Ryanair übernimmt Aer Lingus
Analysten rätseln über O’Learys Motive

Michael O’Leary gibt der Luftfahrtbranche Rätsel auf. Nur wenige Analysten sind der Ansicht, dass der Ryanair-Chef mit dem Griff nach Aer Lingus einen brillanten Schachzug gemacht hat. Die strategische Logik, Europas führenden Billigflieger mit einer – wenn auch sehr profitablen – nationalen Fluggesellschaft unter ein Dach zu bringen, bleibt umstritten.

LONDON / FRANFURT. Zugleich verfestigte sich der Widerstand der irischen Regierung und der Gewerkschaften gegen die Vereinigung der beiden irischen Fluggesellschaften. O’Leary hatte den Märkten am Donnerstag morgen mit einem Übernahmeangebot für Aer Lingus einen Schock versetzt. Das frühere Staatsunternehmen war erst am Montag an die Börse gegangen. Den Emissionspreis hatte die Regierung mit 2,20 Euro relativ niedrig gehalten, um langfristig orientierte Aktionäre an Bord zu holen. Sie selbst hat 28 Prozent behalten, die Angestellten halten rund 15 Prozent.

Ryanair nutzte die Gelegenheit, um im Graumarkthandel und an der Börse knapp 20 Prozent zu kaufen – offenbar zu Kursen deutlich unter dem gebotenen Übernahmepreis von 2,80 Euro je Aktie. Am Freitag stieg der Aer-Linugs-Kurs bis auf 2,98 Euro. Ryanair wird nun Analysten zufolge die Offerte auf über drei Euro erhöhen müssen, um die angestrebte Mehrheit zu gewinnen.

Ryanairs Angriff auf den bisher erbittert bekämpften Konkurrenten ist eine radikale strategische Kehrtwende. O’Leary hatte immer die Devise ausgegeben, Ryanair wolle aus eigener Kraft wachsen. Die Übernahme des Konkurrenten Buzz vor drei Jahren hatte er als Sonderfall bezeichnet. Ein Engagement auf der Langstrecke hatte er ausgeschlossen, weil die Billigfluggesellschaften hier ihre Kostenvorteile nicht ausspielen könnten.

Aer Lingus soll unter dem Ryanair-Dach weiter als eigene Marke Langstreckenflüge anbieten. Analysten kritisieren, angesichts des hohen Wachstumspotenzials für Ryanair sei die Übernahme unnötig. Medienberichten zufolge musste sich O’Leary denn auch auf einer Investorenkonferenz harsche Kritik von US-Anlegern anhören. „Ich würde mich nicht wundern, wenn der Deal deshalb zusammenbricht“, sagte Mike Powell, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Eine Reihe von Analysten stuften ihre Empfehlungen herab, darunter HSBC und ABN Amro. Die Citigroup befürchtet eine Ablenkung des Managements bei geringen Synergien, Merrill Lynch sieht eine deutliche Verschlechterung des Risikoprofils, und Morgan Stanley „kann die Logik nicht erkennen“. Auch Jürgen Metzler vom Bankhaus Pieper sieht keine großen Synergien. Immerhin schaffe sich Ryanair den Hauptkonkurrenten auf dem Heimatmarkt vom Hals.

Seite 1:

Analysten rätseln über O’Learys Motive

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%