Ryanair streicht Flüge Wann Ihnen eine Entschädigung zusteht

Rund 2000 Flüge sollen bis Oktober gestrichen werden: Nach den wilden Streiks bei Air Berlin sorgt nun Konkurrent Ryanair für Ärger bei den Passagieren. Welche Flüge betroffen sind – und wie Sie an Ihr Geld kommen.
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Erst Air Berlin, jetzt Ryanair: Flugreisende haben es im Moment nicht leicht. Quelle: dpa
Flughafen Frankfurt

Erst Air Berlin, jetzt Ryanair: Flugreisende haben es im Moment nicht leicht.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSie gehören inzwischen zum Flughafeninventar wie Buchläden oder Duty-free-Shops: genervte Reisende, die nicht wissen, wann sie ihr Ziel erreichen. Nach dem Chaos, das Hunderte plötzlich krankgemeldete Piloten in der vergangenen Woche bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin verursacht haben, streicht nun auch noch der Billigflieger-Konkurrent Ryanair bis zu 50 Flüge pro Tag. Bis Ende Oktober sollen 2000 Verbindungen ausfallen – offiziell, weil das Unternehmen den Urlaub seiner Piloten nicht richtig geplant hat.

Ryanair-Chef Michael O’Leary rechnet derzeit mit Ausgleichsansprüchen von bis zu 20 Millionen Euro, die Kunden geltend machen können. Das Fluggastrechte-Portal Refund.me, das Entschädigungen für geprellte Reisende erstreitet, prognostiziert sogar 30 Millionen Euro – allein für die nächsten zwei Wochen. Die EU-Kommission will prüfen, ob Ryanair mit den Streichungen gegen Fluggastrechte verstoßen hat. Das Unternehmen ist verpflichtet, nicht nur für einen passenden Ersatzflug zu sorgen, sondern im Fall einer kurzfristigen Annullierung auch eine Entschädigungszahlung zu leisten.

Ob sie von den Tausenden Streichungen betroffen sind, können Ryanair-Kunden auf der Webseite des Unternehmens prüfen. Dort sind ausfallende Flüge im Zeitraum vom 19. September bis zum 22. Oktober aufgeführt. Stimmt die eigene Flugnummer mit einer angegebenen überein, können Reisende sich den vollen Ticketpreises zurückerstatten lassen oder kostenlos einen anderen verfügbaren Flug buchen.

Je weniger Zeit bis zum gebuchten Abflug bleibt, desto weniger Spielraum hat die Airline: Werden Kunden weniger als sieben Tage vorher unterrichtet, darf der Ersatzflug nicht mehr als eine Stunde früher abgehen und nicht mehr als zwei Stunden später ankommen als die ursprünglich gebuchte Verbindung.

Klappt das nicht, steht Passagieren laut der Europäischen Fluggastrechteverordnung neben einer vollen Erstattung oder kostenlosen Umbuchung auch ein Recht auf Entschädigung zu. Bis zu 600 Euro gibt es, sofern keine besonderen Umstände vorliegen. Bei unter 1500 Kilometern Reiselänge sind es immerhin noch 250 Euro, bei längeren Flügen innerhalb der EU 400 Euro. Mindestens muss Ryanair aber 125 Euro bezahlen.

Denn der Grund für die Ausfälle ist kein „außergewöhnlicher Umstand“, der Ryanair aus der Entschädigungspflicht entlassen würde, wie etwa Streiks, schlechtes Wetter oder eine Flughafensperrung. Airline-Chef O’Leary räumte sogar selbst ein, dass das „Schlamassel“ hausgemacht sei: „Dieses Chaos ist auf unser eigenes Handeln zurückzuführen.“ Er rechne damit, dass die Streichungen dem Ruf des Unternehmens schaden. Vielleicht stimmen die zu erwartenden Entschädigungen die enttäuschten Urlauber ja etwas milder.

Diese Billigflieger erobern Europa
Platz 15: Volotea
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Der Markt für Billigflieger wächst – in Deutschland wie auch in Europa. Zudem sind die Airlines auf Konsolidierungskurs, kleine Linien verschwinden zunehmend, die Branchengrößen wachsen teils deutlich.. Auf Platz 15 der größten Low-Cost-Fluggesellschaften liegt Volotea. Im Januar 2017 verzeichneten die Spanier 228 Starts, auf 82 Strecken verfügten sie über 28.474 Sitze.

Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt; Ranking auf Grundlage der Starts im Januar 2017

Platz 14: Jet2.com
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Eine Billig-Fluggesellschaft mit Tradition: Die Briten mit Sitz in Leeds gingen 2002 aus der 1978 gegründeten Channel Express hervor. 2014 wurde das Portfolio um Langstreckenflüge nach Nordamerika erweitert. Im Januar flog Jet2.com 142 Strecken an, bei 57.198 Sitzen und 330 Starts.

Platz 13: Pobeda
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Der Billigflieger, eine hundertprozentige Tochter der größten russischen Airline Aeroflot, nahm erst im Dezember 2014 seinen Dienst auf. Seit 2016 werden in Deutschland Köln/Bonn und Memmingen angeflogen. Pobeda bedeutet auf Deutsch schlicht „Sieg“ – von diesem ist die Airline im Ranking aber ein gutes Stück entfernt. Im Januar 2017 startete Pobeda 370 Mal, auf 61 geflogenen Strecken boten die Russen 69.930 Plätze an.

Platz 12: Blue Air
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542 Starts, 86.995 Plätze, 131 Strecken: Das sind die Daten des rumänischen Billig- und Charterfliegers Blue Air mit Sitz in Bukarest. Die 2004 gegründete Airline legt besonders großen Stellenwert auf die Inlandsverbindungen, bei ihrer Gründung wurde sie bewusst als Alternative zu den schlechten Straßen- und Eisenbahnverbindungen Rumäniens konzipiert.

Platz 11: Air Baltic
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Air Baltic hat bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich – bei ihrem Start 1995 verfügte die Billigfluggesellschaft über genau eine einzige Maschine, eine Saab 340. Nach einem aufsehenerregenden Kleinkrieg mit der Regierung musste die Airline 2011 schließlich Insolvenz anmelden und wurde verstaatlicht. Im Januar 2017 starteten Air-Baltic-Maschinen 737 Mal, flogen 85 Strecken und boten 67.766 Sitze an.

Platz 10: Transavia
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Als Transavia Limburg, später Transavia Holland 1965 gegründet, sind die Niederländer mit Sitz in Haarlemmermeer heute eine Tochter von Air France. Die Billig-Airline unterhält noch bis Oktober einen Stützpunkt auf dem Flughafen München. Im Januar wurden von Transavia bei 897 Starts mit 161.373 Sitzen insgesamt 211 Strecken geflogen.

Platz 9: Aer Lingus
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Die nationale Fluggesellschaft Irlands wurde 1936 noch als Aer Lingus Teoranta gegründet, seit September 2015 ist sie eine Tochter der International Airlines Group (IAG), eine Holding mit Sitz in Madrid. Im Januar starteten die Iren 1412 Mal, bedienten 138 Strecken und verfügten über 179.881 Sitze.

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