Billigflieger Ryanair mischt das Rennen nach Mallorca auf

Ryanair baut nach der Pleite von Air Berlin die Verbindungen nach Mallorca aus. Dabei stöhnt die Insel schon heute über die Touristenschwemme.
Update: 26.02.2018 - 11:38 Uhr 1 Kommentar
Billigflieger: Ryanair fliegt jetzt von Düsseldorf nach Mallorca Quelle: dpa
Ryanair-Flugzeuge

Der Billigflieger stärkt sein Flug-Angebot in Deutschland.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs ist kalt in Deutschland, bitterkalt. Da hilft es, sich gedanklich mit dem kommenden Sommerurlaub zu befassen. Wie wäre es etwa mit Mallorca? Die Balearen-Insel boomt. Wie die Geier stürzen sich die Airlines nach dem Aus des Mallorca-Shuttles (Air Berlin) auf das beliebte Urlaubsziel der Deutschen. 

Am Montag kündigte auch der irische Billigheimer Ryanair neue Verbindungen dorthin an. Erstmals soll es im Sommer von Berlin-Tegel, Düsseldorf, Nürnberg und Stuttgart nach Palma de Mallorca gehen. Gleichzeitig soll die Flugfrequenz in Dortmund und Köln erhöht werden – von dort steuert Ryanair schon länger „Malle“ an.

Ryanair  kommt mit seiner Ankündigung relativ spät. Nach der Air-Berlin-Insolvenz haben zahlreiche deutsche und europäische Fluggesellschaften ihr Mallorca-Engagement in den zurückliegenden Monaten deutlich ausgebaut. Der Reisekonzern Thomas Cook, zu dem Condor gehört, baut auf Mallorca gerade eine eigene Airline auf, die Thomas Cook Airlines Balearics. Mit den Cook-Airlines fliegen alleine rund eine Million Feriengäste nach „Malle“. Künftig sollen es noch mehr werden.

Auch die Lufthansa-Tochter Eurowings hat das Angebot nach Mallorca massiv ausgebaut. So werden etwa in Düsseldorf oder Paderborn zusätzliche Verbindungen angeboten. Die Muttergesellschaft Lufthansa wiederum hat die Zahl der Flüge in Richtung Baleareninsel an ihrem Drehkreuz Frankfurt auf 20 in der Woche aufgestockt. Germania wiederum will Mallorca ab Nürnberg künftig sogar ganzjährig anfliegen. Die Airline hatte im Sommer vergangenen Jahres eine eigene Basis auf der Baleareninsel errichtet. 

Der Run auf die Ferieninsel dürfte an der Preisfront für Entspannung sorgen. Nach dem Aus von Air Berlin hatte es vorübergehend einen Engpass bei den Kapazitäten gegeben. Teilweise mussten für Tickets nach Mallorca bis zu 40 Prozent mehr als bisher gezahlt werden. Air Berlin zählte zu den größten Airlines auf Mallorca.

Der rot-weiße Mallorca-Shuttle beförderte rund  sieben Millionen Passagiere jährlich dorthin. Zwar hatte Air Berlin die Ferienflüge noch einige Monate vor der Insolvenz  an die Tochtergesellschaft Niki gegeben. Doch nachdem auch diese Ende vergangenen Jahres insolvent gegangen war, fehlte es an Sitzplätzen.

Mittlerweile dürfte diese Lücke aber  wieder mehr als geschlossen sein.  Zumal auch Laudamotion, die Nachfolgergesellschaft der vom Ex-Rennfahrer Niki Lauda übernommenen Niki-Reste, Mallorca wieder in ihren Flugplan aufgenommen hat – buchbar etwa über Condor.

Welche Airlines es mit Ryanair aufnehmen könnten
Platz 10: Flybe
1 von 10

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt informiert im „Low Cost Monitor“ zweimal jährlich über die aktuellen Entwicklungen im Billig-Segment der Flugbranche. Das ist insofern wichtig, als die Billigflieger inzwischen monatlich Hunderttausende, manche sogar eine siebenstellige Anzahl an Passagieren befördern. So bot die britische Fluggesellschaft Flybe allein im vergangenen Juli 315.113 Sitze an. Im Vergleich mit den sonstigen Angeboten in Europa reicht das aber gerade so für Rang 10.

Quelle: DLR Low Cost Monitor 2/2017

Platz 9: Aer Lingus
2 von 10

Die Airline mit dem Kleeblatt ist die nationale Fluglinie Irlands und ist heute eine Tochtergesellschaft der International Airlines Group. Die Geschichte der Air Lingus reicht zurück bis ins Jahr 1936. Damals nahmen die irischen Unternehmer Sean O'Madhaigh und Thomas J. Flynn rund 100.000 Pfund Sterling in die Hand und gründete die „Aer Lingus Teoranta“. Der Flugbetrieb wurde mit einer de Havilland Dragon aufgenommen, die Platz für sechs Personen bot. 81 Jahre später stellen die Iren innerhalb eines Monats ein Sitzplatzkontingent von 328.946.

Platz 8: Jet2
3 von 10

Erst seit 2003 sind Flieger der britischen Jet2 im Luftverkehr zu erspähen. Flugziele der Airline sind außerhalb der britischen Insel hauptsächlich Urlaubsdestinationen im Mittelmeer sowie einige europäische Städte. In Deutschland werden die Düsseldorf, München und Berlin angeflogen. Im Juli 2017 konnte die junge Airline ein Kontingent von 345.414 Sitze anbieten.

Platz 7: Transavia/Transavia France
4 von 10

Die Transavia ist ein Billigflieger, der 1966 von einem Belgier und einem Schotten in den Niederlanden gegründet wurde. Die KLM Royal Dutch Airlines erwarb 1991 rund 80 Prozent der Anteile an der Fluglinie. Zwölf Jahre später erfolgte die vollständige Übernahme. Nur ein Jahr später kam dann allerdings der Zusammenschluss von KLM und Air France, weshalb Transavia heute eine Tochtergesellschaft der Air France-KLM ist. Im Jahr 2007 wurde mit der Transavia France eine weitere Tochter gegründet, die sich vom niederländischen Flieger aufgrund derselben Bemalung kaum unterscheiden lässt. Zusammengenommen kommen die beiden Töchter im vergangenen Juli auf 359.149 Sitze.

Platz 6: Wizz Air
5 von 10

Die einzige osteuropäische Fluglinie in diesem Ranking hat ihren Sitz in Ungarn. Erst seit 2004 unterwegs, ist der Billigflieger mit derzeit 28 Basen die bedeutendste Billigfluggesellschaft in Mittel- und Osteuropa. Das gesetzte Ziel, wie Ryan vor allem Flughäfen in der Nähe von europäischen Großstädten anzufliegen, ging voll auf. Im Juli 2017 lag die Kapazität bei 661.080 Passagieren.

Platz 5: Eurowings/Germanwings
6 von 10

Im Jahr 1993 entstand die „Eurowings Luftverkehrs AG“ ursprünglich aus dem Zusammenschluss der Nürnberger Flugdienst (NFD) und der Reise- und Industrieflug (RFG). Der Dortmunder Unternehmer Albrecht Knauf hielt zunächst 98,2 Prozent der Anteile. Im Frühjahr 2001 stieg die Lufthansa zunächst mit einem Anteil von 24,9 Prozent ein. Zehn Jahre später erfolgte die komplette Übernahme. Seit 2002 firmiert ein Billigflieger der damaligen Eurowings AG unter dem Namen Germanwings. Dieser wurde schon 2009 vollständig an die Kranich-Airline verkauft. Heute sind die beiden Wings-Flieger weiter eng miteinander verknüpft und kamen im vergangenen Juli zusammen 662.473 Sitzplätze.

Platz 4: Norwegian Air
7 von 10

Auch in Skandinavien findet sich mit der Norwegian ein erfolgreicher Billigflieger. Im Jahr 1993 als norwegischer Regionalflieger gestartet, wurde die Gesellschaft neun Jahre später auf das Billigflug-Konzept umstrukturiert und hat seither das europäische Geschäft kontinuierlich ausgebaut. Vor drei Jahren wurde in Irland die Tochtergesellschaft Norwegian Air International gegründet. Durch die Standortwahl bekam die Linie Verkehrsrechte der EU, wodurch man Zugriff auf das Open-Skies-Abkommen erhielt, was wiederum die Durchführung von Flügen in die USA ermöglicht. Der Schritt war auch aufgrund eines Rekrutierungsbüros in Singapur, um thailändisches Bordpersonal anzuwerben, nicht unumstritten. Das Konzept der Norweger geht dennoch auf: Im Juli konnten sie ein Kontingent von 775.828 Sitzplätzen stellen.

Der Malle-Boom bei den Airlines dürfte allerdings nicht jeden freuen. In der heimischen Bevölkerung des spanischen Feriendomizils wächst die Kritik am Massentourismus. Erstmals gingen dort im vergangenen Jahr zahlreiche Bürger auf die Straße, um gegen die Urlauber-Schwemme zu protestieren.

Das Stichwort lautet „Overtourism“ und sorgt nicht nur auf den Balearen für Diskussionen. Ein wesentlicher Kritikpunkt: Für die Einheimischen wird der Wohnraum immer knapper beziehungsweise unbezahlbar, weil alles sofort in Ferienwohnungen umgewidmet wird  Maßnahmen wie etwa eine Tourismussteuer, wie sie auch auf Mallorca eingeführt wurde, haben den Run  bisher nicht stoppen können. Die massiv aufgestockten Flugpläne der Airlines deuten nun darauf hin, dass sich daran zumindest kurzfristig kaum etwas ändern dürfte. 

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

1 Kommentar zu "Ryanair: Offensive der Billigflieger auf Mallorca"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr gut, dann wird es zum Ballermann wieder billiger....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%