Ryanair hebt ab
O'Leary's Service-Offensive zahlt sich aus

Mit mehr Service kann umstrittene Ryanair-Chef Michael O'Leary die Zahl seiner Passagiere und auch den Gewinn kräftig steigern. Doch die Jahreszahlen zeigen auch, dass die Bewährungsprobe noch bevorsteht. Eine Analyse.
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FrankfurtAm 8.Juli 1985 startete Ryanair seinen Betrieb. Und was die Airline in den zurückliegenden 30 Jahren auf die Beine gestellt hat, verdient Respekt. Sie hat nicht nur das Konzept der Billig-Airlines in Europa populär gemacht – freilich zu Lasten der etablierten Fluggesellschaften wie Lufthansa, Air France-KLM und IAG (British Airways und Iberia). Ryanair-Chef Michael O'Leary hat auch bewiesen, dass er bereit ist, das eigene Geschäft anzupassen und sich neu zu erfinden. Vor allem das belegen die am Dienstag vorgelegten Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr.

Was O'Leary seinen Investoren präsentiert, kann sich sehen lassen. Der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf 5,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis nach Steuern schnellte gar um 66 Prozent auf 867 Millionen Euro in die Höhe. Die Ergebnismarge verbesserte sich damit von gut zehn auf eindrucksvolle 15 Prozent. Dabei gelten in der hart umkämpften Luftfahrtbranche schon Werte um die acht Prozent als gut.

Doch wirklich eindrucksvoll sind erst die etwas versteckten Details der aktuellen Bilanz. Da ist zunächst das stramme Passagierwachstum von elf Prozent. Zwar wächst die Airline seit Jahren, aber das Plus ist sehr deutlich, selbst für Ryanair-Verhältnisse. Das kann nur eines bedeuten. Dem Management um Firmengründer O‘Leary gelingt es überraschend gut, mit neuen Services neue Kunden anzusprechen.

Nach deftiger Kritik am eher „robusten“ Umgang mit seinen Passagieren hat der für seine frechen Sprüche und teilweise auch Beschimpfungen der Fluggäste bekannte Ryanair-Chef umgesteuert. Seit einem Jahr umwirbt er etwa mit Sitzplatzreservierungen, speziellen Angeboten für Geschäftskunden und dem Ausbau der Präsenz an Top-Flughäfen um ganz neue Kundenschichten. Offensichtlich mit Erfolg: Über die Hälfte des Passagierzuwachses stammt nach Ryanair-Berechnungen aus dieser Ecke.

Doch mit neuen Services Kunden umwerben ist per se noch keine grandiose Leistung. Schwierig wird es, das zu schaffen, ohne den Profit zu schmälern. Top-Flughäfen etwa rufen deutlich höhere Gebühren auf als die typischerweise von Ryanair angeflogenen kleineren Airports, die froh um jede Fluggesellschaft sind und diesen entsprechend entgegenkommen.

Ryanair ist es im abgelaufenen Geschäftsjahr gelungen, die Serviceoffensive zu starten und den Gewinn sogar noch zu steigern. Dabei darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass der niedrige Treibstoffpreis geholfen hat. Obwohl die Airline deutlich mehr geflogen ist, blieben die Treibstoffausgaben mit rund zwei Milliarden nahezu stabil. Dagegen sind die Aufwendungen für Flughafengebühren deutlich um 15,5 Prozent gestiegen, der Preis für den Strategieschwenk.

O'Leary will nun die zweite Stufe der Service-Offensive starten. Das ist richtig so. Doch die größte Herausforderung wartet noch auf den Airline-Manager. Er muss beweisen, dass seine neue Strategie auch nachhaltig profitabel ist, wenn es mal keinen Rückenwind mehr durch niedrige Ölpreise gibt. Das erwarten die Investoren von ihm – nach den jüngsten Jahreszahlen mehr denn je.

    

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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