Ryanair und die Langstrecke: Irisches Kommunikationsdesaster

Ryanair und die Langstrecke
Irisches Kommunikationsdesaster

Ryanair hat ambitionierte Pläne für Transatlantikflüge vorgelegt – und sie kleinlaut wieder zurückgezogen. Airline-Chef O’Leary gibt sich zerknirscht. Der Fall ist für den Billigflieger mehr als nur eine PR-Panne.
  • 0

LondonRyanair-Boss Michael O’Leary gibt sich zerknirscht. „Wir haben es verbockt“, soll er intern getobt haben. Doch der Schaden ist bereits angerichtet. Kaum eine Woche, nachdem der größte Billigflieger Europas Pläne für die Aufnahme von Langstreckenflügen in die USA vorgelegt hat, rudert die irische Airline nun überraschend kleinlaut zurück. „Angesichts der aktuellen Medienberichte möchte der Aufsichtsrat klarstellen, dass er die Aufnahme transatlantischer Flüge weder prüft noch beschlossen hat“, meldete Ryanair in einer offiziellen Börsenmitteilung. Man plane auch keinerlei Entscheidungen dieser Art.

Es ist ein irisches Kommunikationsdesaster. Das Statement, das Ryanair am 17. März herausgab – und das auch dem Handelsblatt vorliegt – ist wenig missverständlich. „Der Verwaltungsrat von Ryanair hat einen Wachstumsplan für zukünftiges Wachstum beschlossen, der auch Transatlantik beinhaltet“, heißt es da. „Wir sind in Gesprächen mit Flugzeugherstellern für Langstrecken-Maschinen, aber können nähere Details derzeit nicht nennen.“ Noch Fragen? Offensichtlich Ja. O’Leary räumt nun interne Kommunikationsprobleme bei Ryanair ein.

Analysten hatten sich bereits bei der Ankündigung der Pläne skeptisch gezeigt. Geflogen werden sollte von Berlin, London und Dublin zu Zielen wie New York, Boston und Chicago. Doch ist das jüngste Dementi nun das letzte Wort? Glaubt man dem „Irish Independent“, dann gilt auch das nur bedingt. Denn Ryanair habe sich eine Hintertür aufgehalten. Demnach denken die Ryanair-Chefs bei ihren Transatlantik-Plänen in der Zukunft eher an die Gründung einer Tochtergesellschaft oder lediglich an eine Beteiligung.

Für den größten Billigflieger Europas ist die Kommunikationspanne eine peinliche Angelegenheit, die auch am gerade erst aufgebauten Image einer freundlichen, seriösen und serivceorientierten Fluggesellschaft kratzt. Die Ryanair-Website wurde überarbeitet, eine Business Class und Familienpreise wurden eingeführt und bei den Gepäckgebühren ist Ryanair viel großzügiger als früher. Europas größter Billigflieger war für seinen schlechten Umgang mit Kunden bekannt, O’Leary beschimpfte unzufriedene Kunden sogar mitunter öffentlich.

Der Langstrecken-Flop erinnert nun an alte Zeiten. Aber vielleicht ist die Erklärung für das Kommunikationsdesaster auch ganz simpler Natur. Die Mitteilung wurde nämlich am 17. März versandt – dem irischen Nationalfeiertag St. Patrick’s Day, an dem traditionell gerne auch mit einem Guinness gefeiert wird.

Kommentare zu " Ryanair und die Langstrecke: Irisches Kommunikationsdesaster "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%