Ryanair und die Champions League
Der Nicht-so-billig-Flieger

Günstig mit dem irischen Billigflieger zum Champions-League-Viertelfinale nach Malaga? Dachten sich am Mittwoch viele Dortmund-Fans. Doch das vermeintliche Schnäppchen entpuppte sich als Luftnummer.
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DüsseldorfRyanair-Chef Michael O’Leary versteht es, sich zu inszenieren. Bei Presseterminen ist O’Leary der Spaßmacher vom Dienst. Um die Fotografen glücklich zu machen, schmeißt sich der Ire auch mal aufs Treppengeländer und mimt ein Flugzeug. Die schreibende Zunft verzückt der knallharte Manager gleichermaßen mit flotten Sprüchen und derben Zitaten.

Seinen Stil hat O’Leary auch seiner Fluggesellschaft verschrieben: Ryanair versteht es, sich mit markigen Aktionen zu verkaufen. Öffentlichkeitswirksame Angebote wie 100.000 Flüge zu je 12,99 Euro – ohne Steuern und Gebühren versteht sich – sind keine Seltenheit. Europas größter Billigflieger will weiter wachsen, die Sitze müssen gefüllt werden.

Doch so wie O’Leary manchmal bei seinen Sprüchen daneben greift, entpuppt sich auch manches vermeintliches Schnäppchen der Airline als Luftnummer. Das mussten jetzt auch die Fans von Borussia Dortmund feststellen. Am 3. April tritt der Deutsche Fußballmeister im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals beim spanischen Klub FC Malaga an. Tausende Anhänger werden nach Andalusien aufbrechen.

Die Flüge waren rar und schnell ausgebucht. Kaum eine Fluggesellschaft hat einen Direktflug aus dem Westen Deutschlands nach Malaga im Programm. Umso mehr freuten sich am Mittwochnachmittag die Dortmund-Fans, dass Ryanair verkündete: „Borussia Dortmund Fans fliegen mit Ryanair günstig zum Champions League Viertelfinale“.

Doch beim Blick auf die Buchungs-Webseite folgte die Ernüchterung auf dem Fuße. Ganze 287,97 Euro sollte der Spaß kosten. Mittwoch um 10.20 Uhr von Weeze am Niederrhein hin, Donnerstag um 13.10 Uhr von Malaga zurück. Wahrlich kein Schnäppchen des Billigfliegers. Ryanair biete die niedrigsten Preise auf der Verbindung und sei auf der Strecke 30 Prozent günstiger als der niederländische Konkurrent Transavia, teilte Kommunikationschef Robin Kiely auf Anfrage von Handelsblatt Online mit.

Nur blöd, dass die Fluggesellschaft Transavia am besagten 3. April keinen Flug von Weeze nach Malaga mehr anbietet. Zudem versteckten sich hinter den groß angekündigten „zusätzlichen Flügen“ von Ryanair exakt zwei. Neben dem Weeze-Flieger geht ein weiterer direkt aus Dortmund. Diese Verbindung ist nicht einmal unter 300 Euro zu haben. So wurden zwei Zusatzmaschinen als Ticket-Schnäppchen verkauft, das sie nicht sind.

Flugreisende sollten bei Ryanairs Preisen ohnehin genau hinschauen. Am Mittwoch erst wurde der Billigflieger in den Niederlanden wegen unklarer Preisangaben bei Online-Buchungen mit einer Strafe in Höhe von 370.000 Euro belegt. Im Netz angebotene Flugpreise hätten nicht alle absehbaren und unvermeidlichen Kosten wie Gebühren und Zuschläge enthalten, so die Verbraucherschutzbehörde. Letztendlich sei der Flugpreis oft höher gewesen, als gedacht. Ryanair will in Berufung gehen.

Günstiger als mit den Iren kommen Dortmund-Fans in diesem Fall aber in der Tat nicht mehr nach Malaga. Vom Flughafen Düsseldorf geht noch ein Flug mit Air Berlin: für mehr als 550 Euro hin und zurück.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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  • Ryanair verfolgt (wie andere Firmen auch) eine Preispolitik, die sich am Nutzerverhalten orientiert. Die Flüge werden zu hohen Preisen eingestellt, um das Geld der Ängstlichen abzuschöpfen, die lieber mehr bezahlen, um den Flug sicher zu haben. Wenige Monate vor dem Flugtermin werden die Preise dort gesenkt, wo viele Plätze frei sind. Steigt die Auslastung, steigen auch die Preise. Sofern ein Flug nicht sehr schwach gebucht ist, steigt der Preis so knapp vor Abflug stark an. So l äuft das Geschäftsmodell von Ryanair - und es läuft offensichtlich gut. Werbeaussagen sollte man keinen Glauben schenken.

  • Grad noch mal gescheckt.Also es ist schon so,die günstigen Preise bei der Strecke gibt es Di u.Do.Wäre Dortmund erst im Rückspiel auf Malaga in Malaga getroffen, hätten die Fans Di. hin und Do. zurückfliegen können.Also es wäre möglich gewesen,offensichtlich hatte sich der Chef von Ryanair nicht richtig informiert.

  • Das hängt mit der 14 Tage Vorbuchung zusammen und ist im System so eingegeben.Ansonsten ist es möglich.Der Termin war zu früh,hätte Dortmund erst im Rückspiel in Malaga gespielt wäre es möglich gewesen.

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