser Airline nicht von Mittags bis um 12. Der Ryan Air Chef hat doch auch etwas verpasst. Bei Lufthansa und British Airways weiß ich, was ich bekomme und was ich an Sicherheit erwarten kann.

  • Habe schon über Flüge mit Ryanair durch. Der teuerste war incl. Kreditkartengeb, Steuern usw. 36,00 Euro. Man muss halt lesen können, was auf der Homepage steht!!! Flexibel beim Buchen und wer nicht immer gleich von A nach B will...sollte es mal über C versuchen. Ja und wieviel Menschen hätten keine Arbeit ohne Ryanair...Hotels, Supermärkte, Regionen... Millionen schneiden sich vom Kuchen was ab. ... ja und die Flieger sind auch immer voll!!! Die Bahn verkauft ihre Tickets bei Lidl also kann ein Flughafen auch wie ein Lidl sein. Brauche kein Getränk und Snack für 2 Stunden Flug. Ahh und für den Excalibur... Du Birne... Ryanair fliegt nicht über den Atlantik :-)

  • Tja wer immer noch glaubt das RyanAir billig ist, dem gebe ich jetzt mal ein Bespiel. Ich flige mit 3 Freunden
    zum WM-Qualispiel nach Irland im Obtober. Zum Zeitpunkt meiner Buchung hätte ich bei Ryanair, inklusive aller Kosten ( Koffer, Kartengebühr)vom Flughafen Hahn 190 EUR bezahlt. Fliegen mit Lufthansa ab Frankfurt Main ( Strecke ist von mir aus fast identisch) kostet 200 EUR. Also zahle ich ganze 5 EUR pro Strecke mehr, habe dafür aber einen Snack, zweimal Getränke und Zeitung. Glaube nicht, dass ich bei Ryanair für dass gleiche 5 EURO zaheln würde. Vom entspannteren Sitzen mal ganz abgesehen.

  • .....und O´Leary sollte seine fliegenden Dosen so betanken, dass sie nicht Notlandungen wegen mangelnden Sprit beantragen müssen, ansonsten fliegt man dann doch besser mit einem Einkaufswagen von Aldi oder Lidl.
    http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2012-08/ryanair-treibstoffpolitik-notlandung

  • Die Idee mit der direkten Kofferausgabe finde ich toll.

    Denn ich empfinde es als völligen Schwachsinn, bei der Kofferausgabe bis zu 30 Minuten auf das Rollband zu starren.

    Man könnte die Koffer vor dem Einlagern vorsortieren und dann den Fluggästen direkt nach den Ausstieg die Koffer zur Mitnahme bereit stellen. Dann kann jeder seinen Koffer schnell finden, ab in den Shuttlebus und braucht nicht weitere 30-60 Minuten am Flughafen zu verbringen, bis der Koffer den ganzen Flughafen durchlaufen hat.

    Ausserdem sind diese sogenannten "Duty-Free Shops" völliger Schwachsinn. Dort kosten die Zigaretten mehr als bei einem beliebigen Discounter. Bei Parfüm und Accessoires ist es ähnlich - kriegt man bei Douglas deutlich günstiger und hat zudem eine größere Auswahl. Deswegen ist es absolut unnötig, dass man als Fluggast gefühlte 10 km an Läden vorbei laufen muss, bis der Flughafenausgang endlich erreicht ist!

    Mit der heutigen Flughafeninfrastruktur verschenkt jeder Fluggast bei jedem Flug sinnlos 2-3 Stunden seines Lebens (beim Abflug mind. 1 Stunde und bei der Ankunft mind. 1 Stunde)!
    Das muss nicht sein.

  • @Excalibur:
    Wein predigen und Wasser trinken...später wieder heimlich in den kostengünstigen Ryanairflieger...oder neidisch auf die anderen schauen, die im Leistungeinkauf ihre Gewinne ernten...

  • O'Leary ist nicht dumm, Kosteneinsparungen und bezahlbare Extras, die nichts mit dem Flug an sich zu tun haben, sind ziemlich schlau. Vor allem weil die Extras über den günstigen Netto-Flugpris hinwegtäuschen. So blendet man den anspruchslosen Rabatt-Flieger und bringt ihn dazu mit Ryan-Air zu fliegen. Allerdings kann der Schuss "Kostensenkung" auch irgendwann nach hinten losgehen, weil die Kunden auf einmal nach Service verlangen udn dafür bereit sind zu zahlen. Billigfliegen könnte "out" werden?
    Bio-Essen wird schließlich auch gekauft, auch wenns teurer ist.

    Wer sparen will, zahlt meistens drauf. Ich gebe gern mehr Geld fürs Fliegen aus, wenn ich weiß, ich kann gratis pinkeln, habe neutrale Kaffeebecher ohne Werbung, bekomme mein mitbezahltes Sandwich und kann man meine Beine auch ausstrecken. Und ich finanziere mit Lufthansa deutsche Arbeitsplätze und ein schöner, heller Flughafen, der zentral in Stadtnähe liegt, hat auch was ;)

    Es soll jeder selbst entscheiden mit welcher Airline er fliegt, manche sollten nur ein bisschen mehr nachdenken.

  • Hallo Mr. OReally, also wirklich, bevor ich Ryanair fliege, schwimme ich lieber über den Atlantik oder bleibe zu Hause. Leben besteht nicht nur "Einsparungpotentialen". Wozu das führt, merkt man ja, wenn man z.B. in Italien, Frankreich alle 5 Minuten irgendwo an einer Zahlstelle steht o. in Deutschland fürs Pinkeln irgendwelche schwachsinnigen Gutscheine erhält, die man aber gerade nicht einlösen will, ein Leben zwischen Zahlschranken und Bonusheften, na toll!!!!!. Da halt ich es mit "Oh_Oh_Leary", nur mit dem Unterschied, dass ich bei Ryanair nicht nur auf den Boden pinkeln würde, sondern noch etwas nettes, "gutriechendes" auf dem Sitz hinterlassen würde. Echt widerlich, dieser nervige Schlaumaier, wahrscheinlich läßt er zu Hause seine Gäste erstmal Eintritt zahlen und dann auch für Fußboden-, Stuhlbenutzung usw. zahlen. Hoffentlich verschwindet dieser Typ samt seiner Proleten-Airline bald vom Markt.

  • Ein Ziel wird mit solchen Leuten oftmals erreicht. Der Markt wird auf der Kostenseite immer unter Wind gehalten. Das sichert Arbeitsplätze...

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