Ryanair und Easyjet sehen Ende des Booms erreicht
Europas Billigflieger werden skeptischer

Die europäischen Anbieter von Billigflügen erwarten eine Fortsetzung des Preiskampfes in den kommenden Monaten und blicken zurückhaltend in die Zukunft.

HB LONDON/MÜNCHEN. Die irische Fluggesellschaft Ryanair hielt am Montag zwar an ihrer Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2004/2005 fest, stellte aber für das zweite Geschäftshalbjahr ein Ergebnis am unteren Ende der Erwartungen in Aussicht. „Wir sind weiterhin sehr vorsichtig, was die zweite Hälfte angeht“, sagte Unternehmenschef Michael O'Leary in London. Der britische Konkurrent Easyjet kündigte sechs bis achtzehn harte Monate für die Geschäftsentwicklung an.

Nach wie vor rechnet Europas größte Billigflug-Gesellschaft Ryanair mit einem Anstieg des Nachsteuer-Gewinns im Geschäftsjahr um 20 Prozent. Allerdings werde im zweiten Geschäftshalbjahr der Rückgang beim Gewinn je befördertem Passagier am oberen Ende der prognostizierten Spanne zwischen 10 und 20 Prozent liegen.

Weltweit erholen sich Fluggesellschaften von den negativen konjunkturellen Folgen des Irak-Kriegs und der Lungenkrankheit Sars im vergangenen Jahr. Kräftige Anstiege der Ölpreise und ein hart geführter Preiskampf bei Kurzstreckenflügen haben diese Erholung zuletzt allerdings gebremst. O'Leary sagte, er erwarte ein Anhalten der schwierigen Bedingungen. „Es wird schrecklich werden dort draußen. Es wird weitere Preiskriege im Jahr 2005 geben“, stellte der Ryanair-Chef fest. Bei den Ölpreisen gehe er von einem Rückgang auf rund 30 Dollar pro Barrel (knapp 159 Liter) bis zum nächsten Sommer aus. Mitte August waren die Futures auf Rohöl auf Rekordhöhen geklettert, ein Barrel der führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober hatte sich auf mehr als 45 Dollar verteuert. Am Montag kostete es 40,45 Dollar.

Der Finanzdirektor des britischen Billigfliegers Easyjet, Chris Walton, kündigte ebenso wie O'Leary eine schwere Zeit für die Branche an. „Es wird ein sehr harter Winter und das wird eine Zeit lang anhalten“, sagte Walton der Nachrichtenagentur Reuters. „Ob es sechs oder zwölf oder 18 Monate sein werden, wir stehen vor einer sehr schweren Zeit.“

Die defizitäre Fluggesellschaft deutsche Gesellschaft DBA kündigte trotz der verhaltenen Aussichten von Ryanair und Easyjet an, bis Ende 2004 neue Stellen zu schaffen. Die Zahl der Beschäftigten werde um 50 auf 710 steigen, teilte DBA in München mit. Für neue Routen von München nach Hannover und Dresden würden beispielsweise 40 Flugbegleiter gesucht. Zudem habe DBA die Flugzeugflotte erweitert. Im Geschäftsjahr 2003/04 (zum 31. März) hatte DBA einen operativen Verlust von 63 Mill. Euro ausgewiesen.

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