Ryanair im Höhenflug
Die irische Geldmaschine

Ryanair glänzt mit starken Zahlen und kontert das Passagierplus der Lufthansa locker. Das günstige Kerosin lässt Europas größten Billigflieger in neue Höhen schweben – und heizt den Preiskrieg am Himmel weiter an.
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LondonWolke Sieben sieht anders aus: Wenn Neil Sorahan aus dem Fernster blickt, schaut er an diesem Montag in einen wolkenvergangenen Himmel. Zur Vorlage der Quartalszahlen hat sich der leger gekleidete Finanzchef des irischen Billigfliegers Ryanair im 13. Stockwerk eines Büroturms im Londoner Finanzdistrikt eingemietet. Die bodenlangen Fenster bieten einen direkten Blick auf die grauen Wolken, die an diesem Vormittag über die britische Hauptstadt hinwegziehen.

Doch Sorahans Laune kann das nicht nachhaltig trüben. Es ist eine Heiterkeit, für die es einen triftigen Grund gibt. Denn die Ziffern, die der grauhaarige Manager den anwesenden Journalisten und Analysten präsentiert, stehen im krassen Kontrast zu der ungemütlichen Witterung dort draußen.

Hoch, höher, Ryanair: Nach einem starken Sommergeschäft blicken die Iren trotz Umsatzeinbrüchen wegen der Anschläge in Ägypten und in Paris weiter zuversichtlich nach vorne. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März soll der Überschuss dennoch das obere Ende der Spanne von 1,175 bis 1,225 Milliarden Euro erreichen, wie Sorahan in London bekräftigte. Zugleich soll ein neues Aktienrückkaufprogramm über 800 Millionen Euro die Investoren locken. Für das Geschäftsjahr bis Ende März rechnet Ryanair nun mit noch mehr Fluggästen als zuletzt – und mit noch stärker fallenden Ticketpreisen.

Denn die Iren forcieren den Preiskampf am Himmel von Europa weiter. Im dritten Quartal seien die Ticketpreise bereits um ein Prozent auf durchschnittlich 40 Euro gefallen, betonte der Ryanair-Finanzchef. Und es soll noch billiger werden: Er rechne damit, dass die Flugtickets von Januar bis März im Schnitt nunmehr um sechs Prozent günstiger würden, sagte Sorahan.

Ryanair dreht damit die Preisschraube noch tiefer als bisher geplant: Zuvor hatten die Iren bereits einen Preisrückgang von vier Prozent in Aussicht gestellt. Die Analysten von Bank of America Merrill Lynch warnten bereits in einer Studie, der europäische Luftverkehrssektor stehe vor einer neuen Ära der Preiskriege. Doch tiefe Spuren in den Geschäftszahlen der Iren hinterlässt der Verfall der Ticketpreise nicht – was vor allem dem billigen Öl zu verdanken ist.

Allein im wichtigen Herbstquartal bis Ende Dezember sprang der Nettogewinn von Europas größte Billigflug-Airline auf 102,7 Millionen Euro – das war mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Konzernumsatz kletterte um 17 Prozent auf 1,33 Milliarden Euro.

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