Sanierung
Arcandor legt Konzept bis Ende August vor

Die Zeit drängt: Das Drama um Quelle hat die Kräfte von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg stark beansprucht – zulasten Arcandors. Doch bis Ende August soll auch der Sanierungsplan für den Mutterkonzern stehen. Über die Details einer Rettung unter Zeitdruck.

DÜSSELDORF. Der insolvente Arcandor-Konzern will in der zweiten Augusthälfte ein Grobkonzept für seine Sanierung vorlegen. Das sagte am Dienstag der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg. Das Drama um die Arcandor-Tochter Quelle hatte die Kapazitäten Görgs in den letzten Wochen stark gebunden, die dieser zum Entwickeln eines Sanierungskonzeptes hätte gebrauchen können. „Man muss jetzt jede einzelne Gesellschaft noch mal anschauen und das Sanierungskonzept von unten nach oben prüfen“, sagte sein Sprecher Thomas Schulz.

Nach der Freigabe des staatlichen Rettungskredits über 50 Mio. Euro für Quelle wird der Katalog des Versandhändlers seit Anfang der Woche wieder gedruckt und ausgeliefert. „Der Komplettversand wird bis Ende Juli in den deutschen Haushalten sein“, sagte Schulz.

Für die Arcandor-Tochter Karstadt sind mittlerweile 15 Interessenten im Rennen. „Die erste Person in der Ansprache ist und bleibt dabei der Vorstand“, so Sprecher Schulz. Erneut kündigte Insolvenzverwalter Görg an, dass ein möglicher Verkaufsprozess nicht vor dem 1. September in Bewegung kommen wird – wenn es bei Karstadt nach der derzeit noch vorläufigen Insolvenz endgültig zur Verfahrenseröffnung kommt. Die Gläubigerversammlung soll voraussichtlich in der ersten Novemberhälfte stattfinden.

Görg strebt gemeinsam mit Horst Piepenburg, dem neuen Arcandor-Generalbevollmächtigten, ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung an. Nur so könnte der Konzern als Ganzes erhalten werden. Aber selbst falls ab September eine Eigenverwaltung eingesetzt würde, bliebe der Vorstand in Amt und Würden, sagte Insolvenzsprecher Schulz.

Derweil warten 1 500 Ex-Arcandor Mitarbeiter, die für die Arcandor-Firmen Profectis, Itellium und Servicelogiq gearbeitet haben, auf ihre Betriebsrente, die sie seit der Insolvenz des Konzerns Anfang Juni nicht mehr erhalten haben. Der Hintergrund der Verzögerung ist unklar. Nun liefen die Gespräche zwischen Pensionstrust, der vorläufigen Insolvenzverwaltung und dem Pensions-Sicherungs-Verein (PSV), sagte Schulz. Der PSV ist eine Art Auffangnetz für die Betriebsrente von Millionen Beschäftigten in deutschen Unternehmen.

Einen Teil der Rentenverpflichtungen hatte Arcandor in einen externen Pensionsfonds, ein sogenanntes Contractual Trust Arrangement (CTA) ausgelagert. Ein CTA wird ausfinanziert – meist durch Abgabe von Aktien, anderen Wertpapieren oder Immobilien. Bislang gibt es in Deutschland keine Erfahrung damit, was aus einem CTA im Falle einer Insolvenz wird. Der PSV muss bei Arcandor auf jeden Fall die Differenz zwischen dem CTA-Vermögen von offiziell 2,1 Mrd. Euro und den Betriebsrentenverpflichtungen von mehr als drei Mrd. Euro aufbringen. Er springt aber erst dann ein, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet ist – vor September fließt deshalb kein Geld.

Annika Reinert
Christine Weißenborn
Handelsblatt / Redakteurin
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