Samsonite kauft Tumi
Freie Bahn für die Koffer-Fusion

Samsonite will seinen US-Rivalen im Koffermarkt Tumi kaufen. Damit würde der Weltmarktführer in Sachen Gepäck das Premiumsegment erschließen – und die No-Name-Konkurrenz noch weiter hinter sich lassen.

DüsseldorfDie südkoreanische Schönheit und Schauspielerin Claudia Kim tut es. Auch Formel-Eins-Pilot Nico Rosberg. Beide werben für die Premium-Koffermarke Tumi. Sie sollen dem amerikanischen Unternehmen helfen, ihr Image als eine der weltweiten Spitzenmarken für Geschäftsreisende zu stärken.

Weltmarktführer Samsonite ist sicherlich nicht wegen der beiden Prominenten auf die Marke aufmerksam geworden, sondern wegen der guten Zahlen. Im vergangenen Jahr steigerte Tumi seinen Umsatz um knapp vier Prozent auf 548 Millionen US-Dollar. Auch der operative Gewinn wuchs um 3,7 Prozent auf 97 Millionen US-Dollar. Und das, obwohl Tumi im vergangenen Jahr noch ein Programm zur Kostensenkung durchgezogen hat.

Nun will Samsonite den US-Konkurrenten nach Informationen kaufen. Dafür legt Samsonite 1,8 Milliarden US-Dollar in bar auf den Tisch. An den Börsen fand der Zukauf viel Zuspruch. Die in Hongkong gelistete Samsonite-Aktie stieg zwischenzeitlich auf den höchsten Wert seit Oktober. „Es ist ein in vielen Aspekten perfektes Geschäft. Dazu gehören der Vertrieb, die regionalen Stärken und Produkte sowie die Preissegmente, in denen beide Firmen aktiv sind“, sagte die Analystin Boyoung Kim von der Bank BNP Paribas. Langfristig schaffe die Übernahme große Synergien.

Samsonite, die weltweite Nummer eins in Sachen Koffern und Reisetaschen, kann mit der Übernahme sein breites Markenportfolio im hochpreisigen Luxussegment abrunden. Mit den Marken Samsonite, American Tourister, Hartmann, High Sierra oder Gregory deckt der Konzern vor allem den hochwertigen Massenmarkt ab.

Das Unternehmen Samsonite, das einst in den USA gegründet wurde und seinen Firmensitz mittlerweile nach Luxemburg verlegt hat, wurde vor vielen Jahren mit seinen Hartschalenkoffern bekannt. So stellte sich zum Beispiel in den Werbespots ein Elefant auf das Reisegepäck, um damit die Stabilität unter Beweis zu stellen. Auch ein Skifahrer rutschte auf einem Koffer einen Hang herunter.

Doch die Erfolgsstory von Samsonite endete 2009 jäh. Denn die Wirtschafts- und Finanzkrise setzte dem Konzern massiv zu. So brach der Umsatz in den USA um fast 20 Prozent und in Europa um 25 Prozent ein.

Der damalige CEO und heutige Chairman Tim Parker musste deshalb handeln. „Wir haben deshalb unsere Produktionskosten reduziert“, sagte er 2014 dem Handelsblatt. Das heißt: Samsonite fertigt nur noch einen kleinen Teil seiner Koffer in eigenen Fabriken. Außerdem schloss Parker eigene Markenläden an teuren Standorten wie der Madison Avenue in New York oder der Regent Street in London. Außerdem versuchte Parker, mit neuen leichteren Kunststoffen zu punkten.

Damals kündigte Parker an, dass er den Umsatz von zwei Milliarden US-Dollar in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wolle. Das wäre 2019. Von seinen eigenen hohen Zielen ist Parker jedoch heute noch weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2015 schaffte er mit seinem Unternehmen gerade einmal einen Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar.

Wenn Parker auch Wert auf organisches Wachstum zum Beispiel durch seine Kernmarke Samsonite legt, so ist der Konzern doch in den vergangenen Jahren auch durch zahlreiche Übernahmen gewachsen. Dazu gehörten American Tourister genauso wie Hartmann oder High Sierra. Insofern passen die jetzt bekannt geworden Pläne, den Rivalen Tumi zu kaufen, zur Langzeitstrategie von Parker.

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